Konzentration: So bleibt das Hirn fleissig
Konzentrationsschwäche am Arbeitsplatz führt zu Ineffizienz und ist sogar gefährlich. Einfache Massnahmen schaffen Abhilfe.

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Das Telefon läutet Sturm, ständig treffen neue E-Mails ein. Nach stundenlanger Bildschirmarbeit fangen die Augen an zu brennen. Und allmählich beginnt auch das Geplauder der Bürokollegen zu nerven. Ans Arbeiten ist kaum noch zu denken.
Zahlreiche Berufstätige leiden unter Konzentrationsschwäche. Je näher der Feierabend rückt, desto mehr Mühe bereitet es, den Kopf bei der Sache zu haben. «Wir stellen fest, dass generell höhere Anforderungen an die Aufmerksamkeit der Mitarbeitenden gestellt werden», sagt Professor Norbert Semmer vom Psychologischen Institut der Uni Bern. Während die Arbeit früher mit körperlicher Aktivität verbunden war, wird heute vieles am Computer abgewickelt. «So wird mehr in der gleichen Zeit erledigt. Das belastet die Konzentration einseitig.»
Stress und Müdigkeit sind die Hauptgründe für sinkende Konzentrationsfähigkeit. Laut Semmer ist ununterbrochene Aufmerksamkeit über längere Zeit nicht möglich. Untersuchungen aus England zeigen, dass die Fehlerquote bereits nach einer halben Stunde andauernder Bildschirmarbeit deutlich steigt. Besondere Mühe, ihre Gedanken zu ordnen, haben Leute, die um den Job bangen oder soziale Konflikte austragen müssen. «Gegen solche Gedanken können wir uns nicht wehren. Sie fressen die geistige Kapazität auf und beeinträchtigen die Konzentration.»
Neben persönlichen Faktoren beeinflussen äussere Gegebenheiten das Konzentrationsvermögen am Arbeitsplatz. Akustische Störungen durch Zwischenrufe, läutende Telefone oder piepsende Geräte begünstigen Stress und verringern das Leistungsvermögen. «Das Arbeits- respektive Kurzzeitgedächtnis ist beim Menschen am anfälligsten. Wer bei einer Denkarbeit unterbrochen wird, muss oft nochmals von vorn anfangen», erklärt Semmer.
Steigende Unfallgefahr
Mangelnde Konzentration am Arbeitsplatz kann böse Folgen haben. «Selbst wenn nur einen Augenblick lang die nötige Aufmerksamkeit fehlt, können die schlimmsten Unfälle passieren», sagt Kurt Häfliger von der Suva. Sein Fachbereich Augenschutz ist Beleg dafür: Den schweizerischen Unfallversicherern werden jährlich 45000 berufsbedingte Augenunfälle gemeldet also 250 pro Tag. «Diese Zahlen zeigen den enormen Handlungsbedarf», kommentiert die Suva.
Einfache Mittel können Konzentrationsschwierigkeiten entgegenwirken:
- Unterbrüche: Zwei bis drei Stunden am Stück durchzuarbeiten ist eindeutig zu lang. Wer sich jede Stunde eine fünfminütige Auszeit gönnt, arbeitet konzentrierter und effizienter. «Doch leider fehlt in vielen Firmen das Bewusstsein dafür», sagt Psychologieprofessor Norbert Semmer. Hilfreich sind auch Unterbrüche zur Anwendung von Entspannungstechniken wie etwa autogenes Training.
- Mittagsschlaf: Internationale Schlafforscher und Mediziner der Universität Texas und des deutschen Max-Planck-Instituts haben festgestellt: Wer über Mittag schläft, ist danach leistungsfähiger, vitaler und lebt erst noch länger. Im Arbeitsland Schweiz beginnt sich diese Erkenntnis aber erst langsam durchzusetzen: Nur vereinzelte Firmen wie IBM, Jelmoli oder PricewaterhouseCoopers haben spezielle Ruheräume für ihr Personal eingerichtet.
- Lärmdämmung: Gemäss Suva sollte in Grossraumbüros ein Lärmgrenzwert von 45 Dezibel eingehalten werden dieser Wert entspricht der Lautstärke eines normalen Gesprächs. Ergonomieexperten raten, laute Bürogeräte wie beispielsweise Drucker oder Kopierer in separaten Technikräumen unterzubringen. Bei der Neuanschaffung sollte auf lärmarme Geräte geachtet werden; die Hersteller müssen über die Geräuschemissionswerte informieren. Um die störenden Hintergrundgeräusche in Grossraumbüros auszuschalten, wird zum Teil ein künstliches Hintergrundgeräusch mit einem geringen Pegel von 30 Dezibel erzeugt. Dies «maskiert» sozusagen die subjektive Wahrnehmung der störenden Einzelgeräusche.
- Mobiliar: Grosse Bedeutung kommt der Einrichtung des Arbeitsplatzes zu. So wurden etwa Tische entwickelt, die sich auf Stehhöhe verstellen lassen. Sinnvoll ist auch der Drehstuhl, der das «dynamische» Sitzen ermöglicht. Nicht nur die Arbeit am PC, sondern auch Wartungs- und Servicetätigkeiten sollten in entspannter Körperhaltung vorgenommen werden können.
- Pflanzen: Grünzeug am Arbeitsplatz wirkt gemäss einer Studie der Bayerischen Landesanstalt für Garten- und Weinbau stressmindernd und somit konzentrationsfördernd.
- Ernährung: Auch die Konzentration geht durch den Magen: Kohlenhydrate aus Brot, Müesli, Nudeln, Obst und Gemüse sind Brennstoff für Hirn und Muskeln.
© Beobachter Ausgabe 5 vom 07. Mär 2003 - Alle Rechte vorbehalten















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