Editorial
Drücken Sie die Daumen!
«Viele überfordern sich dauerhaft und werden eines Tages psychisch krank.»

Artikel zum Thema
Heutzutage seien die Menschen nicht mehr nett zueinander, sagte mir neulich ein Psychologe. Das mag arg nostalgisch klingen, nach «früher war alles besser». Doch er meinte es nicht als Anklage, sondern als Beobachtung: nämlich dass es Haltungen wie Wohlwollen und Nachsicht heute schwer haben. Schliesslich definieren wir uns stark über unsere Arbeit, wo ganz andere Werte gelten: Effizienz, Flexibilität, Profit. Kein Ort für Schwäche. Hinzu kommt, dass uns die Technik zwar immer mehr Aufgaben abnimmt, aber die Tätigkeiten, die wir noch selbst ausüben, im Gegenzug meist anspruchsvoller werden. Viele überfordern sich dauerhaft und werden eines Tages psychisch krank. Sie sind in guter Gesellschaft. Denn an Depressionen oder anderen psychischen Störungen leiden in der Schweiz etwa zwei Millionen Menschen: eine tabuisierte Volkskrankheit, der wir unsere Titelgeschichte widmen (siehe Artikel zum Thema «Psychisch Krank: Das verkannte Leiden»).
100'000 Menschen beziehen eine IV-Rente wegen psychischer Krankheiten. Nicht zu ihnen gehören will der 38-jährige Andreas Springer, der mutig über seine Angsterkrankung berichtet (siehe Artikel zum Thema «Andreas Springer: ‹Ich schäme mich nicht›»). Im Moment versucht er, zurück in die Arbeitswelt zu finden; wir werden ihn in mehreren Artikeln auf diesem nicht immer leichten Weg begleiten. Wenn Sie ihm dabei die Daumen drücken würden, wäre das - nett.
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© Beobachter Ausgabe 5 vom 05. Mär 2008 - Alle Rechte vorbehalten


