Putzfrauen Was bei der Anstellung einer Haushaltshilfe gilt

Putzfrau anstellen
Faire und branchenübliche Putzfrauenlöhne dürften in den meisten Regionen der Schweiz zwischen 20 und 30 Franken pro Stunde liegen.

Wer eine Haushaltshilfe beschäftigt, denkt oft nicht daran, dass er zum Arbeitgeber wird, dem sich wichtige Fragen stellen: Wie viel soll eine Putzfrau verdienen? Ist eine Unfallversicherung obligatorisch? Die Antworten.

aktualisiert am 27. Sep 2016 13:27

Wer eine Haushaltshilfe oder einen Babysitter beschäftigt, denkt häufig nicht daran, dass er zum Arbeitgeber wird – mit allen damit verbundenen Pflichten. Was viele nicht wissen: Bei Hausangestellten müssen für jeden noch so kleinen Lohn AHV-Beiträge abgerechnet werden. Einen «Freibetrag» wie in anderen Berufen gibt es nicht. Doch wie beschäftigt man eine Putzfrau korrekt? Die häufigsten Fragen zur Haushaltshilfe – und die Antworten darauf.

Wie viel Lohn?

Ich möchte eine Putzhilfe beschäftigen. Wie viel Lohn ist angemessen?
Die seit 2013 vorgeschriebenen Mindestlöhne gelten für Hausangestellte ab einem Wochenpensum von fünf Stunden. Faire und branchenübliche Putzfrauenlöhne dürften aber ohnehin in den meisten Regionen der Schweiz zwischen 20 und 30 Franken pro Stunde liegen.

Unfallversicherung nötig?

Ich habe meine Putzfrau ordnungsgemäss bei der AHV angemeldet. Muss ich wirklich noch eine Unfallversicherung für sie abschliessen? Sie ist über ihre Krankenkasse unfallversichert.
Die Krankenkasse kommt nur für Nichtberufsunfälle auf. Als Arbeitgeber sind Sie verpflichtet, Ihre Angestellte gegen Berufsunfälle zu versichern - auch dann, wenn sie nur wenige Stunden pro Monat bei Ihnen arbeitet. Die Prämie von zirka 100 Franken pro Jahr muss der Arbeitgeber bezahlen. Arbeitet eine Hausangestellte mehr als acht Stunden pro Woche bei einem einzigen Arbeitgeber, ist dieser verpflichtet, sie auch gegen Nichtberufsunfälle zu versichern. Diese Beiträge können der Angestellten vom Lohn abgezogen werden. Sie können selber eine solche Versicherung abschliessen oder auf dem Anmeldeformular der AHV angeben, bei welcher Versicherung Sie Ihre Putzfrau gegen Unfälle versichern lassen möchten.

Ist die Anmeldung Pflicht?

Eine Bekannte putzt alle zwei Wochen bei mir. Ihren Lohn von 20 Franken pro Stunde bekommt sie nicht ausbezahlt, sondern sie bezieht bei mir Deutschstunden. Muss ich sie dennoch anmelden?
Ja, denn es handelt sich hier nicht um eine Gefälligkeit, sondern um eine Tätigkeit gegen Entgelt. Laut Gesetz dürfen Sie Ihrer Putzfrau nicht vorschreiben, wie sie ihren Lohn ausgeben will. Zudem hat sie das Recht, jederzeit auf die Deutschstunden zu verzichten und stattdessen die Auszahlung des Lohns zu verlangen.

Lohnanspruch bei Krankheit?

Meine Putzfrau ist ernsthaft erkrankt und deshalb nicht arbeitsfähig. Hat sie einen Lohnanspruch? Und wenn ja: wie viel Prozent und wie lange?
Wer eine Putzfrau oder sonstige Hausangestellte beschäftigt, gilt als normaler Arbeitgeber – mit allen Rechten und Pflichten. Diese sind grundsätzlich im Obligationenrecht (OR) beschrieben. Bei hauswirtschaftlichen Angestellten gelten aber noch weitere, kantonale Bestimmungen, die die Arbeitsbedingungen regeln, die sogenannten Normalarbeitsverträge (NAV). In den meisten NAV werden Arbeitgeber verpflichtet, eine Krankentaggeldversicherung für ihre Hausangestellten abzuschliessen, die während 720 Tagen ein Taggeld von 80 Prozent zahlt. Erfüllen die Arbeitgeber diese Pflicht nicht, müssen sie für den Schaden geradestehen.

In einem schriftlichen Vertrag können zwar vom NAV abweichende Regelungen getroffen werden; fehlt jedoch ein solcher Vertrag, gilt der NAV des Wohnkantons automatisch. Wenn Sie keinen schriftlichen Vertrag abgeschlossen haben, ist das auch bei Ihnen der Fall. Sieht der NAV Ihres Wohnkantons eine Pflicht zum Abschluss einer Krankentaggeldversicherung vor und haben Sie keine solche abgeschlossen, müssen Sie der Angestellten 80 Prozent des Lohns so lange zahlen, bis sie wieder gesund ist – gegebenenfalls bis zu 720 Tage lang.

