10. Schuljahr
Die Zukunft im Sack
Lehrstellen sind knapp. Viele Jugendliche absolvieren deshalb zur Überbrückung das 10. Schuljahr. Inzwischen gibt es dafür eine Unzahl von Angeboten. Umso wichtiger ist eine gezielte Auswahl.
Das 10. Schuljahr ist angesichts der schwierigen Situation im Lehrstellenbereich gefragt wie noch nie: 8,5 Prozent der Schulabgänger in der Schweiz besuchen ein entsprechendes Zwischenjahr, in den Kantonen Zürich und Bern entscheidet sich gar jeder fünfte Schüler für ein solches Angebot. «Und der Trend zum 10. Schuljahr wird weiter anhalten», prophezeit Walter Fehr, Leiter der Zürcher Berufswahlschule Bülach. Die Gründe sind vielfältig. Einer davon: «Die Schulabgänger haben zunehmend Mühe mit der Arbeitshaltung», so Fehr. Ausserdem gebe es vermehrt Schüler mit Ausbildungslücken, auch werde die Lehrstelle im gewünschten Beruf oft nicht gefunden.
Schnelles Handeln ist angesagt
Berufsberaterin Regula Näf vom S&B-Institut für Berufs- und Lebensgestaltung in Bülach empfiehlt: «Jugendliche sollten früh eine schulische Zwischenlösung ins Auge fassen, wenn sie noch keine Lehrstelle gefunden haben.» Wer sich in der Berufswahl sicher ist, sollte sich auch dann weiterbewerben, wenn er oder sie sich schon für ein 10. Schuljahr angemeldet hat. «Die Zeit drängt, da manche Angebote schnell ausgebucht sind», sagt Näf.
Nicht dass es an Möglichkeiten mangeln würde: Im Zuge der grossen Nachfrage ist das Angebot auf öffentlicher wie privater Seite in den letzten Jahren markant grösser geworden. Diese Vielfalt macht für die Jugendlichen und ihre Eltern eine Auswahl nicht einfacher, zumal das 10. Schuljahr verschiedene Angebote umfasst. Je nach Bedürfnis empfiehlt sich eine der im Folgenden beschriebenen Formen:
- Sind die Noten ungenügend oder möchte der Jugendliche später eine weiterführende Schule besuchen, ist eine allgemeine schulische Weiterbildung von Vorteil. «Sprachaufenthalte sind in dieser Situation nicht empfehlenswert, die Jugendlichen sollten sich lieber auf die Kernfächer Mathematik und Deutsch konzentrieren», sagt Berufsberaterin Regula Näf.
- Für Unentschlossene gibt es Berufswahlschulen. Dort wird dem Suchen nach der richtigen Stelle und den Schnupperlehren viel Platz eingeräumt. Der Nachteil: Die Zeit ist knapp – bereits im Sommer werden die ersten Bewerbungen für Lehrstellen verschickt.
- Integrationsschulen eignen sich für fremdsprachige Schulabgänger, die erst kurze Zeit in der Schweiz leben. In diesen Kursen stehen die Sprach- und die Kulturvermittlung im Vordergrund. Grundkenntnisse der deutschen Sprache müssen bei manchen Schulen vorhanden sein.
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Oft nicht ganz billig
So stark wie das inhaltliche Angebot variiert bei den schulischen Zwischenlösungen auch der Preis. Wohnt ein Schüler in der Trägergemeinde einer öffentlichen Schule, kann er diese kostenlos besuchen, oder es wird ein Maximalbetrag bis zu 2400 Franken erhoben, je nach Kanton. Beteiligt sich die Wohngemeinde indes nicht an einer Schule, wird es rasch teurer; im Kanton Zürich etwa beträgt das Schulgeld dann bis zu 14'000 Franken. Berechenbarer – und im Allgemeinen deutlich höher – sind die Kosten bei privaten Anbietern. Während zum Beispiel das Institut Minerva 17'800 Franken verlangt, kostet das 10. Schuljahr bei der Juventus-Schule bis zu 12'500 Franken. Der Migrationskurs der Bénédict-Schule schlägt mit knapp 8000 Franken zu Buche.
Eine gezielte Auswahl unter den verschiedenen Angeboten macht also nicht nur aus laufbahnplanerischer Sicht Sinn, sondern auch aus finanzieller.
Schulische Zwischenlösungen
Die drei wichtigsten Typen
allgemeine schulische Weiterbildung (etwa Berufswahlschulen) | |
| Geeignet für | Konkretisierung des Berufsziels; Überprüfung der Präferenzen |
| Nicht geeignet für | Jugendliche, die schulmüde sind |
| Ziele | Leistungsverbesserung; allgemeingültiger Fähigkeitsausweis wie First Certificate, Tastaturdiplom, ECDL (PC) |
| Inhalt | viel Schulstoff; Besichtigung von Betrieben; Berufswahlvorbereitung |
| Sonstiges | Vorbereitung auf weiterführende Schule möglich |
| Kosten pro Jahr* | bis 2400 Franken |
Berufsvorbereitungsschulen | |
| Geeignet für | Jugendliche mit klarem Berufsziel |
| Nicht geeignet für | Jugendliche, die keinen realistischen Berufswunsch haben |
| Ziele | Kompetenzen für die einzelnen Berufe vergrössern; Chancen bei der Lehrstellensuche verbessern; schulische Lücken schliessen |
| Inhalt | berufsspezifische Fächer; praktische Kurse; Allgemeinbildung |
| Sonstiges | Aufgeteilt in folgende Bereiche: kaufmännisch, technisch, gestalterisch, Informatik, Sozial/Pflege, Hauswirtschaft, Mittelschulvorbereitung |
| Kosten pro Jahr* | bis 2400 Franken |
Integrationsschulen (etwa Migrationskurse) | |
| Geeignet für | Fremdsprachige und Jugendliche, die besser integriert sein wollen |
| Nicht geeignet für | Jugendliche, die die Kultur der Schweiz bereits gut kennen und/ oder Deutsch gut beherrschen |
| Ziele | bessere Deutschkenntnisse; Kennenlernen der hiesigen Kultur |
| Inhalt | Deutsch-Intensivkurse; Integrationskurse; Vorbereitung auf die Lehre |
| Sonstiges | |
| Kosten pro Jahr* | bis 1600 Franken |
| *öffentliche Schulen für Jugendliche mit Wohnsitz im Einzugsgebiet der Schule | |
Linkliste Ausbildung und Beruf
| Berufsbilder |
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| Berufsbildung |
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| Branchen |
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| Berufslehre |
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| Berufs-beratungsstellen |
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© Beobachter Ausgabe 11 vom 26. Mai 2005 - Alle Rechte vorbehalten








