Arterienverkalkung: Fitness und Früchte sind die beste Medizin

Text:
  • Cornelia Schürer-Maly
Ausgabe:
14/00

Hände weg von Pillen und Pülverchen! Sport und gute Ernährung sind die besten Mittel zur Vorbeugung von Herzinfarkt und Gehirnschlag.

Das elektrisch betriebene Pappmännchen stand früher im Schaufenster vieler Apotheken: Aufgemalte Falten im Gesicht kennzeichneten es als «nicht mehr ganz jung». Trotz seinem Alter schlug es ununterbrochen Wellen am Reck – und warb so für Knoblauchpastillen.

Der rüstige Greis repräsentierte die drei Grundregeln einer gesunden Lebensführung: Er war nicht übergewichtig, er trieb Sport – und er nahm via Knoblauchtabletten Vitamine zu sich. Das «Knoblauchmännchen» praktizierte die ideale Vorbeugung gegen Arteriosklerose (Arterienverkalkung).

Blutgefässe verengen sich
Arteriosklerose entsteht durch Schädigungen in den Arterienwänden. An den schadhaften Stellen werden Kalk, Blutplättchen, LDL-Cholesterin und andere körpereigene Substanzen eingelagert. Dadurch verengen sich die Blutgefässe. Rauchen, Ubergewicht, Bluthochdruck, Diabetes und Stress verstärken das Problem. Verkalkte Gefässe führen zu Durchblutungsstörungen in den betroffenen Organen. Die möglichen Folgen: Angina pectoris, Herzinfarkt, Gehirnschlag, Blutmangel oder Schmerzen in den Beinen.

Solide Lebensführung hält gesund
US-Wissenschaftler haben in einer gross angelegten Studie («Lifestyle Heart») den Zusammenhang zwischen Lebensweise und Arteriosklerose untersucht. 48 Patienten mit verkalkten Herzkranzgefässen wurden ein Jahr lang beobachtet. Die Hälfte der Studienteilnehmer mussten sich einer Diät unterziehen, die wenig Fett, dafür viel Gemüse und Obst enthielt. Ausserdem nahmen sie regelmässig an leichten Gymnastiktrainings teil und besuchten Seminare zur Stressbewältigung (Meditation, Entspannungs- und Atemübungen). Die anderen Studienteilnehmer erhielten keine besondere Lebensberatung.

Das Ergebnis der Studie: Bei den Patienten, die nach den speziellen Richtlinien lebten, sank der Cholesterinspiegel, und auch die Angina-pectoris-Anfälle nahmen ab. Die Röntgenbilder zeigten einen markanten Rückgang der Herzkranzgefässverengungen. Bei den Patienten der Kontrollgruppe hingegen nahmen die Gefässverengungen ebenso zu wie die Herzbeschwerden.

Eine richtige Lebensweise beugt also nicht nur der Arteriosklerose vor, sondern kann auch bereits bestehende Arterienverkalkungen wieder rückgängig machen – ganz ohne Medikamente.

Wer viel Obst und Gemüse isst, nimmt eine Menge Vitamine und Spurenelemente zu sich – die beste Vorbeugung gegen Herzinfarkt und Gehirnschlag. Die Vitamine C, E und Betacarotin sowie das Spurenelement Selen schützen besonders vor Arteriosklerose, weil sie die so genannten freien Radikalen abfangen.

Die freien Radikalen gehören eigentlich zu den Abwehrmechanismen des Körpers. Sie zerstören unter anderem feindliche Bakterien. Unter bestimmten Bedingungen wie Stress und Rauchen entstehen jedoch zu viele freie Radikale, die die körpereigenen Strukturen angreifen. Freie Radikale können das für die Blutgefässe schädliche LDL-Cholesterin so umwandeln, dass es die Wände der Arterien attackiert. Auf diese Weise begünstigen Radikale die Entstehung von Arteriosklerose.

Die so genannten Antioxidantien unter den Vitaminen sowie Selen binden überschüssige Radikale und machen sie unschädlich. Salat, grünblättriges Gemüse und pflanzliche Öle sorgen dafür, das dem Organismus genügend Antioxidantien zugefügt werden.

«In vino veritas» – im Wein liegt die Wahrheit. Aber nicht nur das: Diverse Studien haben bewiesen, dass auch regelmässiges Weintrinken der Arteriosklerose vorbeugt. Forscher führen dies darauf zurück, dass edle Tropfen den Cholesterinspiegel senken. Bier soll eine ähnliche Wirkung haben.

Doch ob Bier, Weiss- oder Rotwein – auf die Menge kommt es an! Ein halber Liter Bier oder ein viertel Liter Wein täglich reichen aus, um die Blutgefässe vor Arteriosklerose zu schützen. Für Frauen genügt sogar die Hälfte. Was darüber liegt, schadet dem Körper.

Raucher leben gefährlich
Eines der wirksamsten und billigsten Mittel zur Vorbeugung von Arteriosklerose ist der Verzicht aufs Rauchen. Glimmstengel fördern nicht nur die Entstehung von Lungenkrebs, sondern auch die Arterienverkalkung.

Umstritten sind komplementärmedizinische Therapien gegen Arteriosklerose. Aroma-, Bachblüten-, Bioresonanz- oder Magnetfeldtherapien nützen in der Regel bei Arterienverkalkung nichts. Das gleiche gilt für homöopathische Massnahmen. Gänzlich abzuraten ist von ausleitenden Verfahren wie Baunscheidtieren oder blutigem Schröpfen. Hingegen bewähren sich Entspannungstechniken wie autogenes Training, Atemtherapie und Biofeedback als begleitende Therapien bei Stress und Verspannungen.

© Beobachter Ausgabe 14 vom 07. Jul 2000 - Alle Rechte vorbehalten

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