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ADP Promotion

Banges Warten auf den Lohn

Text:
  • Martin Müller
Bild:
  • Marcus Gyger
Ausgabe:
20/06

Kein Geld für viel Einsatz: Eine Werbefirma zahlt Studentinnen die ihnen zustehenden Gehälter nicht aus. Und stellt sich tot, wenn reklamiert wird.

Alle sind ihnen schon begegnet: den hübschen jungen Damen, die im Shoppingcenter Gratismüsterli verteilen, bei Wettbewerben neben dem Glücksrad stehen oder sich als «Knorrli» verkleiden. «Promotorin» wird dieser Job genannt, und er wird häufig von Studentinnen nebenbei ausgeübt.

Zum Beispiel bei der Firma ADP Promotion aus Zürich. Sie schmückt sich auf ihrer Homepage mit einer langen Liste renommierter Kunden, von Bluewin über Kellogg’s bis UBS. Und sie zahlt den Promotorinnen je nach Einsatz Fr. 21.50 bis Fr. 24.50 pro Stunde. Oder besser gesagt: Sie müsste zahlen.

Keine Reaktion auf Einschreiben


Mehrere Dutzend junge Frauen warten seit Monaten auf den ihnen zustehenden Lohn. Zwischen 350 und 4'160 Franken liegen die jeweils ausstehenden Beträge für Studentinnen erhebliche Summen. Bei Carmen Worobec zum Beispiel sind es 2'975 Franken. Die 28-Jährige rührte im April für die Kosmetikfirma Schwarzkopf die Werbetrommel. Auch Jasmin Owen warb vier Tage lang für denselben Wettbewerb sie wartet noch auf 989 Franken.

Oder Mirjam Buchmann. Sie präsentierte im April in Einkaufszentren Wasserfilterkartuschen von Brita die ADP schuldet ihr 514 Franken. Auch die Einsätze am Autosalon in Genf, für Ajax sowie für das Alinghi-Team im Auftrag der UBS wurden mindestens teilweise nicht bezahlt.

Die jungen Frauen versuchten alles, um an ihr Geld zu kommen: Auf Mails und eingeschriebene Briefe reagierte ADP nicht. Am Telefon hiess es, zwei Grosskunden hätten nicht bezahlt, darum habe ADP einen Liquiditätsengpass. Und so wurden die jungen Frauen Woche für Woche, Monat für Monat vertröstet. Umso unverständlicher, weil in ihren Fällen die jeweiligen Auftraggeber in Wirklichkeit längst bezahlt hatten, wie die Firmen Brita und Schwarzkopf bestätigen.

Statt den Lohn schickte die ADP den Promotorinnen Ende August eine Mail: Zur «Kontrolle unserer Lohnbuchhaltung aufgrund einer internen Revision» wurden sie aufgefordert, die offenen Ansprüche nochmals zu melden.

Gerichtstermine platzen lassen


Einige der Betroffenen, darunter auch Jasmin Owen, haben diese Forderungen inzwischen vor Arbeitsgericht eingeklagt. Soweit dem Beobachter bekannt, gewannen die Promotorinnen sämtliche Prozesse die ADP erschien gar nie vor Gericht und nahm darüber hinaus nicht einmal die eingeschriebenen Vorladungen und Urteile des Gerichts entgegen.

Carmen Worobec hat wie einige weitere Geschädigte die Betreibung eingeleitet. Allerdings ist der Erfolg ungewiss: Allein seit Anfang dieses Jahres belaufen sich die unbezahlten Forderungen gegenüber der ADP auf 190’000 Franken, wie der Auszug aus dem Betreibungsregister zeigt. Offensichtlich hat die Firma auch AHV-Beiträge, Unfallversicherungsprämien und Mehrwertsteuer seit geraumer Zeit nicht mehr bezahlt.

Schwieriger wird die Situation dadurch, dass die ADP soeben ihren Besitzer gewechselt hat. Der 39-jährige Cyril Carenini aus Kilchberg ZH hat nach eigenen Angaben die «sanierungsbedürftige Firma per Ende Juni verkauft» und sitzt seit August auch nicht mehr im Verwaltungsrat. Der neue Eigentümer Urs Käppeli sagt am Telefon, die säumigen Grosskunden aus Deutschland hätten in der Zwischenzeit bezahlt die schriftlich gestellten Fragen des Beobachters zu den Zahlungsrückständen blieben aber bis Redaktionsschluss unbeantwortet. Stattdessen schaltete die ADP auf einer Website zur Vermittlung von Studentenjobs eben erst eine neue Stellenanzeige.

«Irreparabler Imageschaden»


Beunruhigt zeigen sich derweil die eigentlichen Auftraggeber der Werbeaktionen. Als die Kosmetikfirma Schwarzkopf vom Schlamassel erfuhr, forderte Direktorin Elke Peters die ADP auf, die Löhne «umgehend» zu überweisen, schliesslich habe Schwarzkopf ihrerseits bereits Anfang Jahr im Voraus bezahlt. «Der Imageschaden für unser Unternehmen ist irreparabel», mailte die zuständige Produktmanagerin den auf den Lohn wartenden Promotorinnen.

© Beobachter Ausgabe 20 vom 27. Sep 2006 - Alle Rechte vorbehalten

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