Editorial: Kinder und Computer
«Die wechselnden Bedürfnisse haben in den eigenen vier Wänden oft keinen Platz.» Daniel Benz über das Extra Bauen / Wohnen.
Erinnern Sie sich? Als kleines Kind hatte man es gern, wenn die Türen im Haus offen standen, denn der Kontakt zu den übrigen Familienmitgliedern ist gut fürs Wohlbefinden. Ganz anders ein paar Jahre später, als Jugendlicher. Dann ist grösstmögliche Autonomie gefragt. Und eine geschlossene Tür, um sich auch mal zu zweit ungestört zurückziehen zu können.
Die Schwierigkeit ist bloss: Die eigenen vier Wände sind gebaut. Und die wechselnden Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen haben darin allzu oft keinen Platz. Das muss nicht sein: Jürg Zulliger hat Familien besucht, die ihr Zuhause in eine kindergerechte Wohnwelt umgebaut haben. Ein Anstoss zur Eigeninitiative mit beträchtlichem Potenzial, denn trotz aller gesellschaftlichen Veränderungen lebt immer noch über die Hälfte der Schweizer Bevölkerung in einem Familienhaushalt mit Kindern.
Das Wohnen mit Kindern ist also gang und gäbe. Das lässt sich vom Wohnen mit «intelligenten» Kühlschränken und Waschmaschinen nicht behaupten. Vernetzte Wohnsysteme stecken noch in den Anfängen. Ulrike Schettler hat sich aufgemacht, einen Blick ins Haus der Zukunft zu werfen. Ihr Ratschlag an die Bauherren der Gegenwart: heute schon bauliche Vorkehrungen für eine spätere Vernetzung treffen. Der Weg ist vorgezeichnet: Ins Haus stehen uns Heizung, Beleuchtung und Lüftung per Mausklick.
Nicht unangenehm, die Vision des Trendforschers Matthias Horx: Er rechnet damit, dass uns in absehbarer Zeit Reinigungsroboter zur Seite stehen werden. Das könnte vor allem einer gebrauchen, der im Gegenteil eines Zukunftshauses lebt Gian-Battista von Tscharner vom 400-jährigen Gut Reichenau im Bündnerland. Er hat 70 Räume in Schuss zu halten und räumt deshalb auf mit verklärter Romantik: «Schlossherr zu sein ist Knochenarbeit.»
Irgendwie tröstlich für Leute, die bereits beim herkömmlichen Wohnen mit Kindern und Computern genug zu tun haben.
© Beobachter Ausgabe 9 vom 03. Mai 2002 - Alle Rechte vorbehalten









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