Jobverlust So bleiben Sie geschützt

Kündigung Arbeitslosenversicherung Pensionskasse Krankentaggeldversicherung
Arbeitgeber müssen Mitarbeiter während der Kündigungsfrist über die Versicherungsdeckung informieren - unabhängig davon, ob der Mitarbeiter oder der Arbeitgeber gekündigt hat.

Jede Veränderung des Anstellungsverhältnisses hat Auswirkungen auf den Versicherungsschutz bei Krankheit und Unfall. Was Arbeitgeber und Arbeitnehmer darüber wissen müssen.

aktualisiert am 24. Feb 2016 10:01

Informationspflicht des Arbeitgebers

Arbeitgeber müssen den Mitarbeiter während der Kündigungsfrist über seine Versicherungsdeckung informieren - unabhängig davon, ob der Mitarbeiter oder der Arbeitgeber gekündigt hat. Die folgenden Versicherungen sind betroffen:

Pensionskasse: Der Arbeitnehmer ist noch einen Monat nach Firmenaustritt in der bisherigen Pensionskasse gegen Tod und Invalidität versichert. Weisen Sie Ihren Mitarbeiter darauf hin, dass er sich nach diesem Monat bei der Auffangeinrichtung (www.chaeis.net) freiwillig versichern kann – falls er nicht schon nach einem Monat wieder eine neue Stelle antritt oder sich beim Arbeitsamt meldet.

Unfallversicherung: Nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses ist der Mitarbeiter noch 30 Tage gegen Unfall versichert. Tritt er erst später eine neue Stelle an oder meldet er sich nicht innert 30 Tagen beim Arbeitsamt, kann er eine Abredeversicherung (maximal 180 Tage) abschliessen und hat so 210 Tage vollen Versicherungsschutz. Informieren Sie den Mitarbeiter schriftlich über diese Möglichkeit und weisen Sie darauf hin, dass er sonst die Unfalldeckung bei der Krankenkasse wieder einschliessen muss.

Krankentaggeldversicherung: Hat Ihre Firma eine Kollektiv-Krankentaggeldversicherung abgeschlossen, kann ein scheidender Mitarbeiter in der Regel (zwingend ist das Übertrittsrecht nur bei ­Arbeitslosen) aus der Kollektiv- in die Einzel-Kran­ken­taggeldversicherung übertreten. Beziehen Sie dazu von der Versicherung die nötigen Informationen und leiten Sie diese schriftlich an den Mitarbeiter weiter.

Was Arbeitnehmer wissen müssen

Kündigung, Time-Out oder Stellenwechsel: Wie kann man den Versicherungsschutz aufrechterhalten? Wann ist in welcher Konstellation was zu tun? Wir klären auf anhand von vier typischen Situationen:

Fall 1: Gekündigt und arbeitslos

Fallbeispiel: Frau Müller verliert ihre Stelle und findet nicht sofort eine neue.

Krankentaggeldversicherung: Das Arbeitsrecht verpflichtet den Arbeitgeber, einem Angestellten, der ohne Verschulden wegen Krankheit nicht arbeiten kann, den Lohn eine gewisse Zeit weiterzuzahlen. Der Arbeitgeber kann hierzu freiwillig eine Krankentaggeldversicherung abschliessen; vielfach sieht der Gesamtarbeitsvertrag eine solche zwingend vor. Hat Frau Müllers Arbeitgeber eine solche Versicherung abgeschlossen, kann sie diese nach Stellenverlust als Privatperson weiterführen. Ein Übertritt ist ohne Gesundheitsprüfung möglich.

Hat Müllers Firma keine Krankentaggeldversicherung, erhält sie von der Arbeitslosenversicherung bei Krankheit eine Entschädigung, jedoch nur 30 Tage lang.

Unfallversicherung: Nach Stellenaustritt ist Frau Müller noch automatisch während 30 Tagen gegen Unfall versichert. Meldet sie sich innerhalb dieser Frist bei der Arbeitslosenversicherung an, geht der Versicherungsschutz weiter.

Pensionskasse: Während einem Monat ab Ende des Arbeitsverhältnisses ist Müller in der Pensionskasse noch für die Risiken Tod und Invalidität versichert. Als Empfängerin von Arbeitslosenentschädigung geht der Schutz weiter.

Arbeitslosenversicherung: Frau Müller sollte sich noch während der laufenden Kündigungsfrist beim Arbeitsamt melden. Auch wenn sie vorübergehend krank und somit gar nicht vermittelbar ist, kann sie sich dennoch arbeitslos melden und wie erwähnt zumindest während 30 Tagen Arbeitslosengeld beziehen.

Fall 2: Sabbatical

Fallbeispiel: Herr Fischer bezieht einen unbezahlten Urlaub. Danach kehrt er wieder zu seinem jetzigen Arbeitgeber zurück.

Krankentaggeldversicherung: Ein Übertritt in die Einzel-Krankentaggeldversicherung ist nicht sinnvoll. Da man in der Regel während eines befristeten Urlaubs keiner Erwerbstätigkeit nachgeht, entsteht im Krankheitsfall auch kein Verdienstausfall, und der Taggeldversicherer muss in diesem Fall keine Leistungen erbringen. Sobald Fischer wieder an die Arbeitsstelle zurückkehren könnte, aber wegen Krankheit verhindert ist, übernimmt die Kollektiv-Krankentaggeldversicherung die Lohnzahlung.

