Weiterbildung
Der Chef machts nicht freiwillig – Sie sind gefragt
- Text:
- Anouk Holthuizen
- Bild:
- Jupiterimages Stock-Kollektion
Arbeitnehmende sollten in Sachen Weiterbildung nicht erwarten, dass der Arbeitgeber den ersten Schritt macht. Wer seine Chancen steigern will, muss beim Leistungsausweis selber Hand anlegen.
Wie geht es weiter mit mir? Hat mein Beruf überhaupt noch eine Zukunft? Und: Wohin könnte ich mich mittelfristig entwickeln? Wer diese Fragen weiterdenkt, landet schnell beim Stichwort «Weiterbildung». Folgende Fragen stellen sich dabei:
Auswahl: Was will ich?
Wenn Sie sich weiterbilden möchten, sollten Sie zuerst wissen, was Sie brauchen können und was Sie wollen. Ist das Ziel eine Neuorientierung, ein Abschluss oder ein beruflicher Aufstieg? Erfüllen Sie die Voraussetzungen dafür?
Viele Branchen verfügen über eigene Ausbildungszentren. Berufsverbände, Branchenorganisationen und Gewerkschaften wissen Bescheid über die auf Ihren Beruf zugeschnittenen Angebote. Statt sich im Dschungel des Internets zu verlieren, kontaktieren Sie besser zuerst diese spezialisierten Stellen respektive Berufs- und Laufbahnberater oder Ihren Arbeitgeber. In einem nächsten Schritt holen Sie Informationen und Prospekte über die angestrebte Weiterbildung ein. Vielleicht gibt es auch einen Kollegen, der sich mit dem Thema auseinandergesetzt hat und Ihnen weiterhelfen kann.
Zeitbedarf: Wie viel Zeit habe ich?
In welchem Umfang lässt sich eine Weiterbildung mit Ihrer Arbeitszeit, dem Familienleben und der Freizeit vereinbaren? Bedenken Sie, dass eine Weiterbildung auch Zeit für den Arbeitsweg und das Studium zu Hause beansprucht. Vielleicht lässt sich Ihr Weiterbildungsziel besser etappenweise erreichen zum Beispiel durch den Besuch modularer Weiterbildungsangebote – als in einem kompakten und zeitintensiven Lehrgang. Lassen Sie sich durch das Ausbildungsinstitut beraten. Und sprechen Sie mit Ihrem Vorgesetzten oder Personalverantwortlichen: Manche Arbeitgeber unterstützen Weiterbildungen zwar nicht mit Geld, sie stellen aber Zeit zur Verfügung.
Finanzierung: Wer zahlt wie viel?
Es gibt Weiterbildungen, die mehrere zehntausend Franken kosten. Für gut- bis hochqualifizierte Angestellte werden diese häufig ganz oder teilweise vom Arbeitgeber übernommen, wobei dieser manchmal eine festgelegte Anstellungsdauer erwartet oder eine Rückzahlung der Kosten, falls Sie das Unternehmen früher verlassen. Sie sollten die Abmachungen mit Ihrem Arbeitgeber in einer Weiterbildungsvereinbarung schriftlich festhalten.
Doch nicht alle Kurse kosten viel, und einige sind sogar gratis. Günstige Angebote finden Sie bei den Weiterbildungsinstituten von Berufsverbänden und Gewerkschaften (sofern Sie Mitglied sind), aber auch bei Schulen, die von der öffentlichen Hand getragen werden, sowie bei der Migros-Klubschule. Kostenlose Angebote gibt es bei Movendo, dem Bildungsinstitut des Schweizerischen Gewerkschaftsbunds (sofern Sie Mitglied einer der 16 angeschlossenen Gewerkschaften sind), oder bei den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV), sofern Sie dort als arbeitslos gemeldet sind.
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Flexibilität: Wie beweglich bin ich?
Wer über Disziplin verfügt, findet im Internet ein Meer von günstigen Kursen, die von Weiterbildungsinstituten angeboten werden. Gegen eine Gebühr erhalten Sie die Studienunterlagen, Zugangsdaten und Kontaktpersonen. Die Kurse lassen sich oft auf Ihren Computer laden, so dass Sie nicht nonstop online sein müssen. Ihr Wissen erarbeiten Sie in Eigenregie, egal zu welcher Tageszeit, egal, ob im Zug oder im Park. Auch Hausaufgaben und Prüfungen erledigen sie online. Achten Sie darauf, dass der Internetkurs zertifiziert ist und dass eine Betreuung der Teilnehmenden stattfindet. Nachteil: Man lernt keine Leute kennen, die einem später auch beruflich nützlich sein können.
Qualität: Wie gut ist der Kurs?
Immer mehr Weiterbildungsinstitute bemühen sich um Qualitätsnachweise in Form von Labels oder Zertifikaten. Häufig sagen diese aber weniger über die Qualität der Inhalte und Vermittlung aus als über das Erreichen gewisser Standards. Eine Orientierung anhand eines Qualitätslabels ist für Aussenstehende schwierig, deshalb hier einige praktische Fragen, die Sie stellen sollten:
- Wie ist der Ruf und der Bekanntheitsgrad des Weiterbildungsinstituts?
- Sind die Referentinnen und Referenten qualifiziert?
- Sind Zielgruppe, Inhalt und Ziel des Angebots klar beschrieben?
- Was sagen ehemalige Lehrgangsteilnehmende über den Lehrgang?
- Offeriert der Kursanbieter eine kostenlose Beratung?
Wie sag ichs meinem Chef?
Eine entscheidende Station auf dem Weg zu einer berufsbegleitenden Weiterbildung ist das Chefbüro – Tipps für das Argumentarium, damit Ihr Vorgesetzter sein Okay gibt:
- Streichen Sie den Nutzen Ihrer Weiterbildung für die Firma hervor – schliesslich sammeln Sie Wissen, das Sie unter Umständen an andere weitergeben können.
- Betonen Sie Ihr Engagement für die Firma.
- Weisen Sie auf Leitlinien des Unternehmens zur Mitarbeiterförderung
hin. Sie finden sie in der Regel in Leitbildern und Jahresberichten. - Informieren Sie über den Inhalt des Kurses und warum Sie gerade diesen besuchen wollen.
Weitere Infos und Angebote
- Schweizerischer Verband für Erwachsenenbildung mit Verzeichnissen und Listen der angeschlossenen Bildungsinstitute: SVEB
- Adressen der Berufsinformationszentren in den einzelnen Kantonen: www.adressen.sdbb.ch
- Mehr als 25'000 Weiterbildungsangebote, zusammengestellt durch den SVEB: alisearch.ch
- Angebot von Lehrgängen und Kursen aus allen Branchen, die durch Bund, Kantone, Arbeitsämter und Berufsberatungen getragen werden: weiterbildungsangebote.ch
- Weiterbildungsangebote vor allem in Wirtschaft und Informatik: eduscout.ch
- Weiterbildung im Bereich Management, Informatik, Wirtschaft und Business: www.seminare.ch
- Aus- und Weiterbildungsgänge auf allen Stufen im Bereich Kaufmännisches, Industrie, soziale Berufe: ausbildung-weiterbildung.ch
- Das Eduqua-Zertifikat ist ein Gütesiegel für Weiterbildungsinstitutionen: eduqua.ch
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