Bildung
Neuer Weg an die Uni
Mit der Berufsmatura direkt an die Universität: Die Hochschulen haben nichts dagegen, aber sie brauchen mehr Mittel.

Sven Bürkis Weg an die Uni Bern entspricht nicht der Norm. Der 29-Jährige schloss seine Lehre als Hochbauzeichner 1998 mit einer Berufsmatura ab und studiert heute im fünften Semester Soziologie. Der mehrjährige Weg über die Maturität für Erwachsene blieb ihm dabei erspart, denn an der Universität Bern standen ihm mit seinem Berufsmatura-Zeugnis nach einer zusätzlichen Aufnahmeprüfung alle Türen offen.
Was an der Uni Bern seit fünf Jahren als Pilotprojekt läuft, wird voraussichtlich ab Frühjahr 2005 an allen universitären Hochschulen der Schweiz möglich sein. Bis Ende Jahr wollen der Bundesrat und die Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren den rechtlichen Rahmen für die so genannte Passerelle festlegen.
Prinzipiell befürworten die Universitäten zwar die zusätzliche Eintrittsmöglichkeit. Zugleich bereitet ihnen die kontinuierlich steigende Zahl der Studierenden Kopfzerbrechen. «In manchen Studienrichtungen herrschen bereits heute prekäre Verhältnisse», sagt dazu Raymond Werlen von der Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten. Bis 2012 rechnet das Bundesamt für Statistik mit einem Anstieg der Studentenzahl um 14 Prozent gegenüber heute und zwar ohne Einberechnung der Passerelle. Diese, so Werlen, werde die Problematik noch etwas verschärfen.
Es braucht mehr Geld vom Bund
«Wenn der Bund schon neue Wege an die Universitäten öffnet, dann müsste er sich konsequenterweise auch finanziell stärker beteiligen», sagt Ulrich Druwe, Vizerektor für Lehre an der Uni Basel.
Doch Anfang Oktober hat das Parlament im Rahmen des Sparpakets beschlossen, den Betrag für Bildung, Forschung und Technologie (BFT) statt um jährlich sechs nur um fünf Prozent zu erhöhen. «Das reicht nicht», ist die Basler SP-Nationalrätin Anita Fetz überzeugt.
Der Schweizerische Wissenschafts- und Technologierat, der den Bundesrat in diesem Bereich berät, hatte ursprünglich gar eine Erhöhung des BFT-Budgets um zehn Prozent gefordert.
Auch die Sparmassnahmen einiger Kantone stossen auf Unverständnis. «Die Sparpläne des Kantons wirken sich negativ auf unsere Möglichkeiten zur Verbesserung der Betreuung aus», erklärt Kurt Reimann, Generalsekretär der Universität Zürich. Um des Ansturms auf die Studienrichtungen Publizistik und Psychologie Herr zu werden, prüft man in Zürich inzwischen die Einführung eines Numerus clausus.
Bei den Berufsmatura-Absolventen mit Ambitionen auf ein Unistudium setzen die Universitäten auf die anspruchsvolle Aufnahmeprüfung. «Die Passerelle sollte nur sehr leistungsfähigen und motivierten Leuten die Möglichkeit bieten, an den Universitäten zu studieren», sagt Kurt Reimann stellvertretend auch für die anderen Schweizer Hochschulen.
Laut Ernst Flammer, Sektionschef beim Bundesamt für Bildung und Wissenschaft, werden die Anforderungen denen einer gymnasialen Matura entsprechen.
Auch der ehemalige Hochbauzeichner-Lehrling Sven Bürki weiss, dass die Passerellenprüfung eine nicht zu unterschätzende Hürde ist. Sein erster Versuch, nach nur einem Monat Vorbereitungszeit, scheiterte damals. Im Jahr darauf bestand er die Prüfung dann problemlos nach sechs Monaten intensivem Büffeln.
«Zu Beginn werden wohl nur wenige Dutzend vom neuen Angebot Gebrauch machen», vermutet Christoph Schmitter vom Bundesamt für Berufsbildung und Technologie. Längerfristig rechnet er damit, dass zwei bis drei Prozent der für die nächsten Jahre auf etwa 10000 geschätzten Berufsmatura-Absolventen die Passerelle nutzen werden.
© Beobachter Ausgabe 21 vom 15. Okt 2003 - Alle Rechte vorbehalten















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