Editorial
Wohin nur mit dem Zuvielschutz?
«Der oft programmierte Leerlauf hat dem Image des Zivilschutzes arg zugesetzt.»

Artikel zum Thema
Endlich habe er wieder mal ausgiebig Zeit zum Jassen, meinte spöttisch ein Kollege, als er sich unlängst für eine Woche in den Zivilschutz verabschiedete. Solche Sprüche von Dienstleistenden prägen das Bild einer Organisation, die Jahr für Jahr Milliarden kostet und dabei zunehmend um ihre Legitimation kämpfen muss. Mit ein Grund: Der oft programmierte Leerlauf für die Basis hat dem Image der Truppe arg zugesetzt. Lukas Egli beschreibt in unserer Titelgeschichte die akute Notlage des Zivilschutzes, der sich derzeit im grossen Stil vom Kalten Krieg verabschiedet (siehe Artikel zum Thema «Zivilschutz: Denn sie wissen nicht, was tun»).
Mehr als die Hälfte der Schweizer hat Vorurteile gegenüber Ausländerinnen und Ausländern, so das Resultat einer Studie der Universität Genf. Besonders erschreckend: 23 Prozent der Befragten bekannten sich zu einer fremdenfeindlichen Haltung. Noch weiter ging Patrick Sandmeier. Der 24-Jährige tat während vier Jahren an vorderster Front bei den Neonazis mit. In einem Gespräch mit meiner Kollegin Andrea Haefely liefert er schockierende Einblicke ins rechtsextreme Lager (siehe Artikel zum Thema «Rechtsextreme: �Der Erstbeste wurde verhauen�»). Als der Aargauer der Szene den Rücken kehrte, wurde er massiv verprügelt und brauchte Polizeischutz. Und Sandmeier stand plötzlich ohne Freunde da. «Die Einzigen, die zu mir hielten, waren ausgerechnet drei ausländische Arbeitskollegen.»
Mit Vorurteilen gegenüber Ausländern ist auch Mustafa Memeti regelmässig konfrontiert. Der 43-jährige Albaner lebt seit 18 Jahren in der Schweiz - seit 2005 ist er eingebürgert. Memeti leitet den Muslimischen Verein Bern und vertritt gegenüber dem Beobachter überraschende Positionen in der Auseinandersetzung um Kopftücher und Minarette; zudem spricht er Klartext, wenns um radikale Islamisten geht (siehe Artikel zum Thema «Islam: �Der �heilige Krieg� hat bei uns keinen Platz�»). Für Memeti steht fest: «Wir brauchen offene Menschen, die die demokratischen Regeln respektieren. Das ist Integration.»
Anzeige:
© Beobachter Ausgabe 2 vom 17. Jan 2007 - Alle Rechte vorbehalten









Sozialhilfe
Die Sozialhilfe ist unter Druck – und letztes Auffangnetz: Betroffene erzählen