• Arbeitsrecht

Editorial

Trügerische neue Freiheit

Text:
  • Andres Büchi
Ausgabe:
19/08

«Elektronische Arbeitshilfen haben uns so viel Zeit weggespart, dass wir bald gar keine mehr übrig haben.»

Haben wir nicht alles erreicht? Sind wir nicht furchtbar frei und phantastisch flexibel? Wo immer wir sind, stehen wir stets in Kontakt mit allem und allen. Wir können überall und jederzeit alles tun, die tägliche Arbeit im Büro beenden oder zu Hause, die Post am Schreibtisch erledigen oder auf der Terrasse, den Anruf im Tram beantworten oder der Voicemail überlassen.

Nur: Haben wir damit auch mehr Lebensqualität gewonnen, unsere Arbeit verbessert, mehr freie Zeit bekommen? Nein, wir haben uns nur dem Diktat der Beschleunigung unterworfen. Die kleinen Zeitgewinne, die PC und Handy anfangs gebracht haben, sind längst durch neue Arbeit kompensiert. Ja, die elektronischen Arbeitshilfen haben uns so viel Zeit weggespart, dass wir bald gar keine mehr übrig haben. Nicht mal nach Feierabend. Aber der ist ohnehin ein Auslaufmodell. Die Arbeitszeit wird immer weniger reglementiert, es werden nur noch Ziele formuliert. Wie die Mitarbeitenden diese erreichen, bleibt ihnen freigestellt. Laptop und Smartphone machen es ja möglich, an jedem Ort zu arbeiten (siehe Artikel zum Thema «Arbeit: Angriff auf die Freizeit»).

Doch die neu gewonnenen Freiheiten sind trügerisch. Denn immer öfter wird die Rund-um-die-Uhr-Erreichbarkeit vorausgesetzt. Wer mitmacht, riskiert irgendwann seine Gesundheit. Wer nicht mitzieht, bleibt auf der Strecke.

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© Beobachter Ausgabe 19 vom 17. Sep 2008 - Alle Rechte vorbehalten

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