Dresscode Angemessen angezogen zur Arbeit

Dresscode
Der Arbeitgeber hat ein Weisungsrecht, das sich nicht nur auf die Ausführung der Arbeit erstreckt, sondern auch aufs Äussere des Arbeitnehmers.

Der Chef darf Angestellten ein gepflegtes Auftreten im Job vorschreiben. Fragt sich nur, was das heisst.

aktualisiert am 09. Feb 2016 16:50

Neulich in der Kaffeepause: «Jetzt trägt der Kellerhans aus dem zweiten Stock schon seit drei Tagen das gleiche T-Shirt. Ob ich ihm mal sagen soll, dass ich es mit jedem Tag lieber sehe?» – «Na und? Lass ihn doch. Wir sind hier schliesslich zum Chrampfen, nicht auf einer Cocktailparty.» – «Aber auch im Büro kann man sich anständig anziehen! Ich finde, da sollte mal jemand ein Machtwort sprechen.» Vielleicht kennen Sie solche Gespräche. Lesen Sie, wie es weitergehen könnte, wenn Kellerhans aus dem zweiten Stock Wind von der Sache bekäme.

«So weit kommts noch, dass mir der Arbeitgeber diktiert, wie ich mich zu kleiden habe!»

Das ist leicht gesagt, aber: Der Arbeitgeber hat ein Weisungsrecht, das sich nicht nur auf die Ausführung der Arbeit erstreckt, sondern auch aufs Äussere des Arbeitnehmers.

Auch wenn es rechtlich gesehen einen Eingriff in ihr Persönlichkeitsrecht darstellt, müssen sich Angestellte in Betrieben mit spezieller Zielsetzung besonders strenge Vorschriften gefallen lassen.

In der Privatklinikgruppe Hirslanden etwa werden Mitarbeitende in Bezug auf Haltung und Erscheinung von Stilberatern geschult. Zum einheitlichen Erscheinungsbild gehört nicht nur eine auf die Bedürfnisse der jeweiligen Arbeitsbereiche ausgerichtete, einheitliche Berufskleidung, die Mitarbeitenden sollen auch in der Wahl von Frisur, Make-up, Maniküre und Accessoires diskret und stilvoll sein. Pflegende etwa dürfen keine sichtbaren Tätowierungen oder Piercings tragen.

Ähnlich streng sind die Kleidervorschriften bei Grossbanken. Bei der Credit Suisse zum Beispiel ist im Handbuch für Mitarbeiterinnen mit Kundenkontakt zu lesen: «Die Farben der Strümpfe und Strumpfhosen wählen Sie dunkler oder gleich dem Rand des untersten Kleidungsstücks. Sind die Temperaturen auch noch so hoch – im Business zeigt die Dame nie ein nacktes Bein.» Jeans sind ebenso verpönt wie T-Shirts, Sweatshirts, rückenfreie Oberteile, Turnschuhe oder Flipflops.

Das Weisungsrecht des Arbeitgebers in Sachen Outfit hat aber seine Grenzen: Sachlich nicht begründbare, offensichtlich schikanöse oder sexistische Weisungen müssen Arbeitnehmende nicht befolgen. Zu Recht weigerten sich vor einiger Zeit Verkäuferinnen, zur Osterzeit einen Haarreif mit Hasenohren zu tragen.

«Dresscode ist etwas für Spiesser»

Mag sein. Doch als Arbeitnehmer sind Sie Repräsentant Ihrer Firma – und sollten sich auch so benehmen. Will heissen: Sie sollten sich auch äusserlich der Unternehmenskultur anpassen.

«Mit einem ungepflegten, schludrigen Auftreten demonstriere ich, dass ich mir nichts aus Äusserlichkeiten mache und auch nicht bereit bin, mich in Hierarchien und Strukturen einzuordnen», erklärt Laufbahnberaterin Regula Zellweger. «Ausgebeulte T-Shirts zum Beispiel, Heilandsandalen und Strubbelbart haben etwas Pubertäres. Damit zeige ich, dass ich in meiner Entwicklung irgendwo stehengeblieben bin.»

