Steuern: Nachrechnen und Geld sparen

Auch ein Computer kann falsch rechnen. Prüfen Sie deshalb die Steuerrechnung nach. Wehren Sie sich wenn nötig mit einer Einsprache.

Der Tag, an dem jeweils die Steuerrechnung ins Haus flattert, wird selten zum Freudenfest. Sich darüber zu ärgern bringt nichts. Lohnen kann sich aber die Kontrolle der Steuerveranlagung. Sie wird einem von der Steuerbehörde aufgrund der letzten Steuererklärung zugesandt - je nach Kanton jährlich oder jedes zweite Jahr. Obwohl vom Computer ausgerechnet und gedruckt, gibt es fehlerhafte Veranlagungen - etwa weil vom Steuerpflichtigen vorgenommene Abzüge zu Unrecht abgeändert oder einzelne Posten der Steuererklärung falsch erfasst wurden. Vergleichen Sie deshalb die Einschätzung mit der eingereichten Steuererklärung. Daten aus der Steuererklärung und Abweichungen sind zum Teil kodiert aufgelistet.

Die Codes beziehen sich entweder auf die Ziffern in der Steuererklärung oder werden separat erklärt. So lassen sich Zivilstand, Steuerperiode und Konfession überprüfen. Falsche Daten könnten hier teuer zu stehen kommen. Bei Unklarheiten empfiehlt sich ein Telefon an den zuständigen Veranlagungsbeamten. Trägt dies nicht zur Klärung bei oder verstärkt es den Eindruck, falsch eingeschätzt worden zu sein, können Sie in der vorgegebenen Einsprachefrist eine Uberprüfung verlangen. Das gilt für die direkte Bundessteuer sowie die Kantons- und Gemeindesteuern. Die Einsprache sollten Sie schriftlich einreichen, aus Beweisgründen mit eingeschriebenem Brief.

Eine Einsprache ist keine Hexerei. Der Brief muss einen Antrag enthalten (Beispiel: Ich beantrage, die gesamten angegebenen Renovationskosten an der Liegenschaft zum Abzug zuzulassen) sowie eine Begründung (Beispiel: Die Kosten sind abzugsberechtigt, da sie den Liegenschaftswert nicht erhöhen). Der Einsprache sind Beweismittel beizulegen.
Wer mit dem Einspracheentscheid unzufrieden ist, kann schriftlich Rekurs einreichen: mit Antrag, Begründung und Beweismitteln. In den Deutschschweizer Kantonen Glarus, Graubünden, Luzern, Nidwalden, Schaffhausen, Schwyz, Solothurn, Uri und Zug gelangt man mit einem Rekurs direkt an die unabhängigen kantonalen Verwaltungs-, Steuer- oder Obergerichte. Die andern Kantone kennen eine zusätzliche Instanz, bevor das unabhängige kantonale Verwaltungsgericht den Fall beurteilt. Ein «Rekurs» wird dann auf Kantonsstufe häufig zur «Beschwerde» und kann danach ans Bundesgericht weitergezogen werden.

Während eine Einsprache in der Regel kostenlos ist, muss der Steuerpflichtige bei einem Rekurs als Verlierer die amtlichen Kosten tragen. Prüfen Sie deshalb, ob sich die Ausgaben in bezug auf mögliche Steuereinsparungen lohnen. Zudem besteht die Gefahr, dass das Gericht einen angefochtenen Entscheid zum Nachteil des Steuerpflichtigen abändert oder gar zu seinen Ungunsten eine Korrektur vornimmt. Das kann auch in einem Punkt sein, der vom Steuerpflichtigen gar nicht bestritten wurde. Vor einem Rekurs lohnt es sich, einen aufs Steuerrecht spezialisierten Anwalt beizuziehen.

Einsprache- und Rekursfristen betragen meist 30 Tage. Sie beginnen nach Erhalt der anfechtbaren Verfügung zu laufen und können nicht verlängert werden. Wer sie verpasst, hat das Nachsehen. Eine Fristwiederherstellung ist nur in bestimmten Fällen möglich: etwa bei Krankheit, Militärdienst, Auslandsaufenthalt oder einem Todesfall in der Familie.
Auch hier besteht wieder eine kantonale Frist. Keine Gründe für eine Fristwiederherstellung sind Nachlässigkeiten oder Unterlassungen des Steuerpflichtigen sowie Irrtum oder fehlende Rechtskenntnisse.
Die letzte Möglichkeit, nachträglich gegen rechtskräftige Veranlagungen, Einsprache- und Beschwerdentscheide vorzugehen, bietet eine Revision. Dieses Rechtsmittel kennen die meisten Kantone. Eine Revision ist aber nur zulässig, wenn der Gesuchsteller neue Beweise vorlegen kann.

Dass die Chance auf eine Revision klein ist, zeigt das Beispiel von Bauer Max Huber (Name geändert). Huber musste dem Steueramt seine Buchhaltung zur Uberprüfung vorlegen. Explizit eingefordert wurden lediglich zwei Geschäftsjahre. Dass auch frühere Landkäufe und Investitionen auszuweisen waren, wusste Huber nicht. Aufgrund fehlender Informationen kürzte ihm darauf das Steueramt den Buchwert der Liegenschaften um 400000 Franken. Ein gewaltiger Nachteil für Huber. Denn je kleiner der Buchwert, desto weniger kann er jährlich abschreiben und desto höher fällt ein Liquidationsgewinn bei einem Verkauf aus. Für Max Huber macht dies Zehntausende von Franken aus.
In der Veranlagung übersah Huber die massive Buchwertkürzung, fand die Einschätzung in Ordnung und legte sie zu den Akten. Erst Monate später entdeckte ein Treuhänder Hubers Fehler. Zu spät: Das Begehren auf Revision der Veranlagung wurde aufgrund der verpassten Einsprachefrist abgelehnt. Ein Revisionsgrund sei hier selbst bei einer objektiv unrichtigen Veranlagung nicht gegeben, stand in der Begründung.

Wehren können sich Steuerpflichtige nach Ablauf einer gesetzlichen Frist allerdings gegen nachträglich festgestellte Schreib- oder Rechenfehler in der Steuerrechnung. Etwa wenn bei einem Umzug in einen anderen Kanton die Steuer für ein ganzes Jahr statt nur für neun Monate berechnet wurde. Dies muss der Steuerbehörde wiederum in einer bestimmten Frist mitgeteilt werden; je nach Kanton innerhalb von drei bis fünf Jahren nach der Einschätzung.

10. Februar 1998, Beobachter 4/1998