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Weiterbildung

Sich zuerst schlau machen

Text:
  • Fabrice Müller
Bild:
  • Jupiterimages Stock-Kollektion
Ausgabe:
5/04

Ohne Zusatzlehrgänge geht in der Arbeitswelt nichts mehr. Doch wer sich sinnvoll weiterbilden will, muss schon vor Kursbeginn seine Hausaufgaben erledigen.

An Weiterbildungs-Möglichkeiten mangelt es nicht, im Gegenteil: «Die Weiterbildungslandschaft in der Schweiz ist sehr vielfältig, aber leider zum Teil intransparent. Eine Vielzahl privater und öffentlicher Anbieter macht die Auswahl nicht leicht», sagt André Schläfli, Direktor des Schweizerischen Verbands für Erwachsenenbildung.

Wie können Konsumentinnen und Konsumenten im Dickicht des Weiterbildungsdschungels den Überblick behalten? Eine Orientierungsmöglichkeit bietet das unter anderem von den kantonalen Berufsbildungs- und Arbeitsämtern getragene Qualitätslabel eduQua, das Ausbildungsanbieter überprüft und zertifiziert. Die Zertifizierung verfolgt als Hauptziele, die Qualität von Weiterbildungsinstitutionen im Sinne von Minimalstandards zu sichern sowie mehr Transparenz für die Konsumenten zu schaffen. Allerdings gilt zu beachten: Die Zertifizierung ist mit grösseren Kosten für eine Schule verbunden. Neben den rund 450 zertifizierten Anbietern gibt es viele kleinere Schulen, die zwar gute Kurse anbieten, sich aber ein eduQua-Zertifikat nicht leisten können.

Bevor man sich weiterbildet, sind Ansprüche und Lernziele zu definieren. «Eine Weiterbildung muss zielgerichtet sein», sagt Regula Näf vom S&B Institut für Berufs- und Lebensgestaltung in Bülach. «Man sollte sich aufgrund einer Standortbestimmung informieren, welche Lehrgänge angebracht sind. Dazu gehört auch die Analyse der beruflichen und privaten Situation sowie des Arbeitsmarkts.» Eine Weiterbildung um jeden Preis oder «auf Vorrat» sei nicht zu empfehlen.

Hat man sich für die Art der Weiterbildung entschieden, geht es darum, sich ein Bild von den Schulen zu machen, die entsprechende Ausbildungen anbieten (siehe unten «Spickzettel»). Dazu gehört nicht zuletzt die Frage, welches Diplom man erwerben kann. «Je nach Weiterbildungsthema und Branche sollten eidgenössisch anerkannte Abschlüsse bevorzugt werden, weil die Arbeitgeber so den Wert der Ausbildung besser einschätzen können», empfiehlt Regula Näf.

Angebotsfülle und unterschiedliche individuelle Bedürfnisse verunmöglichen es, generelle Empfehlungen über den Wert einer Weiterbildung zu geben. Dennoch gilt es, für die drei beliebtesten Sparten einige Grundsätze zu beachten:

Informatik: Zertifikate für Informatikanwender werden durch die zwei Prüfungsorganisationen SIZ (Genossenschaft Schweizerisches Informatik-Zertifikat) und ECDL (Europäischer Computer-Führerschein) vergeben. Das SIZ-Konzept ermöglicht es den Teilnehmenden, einen gesamtschweizerisch anerkannten Aus- und Weiterbildungsweg vom Anfänger bis zum Fachmann mit eidgenössischem Fachausweis zu beschreiten. «Bei der SIZ-Ausbildung gilt es zu beachten, dass der Abschluss ein Nachweis der Anwender- und nicht der Informatikkenntnisse ist. Er stellt keinen Freipass für eine Arbeitsstelle in der Informatik dar», warnt Walter Schnider vom Schweizerischen Verband der Informatikorganisationen. Die ECDL bescheinigt die praktischen Fähigkeiten am Computer. Als international anerkanntes Zertifikat entspricht es den Anforderungen der modernen Arbeitswelt. «Beide Zertifikate sind im Prinzip als gleichwertig zu betrachten», so Schnider.

Sprachen: Die zweitbeliebtesten Weiterbildungen sind Sprachkurse. «Sprach-, Sozial- und Fachkompetenzen sind heute für die Karriere gleichbedeutend», sagt Kurt Fallegger, Leiter Studien- und Laufbahnberatung beim Institut Beruf + Bildung in Luzern. Ist die Zeit für die sprachliche Weiterbildung begrenzt, ist ein Intensivkurs zu empfehlen. «Und bei Sprachkursen in der Schweiz würde ich darauf achten, dass die Kurse von Lehrpersonen geleitet werden, die in ihrer Muttersprache unterrichten.»

Die Bedeutung der Diplome wird unterschiedlich gewichtet: «Sprachdiplome allein sagen oft noch nicht so viel über die effektiven Fähigkeiten einer Person aus», gibt Martin Schatzmann, Sprachexperte bei der Credit Suisse, zu bedenken.

Kaufmännischer Bereich: Ebenfalls gefragt sind Weiterbildungen im kaufmännischen Sektor. Hier unterscheidet man zwischen Kursen für Marketing, Rechnungswesen, Personalwesen und Organisation. Diese Weiterbildungen können meist mit einer höheren eidgenössischen Fachprüfung abgeschlossen werden und vermitteln wertvolle Grundlagen für die Sachbearbeiter-Tätigkeit. Zudem gibt es weiterführende Lehrgänge wie etwa zum Marketingleiter oder zum Leiter Personalwesen. «Für die höhere Fachprüfung wird oft eine bestimmte Anzahl Praxisjahre verlangt», sagt Heinrich Summermatter vom KV Schweiz. Wer diese noch nicht vorweisen kann, hat die Möglichkeit, die Zeit bis dahin mit Weiterbildungskursen zu überbrücken. Schliesslich lautet ja das Motto: «Lebenslanges Lernen».

Spickzettel: Zwölf Fragen zum Kursangebot

Eine vom Qualitätslabel EduQua zusammengestellte Checkliste enthält die wesentlichen Fragen, die Weiterbildungswillige rechtzeitig klären sollten:

Vor Kursantritt

  • Sind die Ausschreibungsunterlagen klar und übersichtlich (zum Beispiel Lernziele definiert, Geschäftsbedingungen klar)?
  • Bekomme ich bei Bedarf eine Beratung?
  • Erhalte ich bei Abschluss eine Bestätigung? Ist diese national beziehungsweise international anerkannt?
  • Wie viel kostet die ganze Weiterbildung? Sind die Lehrmittel und andere Kosten im angegebenen Tarif enthalten?


Während des Kurses

  • Deckt sich der Inhalt/Ablauf des Kurses mit den Informationen in der Ausschreibung?
  • Sind Kursinhalte und -materialien aktuell? Animieren sie mich zum Lernen?
  • Sind die Kursleiter fachlich auf dem neusten Stand?
  • Sind die Kursleiter motiviert und gehen sie auf die Gruppe ein?
  • Findet ein erwachsenengerechter Unterricht statt?
  • Gab es genügend Selbstlern- und Übungsangebote?
  • Kann ich meine Meinung bezüglich Ablauf, Inhaltsgestaltung und Methodik einbringen?
  • Wird eine Schlussevaluation durchgeführt, die sowohl die inhaltlichen wie auch die administrativen Bereiche berücksichtigt?

 

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© Beobachter Ausgabe 5 vom 04. Mär 2004 - Alle Rechte vorbehalten

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