Editorial

Jedem sein Gärtli?

Text:
  • Matthias Pflume
Ausgabe:
16/08

«Beträchtliche Teile des Mittellandes sind bereits unter einem Siedlungsbrei begraben.»: Matthias Pflume, stv. Chefredaktor

Stellen Sie sich vor, dass der Brienzersee komplett unter einer Asphaltdecke verschwindet. Ein Alptraum? In der Tat. Rund 2700 Hektaren Land, etwa die Fläche des Brienzersees, werden jedes Jahr in der Schweiz überbaut. Dafür sind wir alle verantwortlich - mit unserem wachsenden Bedürfnis nach mehr Wohnfläche und neuen Strassen sowie unserem kollektiven Traum vom Häuschen im Grünen. Beträchtliche Teile des Mittellandes sind deshalb bereits unter einem Siedlungsbrei begraben.

Um diesen Trend zu stoppen, bräuchte die Schweiz eine Raumplanung, die diesen Namen verdient. Zwar gibt der Bund schon jetzt gesetzlich vor, den Landschaftsverbrauch zu begrenzen. Tatsächlich aber entscheiden die Gemeinden und deren Eigennutz. Wer mit neuen Bauzonen auf weitere Steuerzahler hofft, hat meist kaum Sinn für ein Gemeinwohl, das sich nicht beziffern lässt. Unsere Titelstory (siehe Artikel zum Thema «Verschandelte Schweiz: Ein Land wird zugebaut») zeigt die Folgen dieser Haltung, aber auch Wege zu einem nachhaltigeren Umgang mit der Ressource Boden.

Dies ist auch das Ziel der Landschaftsinitiative der Umweltverbände. Sie verlangt, die Bauzonen 20 Jahre lang nicht auszudehnen - Zeit für eine dringend nötige Besinnungspause. Denn regiert weiter das Gärtlidenken, haben wir zwar bald massenhaft Häuschen. Aber vom Grünen können wir nur noch träumen.

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© Beobachter Ausgabe 16 vom 06. Aug 2008 - Alle Rechte vorbehalten

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