Versicherungen Sicherheit ist Chefsache

Welche Versicherungen für das gegründete Unternehmen obligatorisch sind, hängt von ihrer Rechtsform ab.
Welche Versicherungen für das gegründete Unternehmen obligatorisch sind, hängt von ihrer Rechtsform ab.

Der Schritt in die Selbständigkeit ist mit Risiken verbunden, gegen die man sich schützen kann. Eine Risikoanalyse zeigt Gefahren auf und hilft, die richtigen Vorkehrungen zu treffen und die nötigen Versicherungen abzuschliessen.

aktualisiert am 21. Jun 2016 11:17

Als Arbeitnehmer braucht man sich wenig Gedanken über die Versicherungssituation im Betrieb zu machen. Dafür ist der Arbeitgeber verantwortlich. Der Chef ist auch dazu verpflichtet, die Prämien einzuzahlen. Mit dem Wechsel in die Selbständigkeit verändert sich die Situation jedoch markant.

Für Unternehmer sind nur einige wenige Versicherungen wie beispielsweise die AHV gesetzlich vorgeschrieben. Welche der zahlreichen anderen Versicherungsprodukte man zusätzlich benötigt, hängt von der Rechtsform der Firma, von der Art des Betriebs, von der Firmengrösse und von der persönlichen Risikoeinschätzung ab.

Vor dem Abschluss von Versicherungen für das eigene Unternehmen sollte man unbedingt eine Risikoanalyse (siehe unten «Risikoanalyse: Wie gefährdet ist Ihre Existenz») durchführen. Eine Risikoanalyse zeigt, welche Risiken im Betrieb zu erwarten sind und welche finanziellen Folgen sie haben können. Liegen die konkreten Risiken auf dem Tisch, geht es darum, zu überlegen, wie man ihnen begegnet. Der Abschluss von Versicherungen ist eine mögliche Option. In vielen Fällen können Risiken aber auch überwälzt, vermieden oder zumindest vermindert werden.

Rücklagen für den Notfall bilden

Eine Risikoverminderung ist etwa der Einsatz von Schutzkleidung in Betrieben mit entsprechenden Gefahren. Je nach Risiko ist es unter Umständen sinnvoll, selber Rücklagen für den Notfall zu bilden, um dafür im Gegenzug eine Versicherung mit hohem Selbstbehalt und entsprechend tieferer Prämie abzuschliessen.

Als Selbständiger kommt man um eine Reihe von Versicherungen nicht herum, auch wenn alle Vorkehrungen getroffen sind. Ein wichtiger Bereich sind die Personenversicherungen. Neben der Altersvorsorge decken sie die Folgen von Krankheit oder Unfällen ab. Dabei geht es weniger um die Behandlungskosten, die durch die Grundversicherung bei der Krankenkasse gedeckt sind, sondern um mögliche Lohnausfälle. Eine Taggeldversicherung schafft hier Sicherheit. Auch einen langfristigen Ausfall oder gar den Tod sollte man im Auge behalten. Welche Versicherungen sinnvoll sind, hängt stark vom persönlichen Risiko ab. Wer beispielsweise von zu Hause aus als Programmierer arbeitet und keine Familie hat, hat ein völlig anderes Risikoprofil als ein selbständiger Dachdecker, der eine Frau und drei Kinder zu ernähren hat.

Absicherung der Mitarbeiter

Nicht vergessen sollte man auch die Absicherung seiner Mitarbeiter. Die minimalen Anforderungen sind gesetzlich oder durch einen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) vorgeschrieben. Darüber hinaus können weitere Versicherungen abgeschlossen werden, die im Notfall auch die Firma entlasten. So bezahlt die Taggeldversicherung den Lohn eines kranken Mitarbeiters weiter, was sonst während einer gewissen Zeit zulasten der Firma gehen würde.

Absicherung der Firma

Ebenso wichtig wie die persönliche Absicherung und die Absicherung von Mitarbeitern ist diejenige der Firma selber. Ein Element sind Betriebs- und Berufshaftpflichtversicherungen, analog zur privaten Haftpflichtversicherung.

Die Betriebshaftpflicht deckt Schäden, die durch den Betrieb der Firma entstehen. Etwa wenn ein Dachdecker Ziegel auf ein parkiertes Auto fallen lässt. Eine Berufshaftpflichtversicherung hingegen kommt bei Berufen zum Einsatz, bei denen durch Fehler teure Folgeschäden entstehen können. Zum Beispiel wenn ein Arzt einen Patienten falsch behandelt und dieser Schäden davonträgt. Oder wenn ein Ingenieur ein Bauteil eines Gebäudes falsch berechnet und dieses einstürzt. Nicht zu unterschätzen sind aber auch Risiken, die dem Unternehmen von aussen drohen. So haben etwa die Überschwemmungen der letzten Sommer viele Betriebe für Monate lahmgelegt. Wer in einer dieser Situationen nicht oder zu wenig versichert ist, setzt unter Umständen die Existenz des Betriebs aufs Spiel. Wer sich gegen solche Naturkatastrophen, aber auch gegen die Folgen eines Brands absichern will, braucht beispielsweise eine Fahrhabeversicherung. Ähnlich der Hausratversicherung deckt sie Schäden an der Ausstattung des Betriebs ab.

