Rat und Tat Späte Vaterfreuden

Michel Kuhn bekam endlich doch ein Taggeld von 80 Prozent und Kinderzulagen zugesprochen – dank dem Beobachter.

Doppelt bestraft fühlte sich Michel Kuhn aus Romont BE letzten Sommer, als er seine Stelle als Softwareprogrammierer verlor. Zum Frust über die Kündigung gesellte sich die Mitteilung der Arbeitslosenkasse, dass ihm lediglich 70 Prozent des versicherten Lohns zustünden. Die Kasse begründete das damit, dass Kuhn nicht der leibliche Vater des Kindes seiner Frau sei. Somit bestehe keine Unterhaltspflicht und in der Folge auch kein Anspruch auf ein Taggeld von 80 Prozent und Kinderzulagen.

Das wollte Kuhn nicht akzeptieren. «Seit Numtip bei uns ist, habe ich mich wie ein Vater um sie gekümmert», sagt er. Er hat für den Unterhalt der Familie gearbeitet und auch in der Erziehung des siebenjährigen Töchterchens seiner Frau, das seit zwei Jahren in der Schweiz lebt, Verantwortung übernommen. Doch sein Einspruch fand bei der Kasse kein Gehör.

Kuhn wandte sich an das Beobachter-Beratungszentrum. Dort wurde dem 37-Jährigen geraten, die Sache an das Verwaltungsgericht weiterzuziehen und anzumerken, dass er als Ehemann der Frau gegenüber unterstützungspflichtig sei – und somit indirekt auch gegenüber ihrem Kind.

Das wirkte. Mitte Januar 2004 lenkte die kantonale Arbeitslosenkasse ein und bestätigte der Familie den rückwirkenden Anspruch auf 80 Prozent Taggeld und Kinderzulagen. Die 4000 Franken hat Familie Kuhn dringend benötigt, doch wichtiger ist dem Vater die Anerkennung: «Ich freue mich, dass Numtip nun als meine Tochter behandelt wird.» Joana Heimgartner

Text:
  • Joana Heimgartner
Bild:
  • Guy Perrenoud
04. März 2004, Beobachter 5/2004