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Koni Rohner zu Leadership

«Tauge ich zum Chef?»

Text:
  • Koni Rohner
Ausgabe:
12/04

In unserer Firmenabteilung wurde neu die Position eines Bereichsleiters geschaffen. Wer von uns Interesse habe, könne sich bewerben, hiess es. Jetzt frage ich mich, ob ich für so einen Job wohl geeignet wäre. Soll ich mich bewerben? Rita Z.

Vor der Frage nach der Eignung käme noch diejenige nach der Neigung. Haben Sie denn Lust, eine solche Aufgabe zu übernehmen? Sind Sie auf Ihrem Fachgebiet besonders engagiert, wollen Sie mehr Verantwortung tragen und möchten Sie Mitarbeiter führen?

Wer nur Chef oder Chefin wird, weil dies mehr Prestige und mehr Einkommen mit sich bringt, ist nicht ausreichend motiviert. Er wird in dieser Position nicht glücklich werden, sondern leiden. Ihre Eignungsfrage ist aber ebenfalls sehr berechtigt. Mit Leadership, der Fähigkeit zu führen, ist es wie mit der Liebe: Sie ist schwer zu beschreiben und zu definieren, aber wenn sie da ist, merkt man es sofort. Es gibt Menschen, die über eine hohe Sachkompetenz verfügen, aber in einer Führungsposition trotzdem versagen würden. Andere sind ausgesprochen begabt dafür.

Chef sein ist ein Dienst an den Mitarbeitern


Vieles aber lässt sich in Seminarien lernen und trainieren. Eine der wichtigsten Erkenntnisse ist, dass Vorgesetzter sein nicht vor allem Machtfülle und Freiheit bedeutet, sondern ein Dienst an den Mitarbeitern und der Firma ist. Eine hohe Sozialkompetenz und Kommunikationsfähigkeit sind unerlässliche Voraussetzungen. Es reicht nicht, dass man formell durch die Beförderung von oben zum Chef gemacht wurde. Erst die Anerkennung durch die Mitarbeiter macht einen wirklich dazu. Echte Autorität kann man sich nicht nehmen, sie wird einem verliehen. Führung ist also ein interaktionelles und nicht ein einseitiges Phänomen.

Es gibt auch keine «natürlichen Autoritäten», die sich auf jedem Gebiet und in jeder Situation als Vorgesetzte eignen. Je nach Aufgabe sind andere Fähigkeiten und Eigenschaften gefordert. Mal muss zum Beispiel eher emotional, mal eher sachlich geführt werden. Generell lässt sich aber sagen, dass von einem Chef in der Regel etwa folgende Eigenschaften und Fähigkeiten gefordert sind:

  • Selbstbewusstsein der Mitarbeiter stärken.

  • Im Auftreten kongruent und echt sein.

  • Zur Führungsrolle stehen und nicht so tun, als gäbe es keine Machtunterschiede.

  • Sich als Diener der Sache und der Mitarbeiter sehen.

  • Mitarbeiter entsprechend ihrer Begabung einsetzen.

  • Konflikte erkennen und bearbeiten können.

  • Die Fähigkeit haben, klare Entscheidungen zu fällen.

  • Über einen gewissen Vorsprung den Mitarbeitern gegenüber verfügen (besserer Überblick, mehr Energie und Initiative, mehr Organisationstalent, grössere Belastbarkeit, höhere Sozialkompetenz).


Dass gute Führung ganz wesentlich auch Gefühlssache ist, hat der bekannte Autor Daniel Goleman im unten angegebenen Buch anschaulich beschrieben.

Buchtipp


Daniel Goleman: «Emotionale Führung»; Ullstein 2004, Fr. 16.50

© Beobachter Ausgabe 12 vom 10. Jun 2004 - Alle Rechte vorbehalten

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