Privatschule
Placebo-Diplom für medizinische Sekretärinnen
Die «medizinische Sekretärin» ist keine offizielle Berufsbezeichnung, entsprechend gibt es keine gesetzliche Ausbildungregelung. Das nutzt eine Privatschule aus und bietet einen Lehrgang an, der nichts wert ist.

(Bild: Schule «Kultur und Ausbildung»)
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Die Schule «Kultur und Ausbildung» in Freiburg verspricht angehenden medizinischen Sekretärinnen viel: «ein Diplom, das bei den Fachleuten im Gesundheitswesen ein hohes Ansehen geniesst». An Arbeitsmöglichkeiten werde es nie fehlen. «Da wir die Nr. 1 in der Ausbildung im medizinischen Sekretariat sind, vertrauen uns die Ärzte.» Tatsächlich?
Vorspiegelung falscher Tatsachen
Eine Anfrage bei den Universitätsspitälern in Basel, Bern und Zürich hingegen zeigt: Die Schule ist nicht bekannt, das Diplom gilt als wertlos. Markus Zehnder, Leiter zentrales Personalwesen des Unispitals Bern, erklärt: «Wem eine kaufmännische Grundausbildung oder Weiterbildung fehlt, der wird von uns in der Regel auch nicht als medizinische Sekretärin angestellt.»
Doch genau darauf verzichtet die Freiburger Privatschule. Ihr Direktor Urs Bucheli sagt: «Wird eine kaufmännische Grundausbildung mitgebracht, ist dies umso besser. Wir verlangen dies jedoch nicht.» Einzige Voraussetzung: Eine Kandidatin muss die obligatorische Schulzeit beendet haben und 16 Jahre alt sein. Den knapp 4000 Franken teuren einjährigen Fernkurs kann die Schule so praktisch jedem Erwachsenen verkaufen.
Privatschulen können die Aufnahmekriterien für einen Lehrgang zur medizinischen Sekretärin nach eigenem Gusto festlegen. Die Ausbildung ist weder gesetzlich geregelt, noch ist die Bezeichnung geschützt. Um dennoch einen Mindeststandard zu garantieren, verlangt der Verband der Schweizer Spitäler H+ in seinem Ausbildungsregelement für medizinische Sekretärinnen zwingend eine kaufmännische Grundausbildung. Nur Schulen, die sich daran halten, dürfen das Gütesiegel «H+» verwenden. «Die viel zu tief angesetzten Aufnahmebedingungen der Freiburger Fernschule sind Kandidatenfängerei, weil diesen vorgegaukelt wird, sie hätten auch ohne kaufmännische Ausbildung mit diesem Diplom Chancen auf dem Arbeitsmarkt», sagt Sonja Mancini vom Spitalverband H+.
Statt mit dem Gütesiegel der Spitäler wirbt die Freiburger Schule damit, dass sie sich um die Aufnahme in den Verband schweizerischer Privatschulen beworben habe. Das stimmt sogar. Nur wurde ihr Gesuch schon vor über einem Jahr abgelehnt. Auf Anfrage sagt der Direktor: «Diesen Vermerk werden wir in den nächsten Tagen entfernen.»
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© Beobachter Ausgabe 18 vom 03. Sep 2008 - Alle Rechte vorbehalten


