Berufslehre
Alles andere als schnuppe
Im Rennen um die begehrten Lehrstellen bringen Schnupperlehren einen Vorteil. Doch auch Schnuppern will gelernt sein.
Nebenartikel
Es wird gehobelt, Späne fliegen, Sägen kreischen: Die Mädchen und Jungen der Zürcher Lehrwerkstätte für Möbelschreiner sind am Werk. Auch Tiffany Devige, Stiftin im ersten Lehrjahr, legt Hand an. Wohin die berufliche Reise gehen könnte, ahnte die 16-Jährige schon früh: «Ich habe meinen Eltern oft beim Renovieren in unserem Haus geholfen; dabei haben mir Arbeiten mit Holz besonderen Spass gemacht», erinnert sie sich.
Viele treten ahnungslos an
Dennoch schnupperte Tiffany zuerst als Innenausbauzeichnerin und als Gärtnerin. Nachdem sie dann aber drei Schnupperlehren als Schreinerin absolviert hatte, stand der Entschluss, Möbelschreinerin zu werden, fest. «Bevor ich schnuppern ging, habe ich über die Berufe, die mich interessieren, aktiv Informationen gesammelt.»
So viel Engagement ist jedoch nicht die Regel. Oft treten Jugendliche ihre Schnupperlehren ziemlich ahnungslos an. Dabei führen sie bei vielen Betrieben zu einer Lehrstelle. «Unser Ziel ist die Ausstellung eines Lehrvertrags, was etwa bei jeder dritten Schnupperlehre der Fall ist», sagt Walter Flessati, Leiter Personal/Ausbildung bei Coop Zentralschweiz-Zürich. Entsprechend anspruchsvoll ist beim Grossverteiler die Vorselektion.
Eine gute Vor- und Nachbereitung ist der Schlüssel, um in den meistens nur gerade zwei bis fünf Schnuppertagen einen realistischen Einblick in den angestrebten Beruf zu erhalten. «Grundsätzlich ist eine Schnupperlehre in allen Berufen zweckmässig», sagt Markus Truttmann vom Berufsinformationszentrum in Zug. In den industriellen, gewerblichen und handwerklichen Branchen fänden die Jugendlichen aber leichter einen Platz als bei einer besonders begehrten Berufsgattung wie Grafiker oder Bänkler.
Die Auswahl ist riesig: 22 Berufsgruppen umfassen 300 Berufe. Da sind Hilfestellungen gefragt – wie etwa jene an der Weiterbildungsschule in Basel-Stadt. Dort wird in einem eigenen Unterrichtsfach die Laufbahnvorbereitung während der 8. und der 9. Klasse intensiv betrieben. Bevor die Jugendlichen eine Schnupperlehre suchen, lernen sie die verschiedenen Berufsgruppen kennen. «Zudem sollen sie ihre Fähigkeiten und Neigungen einschätzen, damit sie eine realistische Wahl treffen, die ihren beruflichen und schulischen Möglichkeiten entspricht», sagt Lehrerin Christina Link.
Eltern und Lehrer sollten mithelfen
Auch einen hauseigenen Laufbahnvorbereitungs-Shop hat sich die Basler Schule zugelegt. «Videos, Broschüren zu 120 Berufen, berufsspezifische Literatur und Computer mit Internetanschluss gehören zum Angebot», sagt der Lehrer und Shop-Leiter Walter Looser. Bei den Jugendlichen ist der Unterricht beliebt. So sind sich die beiden 15-jährigen Neuntklässler Dominique Saladin und Zoran Popovic einig: «Für uns ist es an der Tagesordnung, mit Lehrern, Eltern und Freunden über die Berufswahl zu sprechen.»
Dieser Austausch müsste eigentlich Standard sein. Sibylle von Siebenthal, Lehrlingsverantwortliche der Zuger Kantonalbank, wo jedes Jahr gegen 40 Jugendliche schnuppern, ist überzeugt: «Wenn Eltern und Lehrpersonen bei der Berufswahl mithelfen, wird die Vorbereitung auf die Schnupperlehre stark verbessert.»
Ebenso wichtig ist es, nach der Schnupperlehre die Eindrücke und Erlebnisse nochmals Revue passieren zu lassen (siehe Nebenartikel «Schnupperlehre: Vorher, nachher»). Berufsberaterin Claire Barmettler vom Bülacher S&B Institut rät deshalb, während des Schnupperns ein Tagebuch zu führen. Damit die Jugendlichen danach wissen, woran sie sind, fordert sie von den Betrieben: «Jede Schnupperlehre sollte mit einem Abschlussgespräch und einer schriftlichen Rückmeldung enden.»
Internet
- Tipps zur Schnupperlehre: www.berufsberatung.ch (Rubrik Berufswahl/Schnupperlehre)
- Persönliche Standortbestimmung (eigene Fähigkeiten und berufliche Anforderungen): www.kgv.ch (Rubrik Kompetenzprofile)
- Adressverzeichnis aller Berufsberatungsstellen in der Schweiz: www.svb-asosp.ch
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© Beobachter Ausgabe 4 vom 17. Feb 2005 - Alle Rechte vorbehalten

