Editorial: Erfolgreich alles falsch gemacht
«Gerade weil der Beobachter seinen Idealen treu bleibt, darf er optisch nicht stehen bleiben»
Soeben hat mir ein Beobachter-Leser am Telefon zünftig
den Tarif erklärt: «Der Beobachter war früher
nie derart verletzend.» Die Schelte kam fast gleichzeitig
mit der Forderung eines anderen Lesers: «Ihr könntet
ruhig wieder angriffiger und kritischer werden.» Den
einen sind wir «zu wenig humorvoll», andere möchten
gerne «mehr ernsthafte Themen» behandelt sehen.
Einige beklagen, dass der Beobachter «zu viel Werbung»
hat, andere fordern «mehr Beratung». Trotz aller
Kritik ist die Leserschaft des Beobachters auf über eine
Million gestiegen, und sie wächst weiter. Alles kann
also nicht falsch sein.
Mit der vorliegenden Ausgabe schliesst der Beobachter seine
gestalterische Auffrischung ab, die er über Monate in
kleinen Schritten realisiert hat. Ich denke, dass wir auch
damit bei unseren Leserinnen und Lesern nicht nur Lob ernten
werden. Dabei haben Art Director Martina Mayer und ihr Team
grossartige Arbeit geleistet: Sie geben den bewährten
Beobachter-Inhalten einen moderneren, zeitgemässen Rahmen.
Ich bin überzeugt: Gerade weil der Beobachter seinen
alten Idealen treu bleiben will, darf er im Erscheinungsbild
nicht stehen bleiben.
Mit der sechsten Verleihung gehört der Prix Courage
bereits zu den tragenden Säulen des Beobachters. Auch
hier reden unsere Leserinnen und Leser mit: Sie bestimmen
mit, wer für sein mutiges Verhalten ausgezeichnet werden
soll. Wir unterbreiten Ihnen dazu zehn Vorschläge (Siehe
Artikel zum Thema «Mut wird belohnt») und hoffen
auf ein reges Echo: Wer sich an der Wahl beteiligt, hat die
Chance, am Galaabend und an der Preisverleihung mit dabei
zu sein.
Zuletzt noch einen Blick auf den Schluss unseres Hefts.
Dort lernen Sie Martin Hauzenbergers spitze Feder kennen.
Der Journalist und Liedermacher lässt sich von aktuellen
Pressebildern zu gedanklichen Ausflügen verleiten (Siehe
Artikel zum Thema «Ansichtssache»). Ich freue mich
mit Ihnen, wenn Sie künftig die Beobachter-Lektüre
mit einem Schmunzeln beenden. Und falls Sie sich mal ärgern,
werden Sie uns bestimmt schreiben.
© Beobachter Ausgabe 18 vom 05. Sep 2003 - Alle Rechte vorbehalten