Betriebe, die auf eine fixe Produktionsstätte angewiesen sind, sollten sich gegen Betriebsausfälle versichern. Entsprechende Policen garantieren eine Entschädigung für die Kosten während der Zeit, in der ein Betrieb aufgrund von Schäden geschlossen bleiben muss.

Wer vor der Gründung eines eigenen Betriebs steht, ist schnell einmal überfordert mit den zu fällenden Versicherungsentscheiden. Auf der einen Seite stehen die Kosten für die zu zahlenden Prämien, auf der anderen Seite lauert die Angst, im Fall eines Schadens oder Unfalls die Existenz des Unternehmens aufs Spiel zu setzen. Die Risikoanalyse ist ein wichtiges Mittel, hier die richtige Balance zu finden. Es ist aber auch sinnvoll, einen Versicherungsberater beizuziehen. Dieser hilft einerseits bei der Risikoanalyse, anderseits bei der Suche nach passenden Versicherungsangeboten.

Je nach Art des Betriebs ist auch die Staffelung von Versicherungsabschlüssen eine gute Möglichkeit: Zu Beginn schliesst man nur diejenigen Policen ab, die unbedingt nötig sind. Sobald sich die Risikolage ändert, das Geschäft gut läuft oder neue Aspekte hinzukommen, erweitert man auch den Versicherungsschutz.

Wer Risikoanalyse und Versicherungsabschlüsse selber an die Hand nimmt, sollte für Versicherungen, die von mehreren Dienstleistern angeboten werden, Offerten einholen und bezüglich Leistungen und Prämien vergleichen. Das Ziel sollte eine optimale Risikoabdeckung sein. So schützt sich ein Jungunternehmer im Schadensfall vor unangenehmen Folgen – und spart wertvolle Zeit und Kapital, die er besser in seine Firma investiert.

Risikoanalyse: Wie gefährdet ist Ihre Existenz?

Die Risikoanalyse ist fester Bestandteil eines Businessplans. Und ein wichtiges Instrument, um abzuklären, welche Versicherungen für sich und die ­eigene Firma nötig sind. Eine solche Analyse beantwortet folgende ­Fragen: «Welche Risiken bestehen für mein ­künftiges Unternehmen? Mit welcher ­Wahrscheinlichkeit treffen sie ein? Was wären die Folgen? Und wie kann ich mich davor schützen?»

Eine einfache Risikoanalyse besteht in der ­Regel aus einer Tabelle. In der ersten Spalte stehen die vermuteten Risiken, daneben die Einstufung (Bagatelle, mittleres Risiko, ­existenzgefährdendes Risiko). In einer weiteren Spalte schätzt man die mögliche maximale Schadenssumme ab.

Ist die Bewertung ­abgeschlossen, kontaktieren Sie mit Vorteil einen Versicherungsberater. Gemeinsam gilt es nun, die Risiken zu bestimmen, die an einen Versicherer überwälzt werden sollen. Fragen Sie sich aber auch, welche Risiken Sie durch geeignete Massnahmen (etwa Sicherheitstüren, Brandmeldeanlagen, Wachdienst) von Anfang an ausschliessen oder stark begrenzen können. Viele Versicherer fordern dies sogar. Wenn Sie dies nicht tun, bezahlen Sie ­hohe Prämien oder müssen im Schadensfall Leistungseinbussen in Kauf nehmen.

Erwerbsausfall: So sichern sich Unternehmer ab

Einzelunternehmer, Kollektiv- und Kommanditgesellschafter (Personengesellschafter) sind obligatorisch versichert, und zwar wie folgt: in der AHV, der IV und gegen Lohnausfall bei Mutterschaft, Militär-, Zivilschutz- und Zivildienst.

Erwerbsausfälle, die in einer Krankheit oder in einem Unfall begründet sind, lassen sich durch eine freiwillige Versicherung abdecken, Arbeitslosigkeit jedoch nicht. Zu unterscheiden sind Versicherungen gegen kurzfristige Arbeits­unfähigkeit sowie Versicherungen gegen langfristige Erwerbs­unfähigkeit.

Für den Fall von kurzfristigen Einkommens­ausfällen schliessen «echte» Selbständigerwerbende eine Taggeldversicherung bei einer Krankenkasse ab. Gegen langfristige Ausfälle schützt eine Invaliditätsversicherung bei einem Lebensversicherer.

Als «unechter» Selbständigerwerbender ist die Sachlage einfacher: Man ist Angestellter seiner Firma (AG oder GmbH) und muss sich wie seine ­Mitarbeitenden der AHV, der IV, der Pensionskasse, der Arbeitslosen- und Unfall­versicherung sowie der Familienausgleichs­kasse anschliessen.

Wichtig: Beachten Sie die maximalen Versicherungssummen, um eine Deckungslücke zu vermeiden. Lediglich gegen die kurzfristige Arbeitsunfähigkeit aus Krankheitsgründen ist man nicht versichert, was sich aber mit einer Krankentaggeldversicherung abdecken lässt.

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Autor:
  • Reto Westermann
Bild:
  • Elisabeth Real
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