Editorial
Freiheit hat ihren Preis
Schluss mit Stempeluhr und fixen Bürozeiten. Als sein eigener Chef mehr Freizeit geniessen – und gleichzeitig satt Geld verdienen…
Schön ists, das Jungunternehmerleben, das die Medien gern zelebrieren. Für die meisten Selbständigerwerbenden sieht die Realität jedoch anders aus. Sie arbeiten oft härter und länger als Angestellte, in der Regel über 60 Stunden pro Woche. Sie verdienen weniger als Arbeitnehmer: im Schnitt 5500 Franken pro Monat, jeder fünfte gar nur 3000 Franken. Und die neugewonnene Unabhängigkeit des «freien» Unternehmers endet abrupt in den Sitzungszimmern seiner «neuen» Chefs – der Kunden, die die Terminpläne bestimmen.
Artikel zum Thema
Trotzdem: Der Schritt in die Selbständigkeit kann sich lohnen. Und wer ihn mit Bedacht macht, findet grosse Befriedigung, wie die Beispiele der Sattlerin Mirjam Weber oder der Candyshop-Besitzerin Alexandra Bisaz zeigen (siehe Artikel zum Thema «Start-Up: 16-Stunden-Tage sind die Regel»). Für beide war der Beginn schwer. Beide erlitten Rückschläge. Doch wie die meisten der zirka 600'000 Selbständigerwerbenden in diesem Land möchte sich keine der beiden Frauen wieder anstellen lassen.
Apropos Frauen: Sie haben gute Karten. Laut einer Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz haben von Frauen gegründete Firmen grössere Überlebenschancen als von Männern gegründete. Grund sei das stärkere Streben nach Selbstverwirklichung. Und für einmal haben auch Ältere Vorteile: Je älter ein Gründer, desto besser die Aussicht, dass sein Betrieb überlebt. Erfahrung und ein grosses Beziehungsnetz machen die Differenz.
Wichtigste Voraussetzung für den Erfolg ist aber eine gute Vorbereitung. Lesen Sie in diesem Extraheft, wie man eine Firmengründung anpackt, wie man sich vor Überlastung schützt und sich richtig absichert. Denn eine gute Geschäftsidee allein reicht nicht, um im Markt zu bestehen.
Für dieses Heft suchten wir innovative Jungunternehmerinnen
Eine davon ist Tina Grässli, 39. Die Textildesignerin macht unter dem Label xess+baba Mode (www.xessbaba.ch). Beidseitig tragbare Strickmode, um genau zu sein. Bis sie davon leben konnte, hielt sich die Wahlzürcherin als Crêpesverkäuferin und Kinoaushilfe über Wasser. Der Durchbruch kam 2004 mit dem eigenen Laden. Heute beliefert sie 30 Geschäfte, wirtschaftliche Risiken trägt sie aber immer noch.
Ähnlich ergeht es auch den übrigen von Elisabeth Real fotografierten jungen Chefs. Den Schritt in die Selbständigkeit indes bereut keiner.
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© Beobachter Ausgabe 10 vom 15. Mai 2009 - Alle Rechte vorbehalten




