Editorial
Das Prinzip Mittelmass
«Politiker wollen wiedergewählt werden. Deshalb scheuen sie klare Positionen.»

Artikel zum Thema
Eigentlich wollte die Schweizer Politik nie Abschied von der Atomenergie nehmen. Doch der Widerstand gegen AKWs wurde in der Bevölkerung plötzlich zu gross. So mussten denn die schönen Ausbaupläne auf Eis gelegt werden. Die Regierung versprach, dafür die alternative Energiegewinnung zu fördern. Sie hat es nur sehr halbherzig getan - und damit eine riesige Chance vertan: Der technologische Vorsprung von einst ist verlorengegangen. Doch das Potential ist nach wie vor da. Auch in der Schweiz (siehe Artikel zum Thema «Öko-Strom: Der neue Pioniergeist»).
Eigentlich wollte die Schweizer Politik am Grundsatz festhalten, dass die Wehrmänner Waffe und Munition zu Hause aufbewahren. Denn die Emotionen - und das politische Gewicht - der Waffenliebhaber sind unübersehbar (siehe Artikel zum Thema «Sammlerbörse: Ein einig Volk von Waffenbrüdern»). Nach zahlreichen Gewalttaten mit Armeewaffen hat sich nun aber eine Gegenkraft formiert. Die politische Lösung, die sich abzeichnet, ist typisch schweizerisch: Die Waffe bleibt zu Hause, die Munition im Zeughaus.
Energie, Waffen, Parallelimporte, Konsumentenschutz, Gesundheitspolitik... Politikerinnen und Politiker wollen wiedergewählt werden. Deshalb scheuen sie klare, angreifbare Positionen. Das Resultat sind zaghafte Schrittchen und verpasste Chancen. Die Wahlchancen der Bisherigen werden so besser - und das Mittelmass im Parlament auf alle Zeiten zementiert.
© Beobachter Ausgabe 9 vom 25. Apr 2007 - Alle Rechte vorbehalten









Sozialhilfe
Die Sozialhilfe ist unter Druck – und letztes Auffangnetz: Betroffene erzählen