Besammlungsverbot
«Die Eltern sind mitgemeint»
In Dänikon ZH dürfen sich Schüler nach 22 Uhr nicht mehr in Gruppen draussen aufhalten. Das sei auch ein Appell an die elterliche Aufsichtspflicht, sagt Gemeindepräsident Daniel Zumbach.

Ein neuer, von der Gemeindeversammlung genehmigter Passus in der Polizeiverordnung in Dänikon (1800 Einwohner) untersagt es schulpflichtigen Jugendlichen, sich nach 22 Uhr in Gruppen draussen aufzuhalten. Damit reagiert der Gemeinderat auf nächtliche Störungen durch etwa ein Dutzend Jugendliche, die im Dorf wiederholt durch Lärm und Sachbeschädigungen aufgefallen waren. Gemeindepräsident Daniel Zumbach nimmt dazu Stellung.
Beobachter: Was Jugendliche so treiben, liegt ja eigentlich in der Verantwortung ihrer Eltern, nicht der Gemeinde. Daher eine Vermutung: Das nächtliche Besammlungsverbot zielt gar nicht auf die paar jugendlichen Störenfriede, sondern mindestens so sehr auf deren Eltern.
Daniel Zumbach: Ja, das streite ich nicht ab. Die Eltern sind mitgemeint - es ist ein Appell an ihre Erziehungsverantwortung. Wir als Behörde wollten ein rechtliches Mittel schaffen, um die Jugendlichen und ihre Eltern in die Pflicht nehmen zu können.
Beobachter: Dänikon ist ein Dorf, jeder kennt jeden. Lässt sich so ein Problem nicht anders lösen als über die Polizeiverordnung?
Zumbach: Wir haben es ja versucht. Erst haben wir mit den Jugendlichen selber das Gespräch gesucht, das brachte nichts. Dann schickten wir den betroffenen Eltern einen Brief, in dem wir ihnen die Situation schilderten. Doch auf neun Schreiben kam gerade eine Rückmeldung. Einigen ist es offenbar gleichgültig, was ihre Kinder nachts tun. Mich erschreckt das - nicht in erster Linie als Gemeindepolitiker, sondern als Vater.
Beobachter: Was kann ein Verbot daran ändern?
Zumbach: Immerhin löst es hier im Dorf eine öffentliche Diskussion über die elterliche Aufsichtspflicht aus. So sind auch die betroffenen Eltern gefordert, sie können sich diesen Gesprächen nicht entziehen. Von daher hat die ganze Übung schon etwas gebracht. Ausserdem ist klar, dass das Verbot nicht die alleinige Lösung sein kann. Eine Option ist die aufsuchende Jugendarbeit, wie sie Nachbargemeinden anbieten. Ein solches Angebot werden wir prüfen.
Beobachter: An der Gemeindeversammlung sind gerade einmal 30 Stimmberechtigte erschienen, obwohl das Thema bekannt war. Interessieren sich die Däniker so wenig für Jugendfragen?
Zumbach: Das glaube ich nicht, auch wenn der Aufmarsch tatsächlich dürftig war, etwa halb so viel wie sonst üblich. Das hat mich schon frustriert, zumal der Anstoss, endlich etwas zu unternehmen gegen die Störungen durch die Jugendlichen, aus der Bevölkerung gekommen ist.
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© Beobachter Ausgabe 13 vom 25. Jun 2008 - Alle Rechte vorbehalten

