Editorial
Gelassenheit statt Grabenkrieg
«Die entscheidende Frage ist: Wie müssen Schulen aussehen, die möglichst vielen zu einer möglichst guten Bildung verhelfen?»

Artikel zum Thema
Es geht um viel: die Zukunft der eigenen Kinder. Dies mag die Heftigkeit erklären, mit der darüber gestritten wird, ob Eltern die Schule ihres Nachwuchses frei wählen können. Und ob der Staat deshalb auch Privatschulen finanzieren soll. Baselland stimmt über eine entsprechende Volksinitiative ab; andere Kantone sollen folgen. In dieser Ausgabe geben wir einen Überblick über die Diskussion um die freie Schulwahl. Eine Debatte, die Gesellschaft und Politik spaltet wie selten (siehe Artikel zum Thema «Freie Schulwahl: Was darfs sein?»).
Es geht auch um ein Ideal der Demokratie: Chancengleichheit. Zwar ist sie schon jetzt mehr Wunsch als Realität. Aber würde die freie Schulwahl nicht definitiv zu einem Bildungssystem erster und einem zweiter Klasse führen? Oder garantierte sie umgekehrt, wenn der Zugang zu Privatschulen keine finanzielle Frage mehr wäre, bessere Bildungschancen für alle?
Das ist Stoff für ideologische Grabenkriege - die eine Seite empört sich über den Frontalangriff auf die Volksschule, die andere über staatliche Bevormundung. Gelassenheit und Offenheit wären besser, sonst geht schnell die entscheidende Frage unter: Wie müssen Schulen aussehen, die möglichst vielen zu einer möglichst guten Bildung verhelfen? Wie gesagt, es geht um viel.
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© Beobachter Ausgabe 12 vom 11. Jun 2008 - Alle Rechte vorbehalten
