Arbeitsplatz
Sicherheit ist nicht nur Chefsache
Sicherheit im Betrieb liegt im Interesse von Arbeitgeber und Angestellten. Wer aber ist genau wofür zurständig? Antworten auf die wichtigsten Fragen.
Wer ist eigentlich für meine Sicherheit am Arbeitsplatz verantwortlich?
In erster Linie Ihr Arbeitgeber. Er ist verpflichtet, Sie als Arbeitnehmer über die speziellen Risiken in Ihrem Betrieb zu informieren, Sie anzuweisen, nur Maschinen, Werkzeuge und Werkstoffe zu verwenden, die den Sicherheitsbestimmungen genügen, und Sie gegebenenfalls mit der nötigen persönlichen Schutzausrüstung (PSA) zu versorgen. Sie selbst müssen sich allerdings an die Anweisungen Ihres Vorgesetzten und die Sicherheitsbestimmungen halten und auch die PSA vorschriftsgemäss tragen.
Was ist eine persönliche Schutzausrüstung (PSA)?
Unter PSA versteht man Schutzhelme, Haarnetze, Schutzbrillen, Schutzschilde, Gehörschutzmittel, Atemschutzgeräte, Schutzschuhe, Schutzhandschuhe, Schutzkleidung, Schutzgeräte gegen Absturz und Ertrinken, Hautschutzmittel und nötigenfalls besondere Wäschestücke, also zum Beispiel weisse Laborkittel, Thermowäsche als Schutz gegen Unterkühlung im Kühlhaus oder leuchtend orangefarbene Kombinationen der Kehrichtabfuhr, die vor Schmutz und Unfällen schützen.
Kann mein Chef verlangen, dass ich die Schutzausrüstung selbst bezahle?
Nein. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die erforderliche Sicherheitsausrüstung zur Verfügung zu stellen. Und er muss von den Beschäftigten verlangen, dass sie die Schutzausrüstung auch tragen. Beschädigte Ausrüstungsgegenstände muss er umgehend ersetzen.
Was ist, wenn ich nur temporär bei einer Firma beschäftigt bin?
Dann gilt das Gleiche. Aber Achtung: Temporärangestellte und Betriebsneulinge haben – Schutzausrüstung hin oder her – ein 50 Prozent höheres Unfallrisiko als altgediente Angestellte. Dies aus mehreren Gründen, beispielsweise fehlende Kenntnisse, Erfahrung und Übung sowie das Unterschätzen von Risiken. Dem kann der Arbeitgeber mit einer guten Einführung und Instruktion der Neuen entgegenwirken.
Wie kann ich mich als Temporärarbeiter oder Neuling speziell schützen?
Fragen kostet nichts. Erkundigen Sie sich bei den Altgedienten über besondere Risiken, die korrekte Anwendung der Schutzausrüstung oder die sichere Handhabung der Maschinen. Arbeiten Sie nur an Maschinen, die Sie kennen. Ansonsten verlangen Sie bei Ihrem Vorgesetzten eine Instruktion.
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Welches sind die häufigsten Unfälle?
Die häufigsten sind die unspektakulären Unfälle: nämlich gewöhnliche Stürze. Jeder vierte Unfall ist ein Sturz – der aber durchaus zu schweren Verletzungen führen kann.
Wie kann ich mich und meine Kolleginnen und Kollegen gegen Stürze schützen?
Markieren Sie Gefahrenstellen. Reinigen Sie rutschige Stellen am besten sofort mit Reinigungs- oder Ölbindemittel. Halten Sie Ordnung im Betrieb (Stolperfallen!). Um sich selbst zu schützen, achten Sie immer darauf, wo Sie hintreten. Benutzen Sie immer den Handlauf an Treppen und tragen Sie rutschfeste Schuhe. Ausserdem sollten Sie immer das Licht anmachen und nicht im Dunkeln herumstolpern.
Was soll ich tun, wenn mir ein Risiko, zum Beispiel eine Stolperfalle, auffällt?
Es ist normal, dass die Angestellten «an der Front» Sicherheitsrisiken am besten kennen und zuerst bemerken. Es ist in der Regel nicht der Chef, der über die liegengebliebenen Werkzeuge stolpert oder sich an blankgescheuerten Kabeln einen elektrischen Schlag einfängt.
Machen Sie Ihren Chef deshalb regelmässig auf Risiken aufmerksam. Reklamieren Sie, wenn die Sicherheitsvorrichtungen, zum Beispiel an Maschinen, mangelhaft oder manipuliert sind, und beseitigen Sie Sicherheitsmängel sofort, wenn Sie dazu qualifiziert sind. Ansonsten verlangen Sie, dass die Mängel umgehend behoben werden.
Welche Gefahren lauern über den Köpfen?
Gefährlich ist es, unter hängenden Lasten durch- oder an ihnen vorbeizugehen. Wer darunter steht, riskiert, dass ihm die Last auf den Kopf fällt, wer sie mit zu wenig Abstand passiert, kann von pendelnden Lasten an die Wand gequetscht werden. Gefährlich ist auch die Arbeit auf Leitern. Tatsächlich verunfallen pro Jahr 6000 Berufsleute mit Leitern.
Worauf muss ich bei Leitern achten?
Verwenden Sie keine defekten, wackeligen Leitern. Halten Sie sich beim Auf- und Absteigen immer mit beiden Händen fest und tragen Sie gutsitzende Schuhe. Das obere Ende der Leiter sollte einen Meter über die Anlagestelle hinausragen, und Sie sollten sich nie auf die obersten drei Sprossen stellen. Bockleitern, die man benutzt, wenn die Leiter frei im Raum stehen muss, kippen besonders gern seitlich um. Spielereien mit Bockleitern, so beliebt sie auch sein mögen, sind zu unterlassen. Wer mit Bockleitern laufen will wie mit Stelzen, läuft nicht nur Gefahr, zu stürzen und sich schwer zu verletzen.
Wie wichtig sind regelmässige Instandhaltungsarbeiten für die Arbeitssicherheit?
Sehr wichtig. Aber gerade bei «Instandhaltungen» passieren jährlich rund 25'000 Arbeitsunfälle. Metallfräsen oder Blechpressen, die bei Revisions-, Störungsbehebungs- oder Reinigungsarbeiten plötzlich losgehen, verursachen mitunter schreckliche Arbeitsunfälle.
Was muss man bei Instandhaltungsarbeiten beachten?
Auf keinen Fall improvisieren! Die Arbeiten müssen grundsätzlich von Fachpersonen durchgeführt werden und sind mit der Produktion eindeutig abzusprechen. Bei allen Vorgängen muss man sich strikt an die schriftlichen Anleitungen zur Instandhaltung halten. Besonderes Augenmerk ist darauf zu legen, dass Maschinen nicht ungewollt in Betrieb gesetzt werden können.
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© Beobachter Ausgabe 24 vom 26. Nov 2009 - Alle Rechte vorbehalten








