Projekt Lernstick Freie Software für Schulen

Heute sollen sich Schulkinder im Umgang mit Computern üben. Doch einige Programme und Dateien funktionieren in der Schule bestens, zu Hause läuft gar nichts.

Das ist unbefriedigend für die Schüler und nervenaufreibend für die Lehrer. Die Schulen wiederum müssen für die Lizenzen gängiger Programme von Microsoft oder Apple tief in die Tasche greifen.

Mit dem sogenannten Lernstick soll das jetzt anders und vor allem günstiger werden. Die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) hat das clevere Gadget entwickelt. Vermarktet wird es von Educa, dem Schweizer Medieninstitut für Bildung und Kultur. Der USB-Speicherstick benutzt das Linux-Derivat Debian als Betriebssystem, so dass er hardwareunabhängig ist und auf fast allen Computern läuft. Auf dem Lernstick befinden sich quelloffene Programme, mit denen die Schüler arbeiten können, ein komplettes Bürosoftwarepaket inklusive E-Mail-
Client steht ebenfalls bereit. «Mit dem Lernstick haben die Schüler jederzeit und überall die gleiche Lernumgebung und die eigenen Daten immer mit dabei», sagt Jürg Gasser, Projektleiter Lernstick Educa. Das Betriebssystem und alle Programme sind gratis.

Klingt fast perfekt. Doch eine Schwäche hat der Stick. Der Datenschutz sei noch nicht ganz ausgereift, sagt Ronny Standtke, Leiter der Lernstick-Entwicklung FHNW. «Man soll den Stick beruhigt verlieren können, ohne Angst, dass Dritte auf die gespeicherten Daten zugreifen könnten.» Bald können die Schulen bestimmen, ob sie die Lernsticks mit oder ohne Verschlüsselung haben möchten.

«4500 Franken pro Jahr sparen»

Rund 35 Schulen im Einzugsgebiet der FHNW nutzen das neue Gadget bereits. Simon Habegger, Sekundarlehrer und passionierter IT-Tüftler aus Interlaken, ­arbeitet seit zwei Jahren damit: «Für die Schüler ist der Lernstick wie ein Zückerli. Sie sind neugierig und wollen alles ausprobieren.» Ein Stick kostet zwischen 40 und 50 Franken. Die Schule spare damit rund 4500 Franken pro Jahr. Gar keine Kritik? «Beim Start am Computer läuft es nicht immer rund, und es dauert ziemlich lange», sagt Habegger. Und manchmal müsse er Eltern beruhigen, die fälschlicherweise glauben, der Stick beschädige den eigenen Computer.

Autor:
  • Kathrin Kocher
Bild:
  • Thinkstock Kollektion
01. September 2011, Beobachter 18/2011