Editorial
Anders, als man denkt
«Die Katastrophe von Tschernobyl galt vielen lange als kaum vorstellbar. Ein Irrtum.»

Artikel zum Thema
Als mein Kollege Thomas Grether vorschlug, Drehtüren in Kaufhäusern, Hotels und Spitälern auf ihre Gefährlichkeit testen zu lassen, hatte ich mir das eigentlich harmloser vorgestellt. Riskante Drehtüren in der Schweiz? Das wird nicht so dramatisch werden... Doch der Beobachter-Test zeigt ein anderes Bild: Fast 90 Prozent der Türen fielen punkto Sicherheit durch - einige prallen mit einer Wucht auf, die mehr als 100 Kilogramm entspricht. Durch die Ergebnisse aufgeschreckt, unterziehen nun die meisten betroffenen Betreiber ihre Türen einem Sicherheitscheck (siehe Artikel zum Thema «Drehtüren: Betreten auf eigene Gefahr»).
Der GAU, der «grösste anzunehmende Unfall» in einem Atomkraftwerk, galt vielen lange als kaum vorstellbar. Ein Irrtum. Vor 20 Jahren kam es in Tschernobyl zur Katastrophe. Der 26. April 1986 war auch für viele Menschen hierzulande ein Tag mit weit reichenden Folgen. Thomas Angeli hat Zeitzeugen zu den Tagen und Wochen nach dem Unglück befragt (siehe Artikel zum Thema «Tschernobyl: Der Tag, an dem die Wolke kam»).
Beim Stichwort «Sozialhilfe» hat man seine Vorstellungen: zunehmende Fallzahlen, politischer Spardruck, Missbrauchsdebatten, Perspektivlosigkeit der Betroffenen. Weniger bekannt ist, was es bedeutet, in dieser Konfliktzone zu arbeiten. Für unsere Titelstory hat sich Edith Lier auf Sozialämtern umgehört, um zu erfahren, mit welchen Strategien die Mitarbeitenden Frust und Druck aushalten (siehe Artikel zum Thema «Sozialämter: Ein Armutszeugnis für die reiche Schweiz») Ausserdem zeigt Urs von Tobel, was es bedeutet, wenn Gemeinden die Arbeit der Sozialämter Privaten übertragen - nicht immer mit dem beabsichtigten Spareffekt (siehe Artikel zum Thema «Privatisierung: Die Sozialamt AG»).
Um Vorstellungen von der Zukunft, Wünsche und Träume geht es zu einem grossen Teil in den Artikeln unseres Jugend-Schwerpunkts (siehe unter Artikel zum Thema). Ob die Gestaltung der eigenen vier Wände, die Umwege zum Traumberuf, die Kunst des Überzeugens oder die Frage, ob Eltern die Post ihrer Kinder lesen dürfen - Daniel Benz hat gemeinsam mit anderen ein lesenswertes Paket geschnürt. Dass es ebenfalls geeignet ist, diese oder jene Vorstellung zu korrigieren, dürfte Sie nicht überraschen.
© Beobachter Ausgabe 7 vom 30. Mär 2006 - Alle Rechte vorbehalten









Sozialhilfe
Die Sozialhilfe ist unter Druck – und letztes Auffangnetz: Betroffene erzählen