Editorial: Der Prämienboom frisst Lohnerhöhungen auf
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Schon wieder: Die Krankenkassenprämien steigen zum Teil massiv. Eine schlechte Nachricht für alle, die sich auf eine Reallohnerhöhung gefreut haben: Den Zustupf wird man schnell wieder los. Bereits heute zahlt eine vierköpfige Familie für die Grundversicherung im Schnitt über 6000 Franken jährlich. Dabei wirds nicht bleiben: Ab 2001 kostet derselbe Versicherungsschutz bis zu zehn Prozent mehr. Das enthüllt der erste Teil unseres Krankenkassen-Ratings. Bereits zum sechsten Mal bewertet der Beobachter das Angebot und die Leistung der 33 grössten Krankenversicherer die landesweit verlässlichste Information, welche Kasse nicht nur am günstigsten, sondern auch am besten ist. Nur sinnvoll also, dass inzwischen schon mehrere Kassen die Beobachter-Kriterien für die eigene Qualitätskontrolle verwenden. Denn die Kostenexplosion im Gesundheitswesen ruft nach Massnahmen auch bei den Versicherern. Das zeigt der Bericht meines Redaktionskollegen Adrian Schmid. Wie hiess es noch vor fünf Jahren? Das neue Krankenversicherungsgesetz (KVG) werde «die Kostensteigerung wirksam dämpfen». Das Gegenteil ist eingetreten. Hat also das KVG sein Ziel verfehlt? Ja in diesem Punkt. Dafür gibt es fast so viele Gründe wie Ärzte und Spitäler. Nicht zuletzt steigen auch die Ansprüche der Patienten. Den Leistungskatalog begrenzen? Nicht bei meiner Therapie! Die freie Arztwahl einschränken? Doch nicht in meinem Fall Vom «gesunden Kostenbewusstsein», das mit dem neuen Gesetz über unser Land hereinbrechen sollte, keine Spur.
Allerdings ist auch keine gute, mehrheitsfähige Alternative zum heutigen KVG in Sicht. «Zu viele Interessengruppen behindern und bekämpfen sich in diesem 40-Milliarden-Markt», sagt Walter Ilg, der Krankenversicherungsexperte des Beobachters. Aus seiner langjährigen Beratungstätigkeit weiss er, dass das neue Gesetz für die Versicherten tatsächlich eine Reihe von Verbesserungen gebracht hat nicht zuletzt einen wichtigen sozialen Fortschritt: Jeder kann die Kasse frei wählen, und die Prämienhöhe bemisst sich unabhängig vom Alter. Das ist von grosser Bedeutung. Die Krankenkassen dürfen ihre so genannten «schlechten Risiken», zumindest in der Grundversicherung, nicht abwimmeln. Dass sie es wie unser Test zeigt trotzdem versuchen, ist skandalös.
Eine sozialpolitische Stimme ist verstummt: Am 13. August verstarb der langjährige Beobachter-Redaktor Willy Wagner, 87, in den sechziger und siebziger Jahren eine der prägenden Persönlichkeiten beim Beobachter. Besondere Verdienste erwarb er sich in seinem langen, erfolgreichen Kampf um eine Verbesserung der AHV. Wir behalten den grossen Publizisten in dankbarer Erinnerung.
© Beobachter Ausgabe 18 vom 03. Sep 2000 - Alle Rechte vorbehalten










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