Als Faustregel gilt: Gehen Sie so gekleidet zur Arbeit, dass Sie jederzeit zu einem Kundentermin oder zu einem Gespräch mit der Leitung Ihrer Firma gerufen werden könnten.

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Stellenbewerber fürchten sich vielfach vor Fragen beim Vorstellungsgespräch. Guider-Mitglieder haben jedoch einen Vorteil: In der Checkliste erfahren sie nicht nur, welche Fragen häufig gestellt werden und ob diese rechtlich wahrheitsgemäss beantwortet werden müssen, sondern auch, worauf sie bei der Lohnverhandlung achten sollten.

Regeln für das Vorstellungsgespräch
Job-Interview: Darauf achten Arbeitgeber
Eignungstest im Bewerbungsverfahren
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Über den Arbeitsvertrag verhandeln

«Auf die Ausstrahlung und die Kompetenz kommt es an, nicht auf Schnickschnack!»

Richtig. Ihre Einzigartigkeit beweisen Sie nicht nur mit Ihrer Kleidung. «Doch im Äusseren spiegelt sich die Befindlichkeit», weiss Fachfrau Regula Zellweger. Wichtig ist, dass man sich wohl fühlt und sich genügend Zeit für die Auswahl lässt. Schlecht sitzende Anzüge wirken so unbeholfen wie ungepflegte Hemden oder Trauerränder unter den Fingernägeln.

Schlichte Schnitte, dezente Farben und klassische Formen unterstreichen die Kompetenz. Wer dagegen primär auf knallige Farben, wilde Muster oder zu viel Haut setzt, läuft Gefahr, zum Pausenclown zu verkommen. «In den letzten Jahren ist die Mode freier und lockerer geworden, nicht zuletzt für ältere Arbeitnehmende», sagt Zellweger. «Wer sich modisch und authentisch kleidet, ohne sich dem Jugendwahn anzubiedern, drückt Selbstbewusstsein und Lebensfreude aus und hinterlässt so einen besonders starken Eindruck.»

«Ich will kein Geld für teure Kleidung aus dem Fenster werfen!»

Das müssen Sie auch gar nicht. Um gepflegt und geschmackvoll gekleidet zu sein, sind keine Markenklamotten nötig. Wer auf leicht kombinierbare Teile in guter Qualität achtet, spart nicht nur eine Menge Geld, sondern morgens auch Zeit vor dem Kleiderschrank.

Zur Grundausstattung gehören gut sitzende, nicht zu enge Hemden, Blusen und Shirts. Dazu Stoff- oder Wollhosen, dunkle Jeans. Ebenfalls ein Blazer oder Strickjacken sowie ein Mantel oder Trenchcoat in den Basisfarben Schwarz, Grau, Dunkelblau, Braun oder Beige. Dieser Grundstock lässt sich durch geschmackvolle Accessoires aufpeppen, etwa spezielle Schuhe, Taschen, dezenten Schmuck, Handschuhe oder ein Stoff- oder Seidentuch. «Wer es mag und sich darin wohl fühlt, darf selbstverständlich auch auffälligere Farben wählen», erklärt die Zürcher Stilberaterin Dionyssia Yannoulis. «Doch die Farbe sollte zur eigenen Verfassung passen. Wer einen roten Blazer tragen möchte, darf sich an einer Sitzung nicht in der Masse verstecken wollen.»

In Yannoulis' Kursen holen sich Berufs- und Wiedereinsteigerinnen Tipps. «Viele wissen nicht recht, was im neuen Umfeld von ihnen erwartet wird, und wählen deshalb Kleidungsstücke, in denen sie sich nicht wirklich wohl fühlen. Ich helfe ihnen, sich so zu kleiden, dass sie sich selber bleiben können.»

«Und was gilt in einer Firma, wenn es keinen ausformulierten Dresscode gibt?»

Finden Sie es heraus: Wie will Ihr Unternehmen in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden? Und: Wie wollen Sie selber in der Firma wahrgenommen werden?

