Verkehrswegbauerin
«Ich kann anpacken»
Michèle Bächli, 19, Verkehrswegbauer-Stiftin
«Keine Ahnung, warum ich so fixiert war: Siebenmal habe ich geschnuppert, immer als Floristin. Aber schon nach einem Jahr fand ich diese Lehre so langweilig, dass ich am Morgen kaum mehr aufstehen konnte. Darum habe ich abgebrochen.
Alle, die mich kennen, sagen, dass die Lehre als Gleisbauerin – oder Verkehrswegbauerin, wie es heute heisst – viel besser zu mir passt. Ich kann anpacken, habe auch genug Kraft, um schwere Sachen zu heben. Ab und zu frage ich einen Kollegen, ob er mir hilft, aber das sind meist Dinge, die man sowieso zu zweit tragen sollte. Die Männer machen es oft trotzdem allein, auf die Gefahr hin, mit 40 einen kaputten Rücken zu haben.
In meinem Team fühle ich mich ziemlich wohl. Doch in der Berufsschule ist das Niveau unterste Schublade. Frauen sind in der Vorstellung dieser Jungs nur Sexobjekte. Man darf ihre dummen Sprüche nicht ernst nehmen; bei mir geht das zum einen Ohr rein und zum andern raus – und ich kann ganz gut zurückgeben. Ich bin ja nicht hier, um Kollegen zu finden – die habe ich zu Hause –, sondern um die Lehre zu schaffen.
Ich weiss, was ich an dieser Ausbildung habe; von meinem Lehrmeister und vom Ausbildungsleiter fühle ich mich super betreut. Meine Mutter war zuerst recht erstaunt, als ich als Gleisbauerin schnuppern ging. Aber schon mein Grossvater war Lokführer, und inzwischen merke ich, wie stolz meine Mutter und meine Grossmutter auf mich sind.»
© Beobachter Ausgabe 22 vom 28. Okt 2004 - Alle Rechte vorbehalten















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