Unfallversicherung: Es gilt wiederum die Nachdeckungsfrist von 30 Tagen seit Urlaubsbeginn. Dauert Fischers unbezahlter Urlaub länger als 30 Tage, kann er die Unfallversicherung mit einer sogenannten Abredeversicherung um maximal 180 weitere Tage verlängern. Die Anmeldung muss noch vor Urlaubsbeginn beim Arbeitgeber oder dem Unfallversicherer erfolgen. Ist er gar länger als diese vom Unfallversicherer des Arbeitgebers gedeckten 210 Tage im Urlaub, muss er nach rund sieben Monaten das Unfallrisiko bei der Krankenkasse versichern. Zu beachten ist jedoch, dass beim Krankenversicherer die Franchise und der Selbstbehalt selber zu tragen sind.

Pensionskasse: Sofern das Arbeitsverhältnis bestehen bleibt und der jährliche Verdienst nicht unter die Eintrittsschwelle von 21'150 Franken fällt (Stand 2016), bleibt Herr Fischer während der unbezahlten Ferien versichert. Falls dies nicht so ist, Fischer aber die Risiken versichern möchte, kann er bei der Stiftung Auffangeinrichtung BVG eine Versicherung abschliessen.

Arbeitslosenversicherung: Falls Herr Fischer vom Arbeitgeber trotz gegenseitig vereinbarter Rückkehr an den Arbeitsplatz die Kündigung erhält, sollte er sich noch während der Kündigungsfrist beim Arbeitsamt der Wohngemeinde melden.

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Im Falle eines Jobverlusts und anschliessender Arbeitslosigkeit bezahlt die Arbeitslosenkasse eine Entschädigung in Form von Taggeldern aus, wenn man sich beim RAV anmeldet. Auf Guider erfahren Mitglieder nicht nur, wie hoch das Arbeitslosengeld ausfallen wird, sondern wie man darüber hinaus versichert ist.

Allgemeine Wartefrist in der ALV
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Wie lange zahlt die Arbeitslosenversicherung?
ALV-Taggeld bei Arbeitsunfähigkeit
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Fall 3: Stellenwechsel

Fallbeispiel: Frau Schmid hat ihre Stelle selber gekündigt und tritt sofort wieder eine neue Arbeitstelle an.

Krankentaggeldversicherung: Bietet die neue Firma keine Krankentaggeldversicherung an, ist es allenfalls angebracht, die Kollektiversicherung beim bisherigen Arbeitgeber in eine Einzel-Krankentaggeldversicherung umzuwandeln. Denn falls Frau Schmid wegen Krankheit ausfällt, muss der neue Arbeitgeber laut Gesetz nur während einiger weniger Wochen den Lohn weiterzahlen.

Unfallversicherung: Frau Schmid muss keine Massnahmen treffen, es sei denn, sie ist an der neuen Arbeitsstelle weniger als acht Stunden pro Woche tätig. Dann muss sie die Unfalldeckung für Nichtberufsunfälle bei ihrer Krankenkasse einschliessen.

Pensionskasse: Beim Stellenwechsel wird das Freizügigkeitsguthaben von der alten an die neue Kasse übertragen. Bei dieser ist Schmid dann ab Stellenantritt versichert.

Arbeitslosenversicherung: Es sind keine Vorkehrungen notwendig.

Fall 4: Selber gekündigt und ohne Job

Fallbeispiel: Herr Meier hat seinen Job selber gekündigt, um sich eine Auszeit zu gönnen. Eine neue Stelle wird er sich erst später suchen.

Krankentaggeldversicherung: Der Übertritt in die Einzel-Krankentaggeldversicherung ist sinnvoll. Erkrankt Meier nämlich während des Sabbaticals oder der Stellensuche, erhält er vom Versicherer ein Taggeld ab Urlaubsende. Vorausgesetzt, er kann belegen, dass er eine neue Stelle hätte antreten oder Arbeitslosenentschädigung hätte beziehen können.

Unfallversicherung: Während der ersten 30 Tage seiner Auszeit ist Herr Meier noch versichert. Dauert sein Sabbatical länger, ist es von Vorteil, wenn er beim Versicherer seines bisherigen Arbeitgebers eine Abredeversicherung von maximal 180 weiteren Tagen abschliesst – das muss er jedoch noch während seiner Anstellung tun. So ist er insgesamt während 210 Tagen versichert. Sollte er in dieser Zeit verunfallen, erhält er vom Versicherer ein Taggeld ab Ende des Sabbaticals – vorausgesetzt, er kann belegen, dass er eine neue Stelle hätte antreten oder Arbeitslosenentschädigung hätte beziehen können.

Pensionskasse: Ist Herr Meier länger als die Nachdeckungsfrist von einem Monat im Sabbatical, empfiehlt sich die Weiterversicherung bei der Pensionskasse des bisherigen Arbeitgebers oder bei der Stiftung Auffangeinrichtung BVG.

Arbeitslosenversicherung: Neigt sich Meiers Auszeit dem Ende zu, sollte er mit der Stellensuche anfangen und sich beim Arbeitsamt melden. Er erhält dann eine Arbeitslosenentschädigung. Achtung: Bezieht Meier für mehr als drei Monate im Kalenderjahr weder ein Erwerbseinkommen noch Arbeitslosenentschädigung, sollte er sich bei der AHV als Nichterwerbstätiger anmelden.

Buchtipp

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Autor:
  • Hansjürg Reber
Bild:
  • Thinkstock Kollektion