• Arbeitsrecht

Editorial

Der Wert der Arbeit

Text:
  • Matthias Pflume
Ausgabe:
9/08

«Wer schlecht verdient, muss meist auch zu miesen Bedingungen schuften.»

Denken Sie beim 1. Mai noch an den Tag der Arbeit? Daran, dass er seit über 100 Jahren für den Kampf um bessere Arbeitsbedingungen steht? Die Erfolge waren so zahlreich - Ferien, Achtstundentag, Sozialversicherungen et cetera -, dass der 1. Mai für viele kein Kampftag mehr ist, sondern schlicht ein Feiertag.

Und doch hat auch heute eine - wachsende - Zahl von Arbeitnehmern zu kämpfen. Wer glaubt, vor allem Putzfrauen würden schlecht bezahlt, wird in unserer Titelstory (siehe Artikel zum Thema «Hungerlöhne: Wie billig darf Arbeit sein?») eines Schlechteren belehrt. Fr. 9.50 Stundenlohn für den Vertreter, Fr. 15.73 für den Callcenter-Mitarbeiter oder Fr. 16.20 für die Reitlehrerin zeigen: Arbeit ist oft wenig wert. Und wer schlecht verdient, muss meist auch zu miesen Bedingungen schuften: Arbeit auf Abruf, Überstunden ohne Zuschlag, Löhne auf Provisionsbasis.

Welten trennen diese Menschen von denjenigen, denen der Wert ihrer Arbeit ohnehin egal sein kann. Die Ungleichheit bei der Vermögensverteilung hat sich «radikal zugespitzt», warnt Hans Kissling. Laut dem ehemaligen Zürcher Chefstatistiker erhalten jedes Jahr vier Menschen im Kanton ein Milliardenerbe - «ohne dass dafür die geringste eigene Leistung erbracht werden muss». Warum das die Demokratie gefährdet, erklärt er im Interview «Superreiche Erben schaden uns» (siehe Artikel zum Thema).

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© Beobachter Ausgabe 9 vom 29. Apr 2008 - Alle Rechte vorbehalten

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