Die Gemeinde muss helfen

Text:
  • Walter Noser
  •  und Urs Rauber
Ausgabe:
20/99

Fachleuten war klar, dass Karin Marbet ein Recht auf Sozialhilfe hat – doch die Gemeindebehörden legten sich quer. Erst als sich der Beobachter einschaltete, bekam die allein stehende Mutter ihr Geld.

«Ich bin an meiner Situation weder schuld, noch habe ich sie herausgefordert. Ich drehe jeden Fünfer zweimal um. Doch der Herr von der Sozialhilfekommission in Herbetswil SO sagt, dies sei nicht sein Bier», schrieb Karin Marbet dem Beobachter. Was war geschehen?

Karin Marbet lebte bis vor wenigen Monaten mit dem Vater ihrer kleinen Tochter zusammen. Der Lebensunterhalt wurde mit dem Arbeitslosentaggeld ihres Partners bestritten. Dann zog der Freund aus, und die finanziellen Probleme begannen. Der Nebenverdienst durch Heimarbeit reichte nirgends hin, und die Alimentenbevorschussung liess auf sich warten.

In ihrer Verzweiflung wandte sich Karin Marbet an diverse Beratungsstellen im Kanton Solothurn. Alle sagten ihr, die Gemeinde müsse sie unterstützen. Doch die Beamten in Herbetswil weigerten sich, die Notlage zu sehen.

Zu Unrecht, fand der Beobachter und intervenierte. Doch der Präsident der Sozialhilfekommission meinte nur, die Richtlinien für die Bemessung von Sozialhilfe kenne er nicht im Detail. Das reichte ihm, um untätig zu bleiben. Auf das Beharren des Beobachters gab der Leiter des kantonalen Amts für soziale Sicherheit der Gemeinde schliesslich Nachhilfeunterricht.

Karin Marbet bekam endlich ihr Geld. Künftig sollte sie mit der Sozialfürsorge keine Probleme mehr haben. Das jedenfalls ist aufgrund der Aussage des Leiters des kantonalen Amts zu hoffen: «Wenn etwas nicht klappt, soll sich Karin Marbet sofort an mich wenden», versprach er dem Beobachter.

© Beobachter Ausgabe 20 vom 01. Okt 1999 - Alle Rechte vorbehalten

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