Da es sich als sehr schwierig erweisen kann, eine Krankentaggeldversicherung für eine Putzfrau zu finden, ist es oft unumgänglich, die Gültigkeit des NAV auszuschliessen, um bei Krankheitsabsenzen nicht übermässig lange selber zahlen zu müssen. Wird der NAV in einem schriftlichen Vertrag wegbedungen, gilt die übliche Regelung gemäss OR. Danach dauert die Lohnzahlung im ersten Dienstjahr drei Wochen, nachher eine «angemessene längere Zeit» gemäss den von den Zürcher, Berner und Basler Gerichten entwickelten Skalen.

Guider – der digitale Berater des Beobachters

Mehr zu Teilzeitarbeit & Co. bei Guider, dem digitalen Berater des Beobachters

Wer in einem besonderen Arbeitsverhältnis steht, hat meistens Sonderbestimmungen zu beachten. Guider erläutert seinen Mitgliedern, welche Rechtsfragen sich unter anderem bei einer Teilzeitarbeit, bei Arbeit auf Abruf, bei Mehrfachbeschäftigungen oder bei Anstellungen in Privathaushalten stellen können.

Arbeit auf Abruf
Temporärarbeit/Personalverleih
Heimarbeit
Mehrfachbeschäftigung, Nebenverdienst
Hausangestellte
Angestellte im AHV-Alter

Quellensteuer abziehen?

Meine Putzfrau sagt, andere Arbeitgeber würden ihr vom Lohn die Quellensteuer abziehen. Ist das korrekt?
Ja. Mit dem vereinfachten Abrechnungsverfahren ist auch eine Quellensteuerpflicht eingeführt worden. Sie gilt für alle Angestellten, deren Lohn im vereinfachten Abrechnungsverfahren abgerechnet wird, auch für Schweizerinnen und Schweizer. Der Arbeitgeber muss fünf Prozent vom Lohn abziehen (0,5 Prozent direkte Bundessteuer, 4,5 Prozent Kantons- und Gemeindesteuer) und diesen Betrag einmal jährlich mit den übrigen Sozialversicherungsbeiträgen (AHV/IV/EO/ALV, zusammen 6,225 Prozent) an die Ausgleichskasse weiterleiten. Die Angestellte erhält eine Bescheinigung über die abgelieferte Steuer, die sie der Steuererklärung beilegen muss. Das Einkommen, das vereinfacht abgerechnet wurde, muss also nicht doppelt versteuert werden.

Wer zahlt Schäden?

Meine Putzfrau versteht nur schlecht Deutsch. Neulich verwendete sie das falsche Mittel, um den Schieferboden zu reinigen. Zwei Platten sind irreparabel verfärbt. Muss sie für den Schaden aufkommen?
Angestellte haften nur eingeschränkt, wenn sie ihrem Arbeitgeber einen Schaden verursachen, und auch nur dann, wenn sie absichtlich oder grob fahrlässig gehandelt haben. Bei der Beurteilung des Verschuldens spielt es eine Rolle, wie qualifiziert eine Angestellte ist. Da Sie wussten, dass Ihre Putzfrau schlecht Deutsch spricht, hätten Sie sie über die Anwendung der im Haushalt vorhandenen Mittel besser instruieren und überwachen müssen. Deshalb kann sie nicht zur Rechenschaft gezogen werden.

So schaffen Sie klare Verhältnisse

  • Besorgen Sie sich bei der kantonalen Ausgleichskasse Ihres Wohnkantons das Anmeldeformular für das ordentliche oder für das vereinfachte Abrechnungsverfahren. Füllen Sie dieses aus und reichen es zusammen mit dem AHV-Ausweis Ihrer/Ihres Angestellten ein.. Die Zweigstelle ist auch für die Quellensteuer und auf Wunsch für den Abschluss der Unfallversicherung zuständig. Das Merkblatt «Hausdienstarbeit 2.06» enthält weitere Infos.

  • Beachten Sie, dass die Kantone sogenannte Normalarbeitsverträge für Hauspersonal erlassen müssen, die in der Regel auch dem Obligationenrecht übergeordnete Bestimmungen über Kündigungsfristen, Probezeit, Ferien, Lohnfortzahlung oder Krankentaggeldversicherung enthalten.

  • Der Abschluss eines schriftlichen Arbeitsvertrages ist nicht zwingend, aber sehr zu empfehlen.

Das isch Strub - Wie man Putzfrauen sauber behandelt

Beobachter-Experte Patrick Strub erläutert Fragen rund ums Thema Haushaltshilfe, die Sie sich vielleicht noch nie gestellt haben - sich aber stellen sollten.

Buchtipp

ArbeitsrechtVom Vertrag bis zur KündigungMehr InfosIn den WarenkorbE-Book
Autor:
  • Gabriela Baumgartner
Bild:
  • Thinkstock Kollektion