«Der Wettbewerb ist erbarmungslos»: Der Präsident des Bauernverbands im Interview

Mitarbeit:
  • Adrian Schmid
Ausgabe:
1/02

Tausende kleiner Bauernbetriebe kämpfen ums Überleben. «Viele werden dem Druck nicht standhalten», befürchtet Hansjörg Walter. Er ist Präsident des Bauernverbands.

Beobachter: Herr Walter, kann man bei den Schweizer Landwirten jetzt mit Euro einkaufen?

Hansjörg Walter: Wenn ein Konsument mit dem Euro bezahlen will, ist das sicher möglich. So flexibel sind die Bauern.

Beobachter: Eine Annäherung ans Ausland tut Not. Hier produzieren Bauern immer noch 25 bis 70 Prozent teurer als in Europa. Warum?

Walter: Weil die Kosten höher sind. Unsere Arbeit ist standortgebunden und kann nicht verlagert werden. In einem Alpenland ist eine grossflächige Landwirtschaft unmöglich.

Beobachter: Trotz den hohen Kosten hat jeder dritte der rund 70000 Bauernhöfe langfristig ein zu dünnes Finanzpolster. Was läuft schief?

Walter: Der Wettbewerb ist erbarmungslos. Viele Kleinbetriebe werden dem Druck nicht standhalten. Ich gehe davon aus, dass die Zahl innert zehn Jahren um rund einen Drittel zurückgeht.

Beobachter: Stimmt wenigstens die Qualität der Produkte?

Walter: Wir stellen dank strengen ökologischen Vorschriften qualitativ hervorragende Produkte her. Die sorgsame Pflege der Landschaft zähle ich dazu.

Beobachter: Das wird offenbar nicht überall erkannt. So muss der Emmentalerkäse momentan wegen Überproduktion zu Tiefstpreisen exportiert werden. Ein Einzelfall?

Walter: Ja. Und es ist keine Qualitätsfrage. Die Markt- und Exportchancen wurden im Frühjahr zu optimistisch eingeschätzt.

Beobachter: Der einst mächtige Bauernverband hat an Einfluss verloren. Jetzt sagt sogar Agrarminister Couchepin, Sie seien strategielos.

Walter: Eine grenzenlose Liberalisierung ist für uns keine Strategie. Entscheidend sind nicht die Noten des Bundesrats, sondern der Rückhalt bei den Bauern. Den spüre ich.

Beobachter: Was wollen Sie im neuen Jahr für Ihre Bauern erreichen?

Walter: Bei den Marktpartnern faire Preise für unsere Produkte. In der Politik werden wir dafür kämpfen, dass der heutige Kurs optimiert wird. Eine Radikalkur mit einer Angleichung ans internationale Preisniveau lehnen wir ab. Und die Konsumentinnen und Konsumenten wollen wir überzeugen, einheimische Nahrungsmittel zu bevorzugen. Damit tun sie auch etwas für die Landschaft und den Erholungsraum.

© Beobachter Ausgabe 1 vom 11. Jan 2002 - Alle Rechte vorbehalten

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