Grundsätzlich sollten sich Angestellte punkto Dresscode auf der Augenhöhe ihrer Vorgesetzten und Kunden bewegen, keinesfalls darunter. «Wer zu wenig auf sein Äusseres achtet, läuft Gefahr, seine Kompetenz zu entwerten», gibt Stilberaterin Dionyssia Yannoulis zu bedenken. Oder, wie es Modeschöpfer Giorgio Armani einmal ausdrückte: «Man sollte sich für jenen Job anziehen, den man gerne hätte.»

Kleines Dresscode-Lexikon

  • Business wear: Geschäftskleidung für formelle Veranstaltungen wie Sitzungen mit Kunden, Vorstellungsgespräche, Empfänge, Tagungen, Geschäftsessen. Erwartet wird dunkle, hochwertige Kleidung, für Herren gilt Krawattenpflicht.

  • Smart casual wear: Leichte Business­kleidung für weniger formelle Anlässe. Die Herren können die Krawatte weglassen und statt des Hemdes ein Shirt tragen.

  • Casual wear: Elegante Freizeitbekleidung. Dunkle Jeans, Stoffhose respektive Rock mit Jackett oder Blazer, Polo-Shirt, Hemd respektive Bluse. Krawatte nicht nötig.

  • Casual friday: Gilt in einigen Unternehmen als Einstimmung auf das Wochenende. Erlaubt sind dunkle Jeans, Hemd ohne Krawatte oder Anzüge aus Leinenstoff.

  • Black tie: Für festliche Anlässe wie Bälle, Opernbesuche oder förmliche Dinners. Verlangt wird dunkler Anzug, dunkle Krawatte, einfarbiges Hemd, am besten weiss, mit Doppelmanschette und Manschettenknöpfen. Damen tragen ein elegantes Kostüm oder Abendkleid.

Frauen: Das liegt nicht drin

  • zu viel Parfum, zu grelles Make-up
  • zu viel oder zu auffälliger Schmuck
  • tiefer Ausschnitt, Spaghettiträger
  • kurze, geschlitzte Kleidung
  • sichtbare Unterwäsche
  • zu enge oder durchsichtige Kleidung
  • ungepflegte Schuhe
  • zu hohe Absätze
  • bei formellen Anlässen: nackte ­Schultern, Beine und Füsse

Männer: Das liegt nicht drin

  • Mundgeruch
  • Körpergeruch, Schweissflecken
  • strähnige Haare, Dreitagebart
  • schmutzige Fingernägel
  • schmutzige Brillengläser
  • Krawatten mit auffälligen oder «lustigen» Motiven
  • Hochwasserhosen, zu kurze Knöchel­socken, Tennissocken
  • Shorts
  • schiefe, abgetretene Absätze
  • bei formellen Anlässen: ausgezogener Veston und gelockerte Krawatte

Vorstellungsgespräch: Was soll ich anziehen?

Wer sich bei einem künftigen Arbeitgeber in geeigneter Kleidung präsentiert, erhöht seine Chancen auf den Job.

  • Grundsätzlich gilt: Die Kleidung sollte zur Arbeit passen. Im Discountladen gelten andere Massstäbe als in einer Boutique.

  • Erkundigen Sie sich am besten schon bei einer Bewerbung über die übliche Kleidung am neuen Ort. So vermeiden Sie unangenehme Überraschungen.

  • Gehen Sie lieber etwas «overdressed» ins Vorstellungsgespräch, wenn Sie über die Bräuche und Sitten in der Firma nichts wissen.

  • Beim Vorstellungsgespräch sollte der Arbeitgeber klarstellen, welche Berufskleidung erwartet wird. Fragen Sie nach allfälligen Vorschriften und Einschränkungen. Das ist besser, als ins Fettnäpfchen zu treten.

  • Wenn Sie mit den Kleidervorschriften nicht einverstanden sind, lassen Sie lieber Ihre Finger von dem Job. Denn wer sich dem Arbeitgeber widersetzen oder gar mit der Kleidung provozieren will, ist von vornherein auf verlorenem Posten.

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Autor:
  • Gabriela Baumgartner
Bild:
  • Thinkstock Kollektion
  •  und Jan Feindt