Lehrstellen
Null Bock auf Dreck
Die Bauwirtschaft boomt und zahlt gute Löhne. Doch den Jungen ist der Job zu hart.

(Bild: Archiv)
Es wird gebaut, dass sich die Balken biegen. Die Schweizer Bauwirtschaft ist dank des milden Winters hervorragend ins Jahr 2007 gestartet. Die Umsätze im Hoch- und Tiefbau stiegen in den ersten drei Monaten um 14,6 Prozent auf rund 3,3 Milliarden Franken. «Wir erleben zurzeit einen absoluten Boom», sagt Jean-Pierre Grossmann vom Schweizerischen Baumeisterverband (SBV).
Mauern, hämmern, graben - das finden Jugendliche allerdings ziemlich uncool. Wie der am Dienstag vom Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT) veröffentlichte Lehrstellenbarometer zeigt, waren am 15. April, dem Stichtag der Erhebung, noch rund 2'500 Lehrstellen unbesetzt. Dies entspricht etwa einem Drittel der im Baugewerbe angebotenen Lehrstellen. Keine andere Branche bekundet so viel Mühe, geeignete Lehrlinge zu finden.
«Ein Teil der heutigen Jungen will keine Arbeit machen, bei der man körperlich hart arbeiten muss und dreckige Hände bekommt», sagt Grossmann vom SBV. Suzanne Auer, Leiterin Kommunikation beim BBT, bestätigt: «Das Baugewerbe ist bei den Jugendlichen nicht mehr attraktiv.» Nach den Gründen gefragt, meint Auer: «Bauberufe sind ein harter Job. Es liegt nicht jedem, bei Wind und Wetter draussen zu sein.»
Auch an der ETH scheint das Baugewerbe an Attraktivität verloren zu haben: Immer weniger Studierende schliessen mit einem Bauingenieur-Diplom ab. Gerade mal 51 waren es letztes Jahr. «Schon in wenigen Jahren werden wir einen dramatischen Mangel an Fachkräften aller Stufen haben», warnt SBV-Vertreter Grossmann.
Eine Imagekampagne solls richten
Dabei zahlt die Baubranche sehr gute Löhne. Im Branchenvergleich gehören die Saläre des Bauhauptgewerbes mit einem im Gesamtarbeitsvertrag garantierten Mindestlohn zu den höchsten. Von den einem Gesamtarbeitsvertrag unterstellten Branchen zahlt nur das Kreditgewerbe besser.
Das aber wissen wohl die wenigsten Schulabgänger. Der SBV will jetzt aktiv werden. Er plant eine umfassende Kampagne zur Imageverbesserung der Bauberufe.
Buchtipp
Irmtraud Bräunlich Keller: «Lehrstellensuche, Rechte am Arbeitsplatz». Lehrstellensuche, Rechte am Arbeitsplatz, 144 Seiten, 2007, CHF 36.-
Anzeige:
Links zum Artikel
© Beobachter Ausgabe 14 vom 04. Jul 2007 - Alle Rechte vorbehalten

