Einbruch: Schloss und Riegel gegen Diebe

Text:
  • Urs von Tobel
Ausgabe:
23/00

Es muss nicht immer High Tech sein. Bereits einfache Schlösser und Riegel machen Dieben das Leben schwer.

Aline K. fieberte im Bett vor sich hin. Plötzlich ein seltsames Geräusch – die grippekranke Frau schreckte auf. Da sass doch tatsächlich ein Fremder auf dem Bett ihres Mannes und durchsuchte das Nachttischchen. Sie schrie aus Leibeskräften. Der Dieb floh.

Das alles geschah am helllichten Tag. Ihr Sohn hatte am Nachmittag das Einfamilienhaus verlassen, um eine Besorgung zu machen – ohne die Tür abzuschliessen. Der Eindringling muss ihn beobachtet haben: Er drang problemlos und unbemerkt ins Haus ein, durchsuchte – eine Zigarette rauchend – die Küche, steckte Geld ein und wandte sich dem Schlafzimmer zu, wo er nach Schmuck suchte. Die kranke Frau störte ihn vorerst nicht – sie schlief ja.

Schlimm ist die Angst danach

Ein Einschleichdiebstahl aus purem Zufall. Immerhin bestätigt er zwei Erkenntnisse der Polizei: In der Schweiz gibt es keine Wohnung, in die es sich nicht einzudringen lohnte. Etwas Geld findet sich in der Küche, Schmuck im Schlafzimmer. Die Opfer verkraften den materiellen Schaden meistens schneller als den psychischen. Aline K.s Herz rast noch heute, wenn sie an den Eindringling denkt.

Auch zwei Familien im zürcherischen Dällikon kauten noch lange an den Folgen der Einbrüche in ihre Einfamilienhäuser. Besonders die Kinder – ein drei- und ein sechsjähriger Bub – litten noch monatelang an Einschlafstörungen. Für die beiden war es ein Horror, allein in einem Zimmer zu sein. Den materiellen Schaden von 3000 respektive 6000 Franken verkrafteten die beiden Familien weit besser.

Manchmal lassen Einbrecher auch ihrer Zerstörungswut freien Lauf. So gerieten zum Beispiel letzten Winter zwei Einbrecher in Rage, weil sie in einem Einfamilienhaus im Mutschellengebiet keine wertvollen Gegenstände fanden. Sie öffneten die Wasserhahnen und verstopften die Abläufe: Schliesslich stand das ganze Haus unter Wasser, und die Parkettböden waren nicht mehr zu gebrauchen.

Das Vorgehen der Einbrecher in Dällikon war sehr einfach – doch typisch für die Mehrzahl der Einbrüche: Sie hoben einfach die Rollläden hoch und hebelten die Fenster mit einem starken Schraubenzieher auf – lautlos und ohne ein Glas zu zerbrechen.

Ungeschützte Fenster gelten bei der Polizei deswegen als «30-Sekunden-Fenster». Auch bei Fenstertüren kommt diese Einbruchsvariante oft zur Anwendung.

Diebe suchen den raschen Erfolg

Weitere Methoden zählt Markus Atzenweiler von der Kantonspolizei Zürich stichwortartig auf: den Schlosszylinder abwürgen, wenn er nicht mit einer Rosette geschützt ist; die Balkontür durchbohren und den Verschlusshebel öffnen; mit einem Stein ein Fenster oder die Balkontür einschlagen, hineingreifen und öffnen – oder sich mit dem eigenen Körpergewicht gegen die Tür werfen, bis sie aufspringt. Das Werkzeug – Geissfuss, Schraubenzieher, Bohrer und Holzkeil – können die Diebe bequem in ihren Kleidern verstecken.

Doch der simplen Vorgehensweise der Einbrecher kann man mit einfachen Techniken wirkungsvoll begegnen. Das lohnt sich, obwohl die Sicherheit nie hundertprozentig ist. «Der Einbrecher will nur ein paar Minuten aufwenden, um in ein Haus einzudringen», sagt Polizist Markus Atzenweiler. «Ist er erfolglos, wendet er sich einem anderen Objekt zu.»

Eine Tür bietet bereits einen gewissen Schutz, wenn das Türblatt massiv gefertigt ist, der Schliesszylinder nicht vorsteht oder von einer Rosette geschützt ist. Der Riegelvorschub sollte mindestens 20 Millimeter betragen. Zudem sollte die Tür über ein Zusatzschloss mit Sperrbügel verfügen und über einen Spion zur Besucherkontrolle. Einen noch besseren Schutz gewährt eine Tür mit Mehrpunkteverriegelung. Bei diesem System werden auf allen vier Seiten Metallstangen in den Türrahmen versenkt. Der Vorteil: Eine Nachrüstung ist auch bei einfachen Türen möglich.

Einstieg durchs Toilettenfenster

Auch der Einstieg durchs Parterrefenster kann behindert werden. Besonderer Schutz ist bei Toiletten- und Badezimmerfenstern angebracht. Hier ist es ratsam, Gitter anzubringen, sofern man sie im Mauerwerk gut verankern kann. Bei den andern Fenstern und Türen ist eine Mehrpunkteverriegelung empfehlenswert. Zudem muss der Handgriff zum Verschliessen mit einem Schloss versehen sein.

Einen fast optimalen Schutz erreicht man, wenn durch Mehrpunkteverriegelung geschützte Fenster mit Sicherheitsglas ausgestattet werden. Ob dies nötig ist, muss der Eigentümer entscheiden. Immerhin machen sich acht von zehn Einbrechern nur an den Fensterrahmen zu schaffen. Glasbruch verursacht zu viel Lärm.

Dass Sicherheitsglas wirklich undurchdringlich ist, musste kürzlich ein Einbrecher in Küsnacht ZH erfahren. Er seilte sich vom Dach eines Einfamilienhauses auf die Terrasse ab. Doch die vollständig geschützte Terrassentür bekam er nicht auf. Um sich am Seil wieder hochzuziehen, fehlte ihm die Kraft. Er musste sich mit Klopfzeichen bei den Eigentümern bemerkbar machen. Diese benachrichtigten die Polizei, die ihn in Empfang nahm.

Sicherheit bringen auch einbruchsichere Rollläden. Die billigeren Ausführungen bieten allerdings nur Schutz, wenn sie vollständig verschlossen sind und auch die Luftzirkulation einschränken. Kein Problem bietet die mechanische Sicherung von Lichtschächten. Entsprechende Produkte sind im Fachhandel erhältlich.

Auch Alarmanlagen bieten einen guten Schutz. Sie sind jedoch nur sinnvoll, wenn sie bei einer Zentrale aufgeschaltet sind. Elektronische Sicherheitssysteme haben allerdings ihren Preis (rund 5000 Franken), und Fehlalarme können teuer kommen.

Eine gute Adresse für jede Art von Sicherheit ist ein Besuch im Sicherheits-Center im aargauischen Bergdietikon. Diesem Zentrum sind die bekanntesten Sicherheitsfirmen angeschlossen. Es findet nur Beratung und kein Verkauf statt.

Bei der Polizei sind Broschüren über den Einbruchsschutz erhältlich. In vielen Kantonen bietet sie Hauseigentümern und Mietern auch individuelle Beratung an.

So schrecken Sie Diebe ab

Noch besser, als Einbrecher nicht ins Haus kommen zu lassen, ist es, sie davon abzuhalten, ihr Werk überhaupt zu beginnen. Ob ein Einbrecher ein Haus für unbewohnt hält, hängt nicht selten vom Text des Telefonbeantworters ab. Am besten, man lässt potenzielle Diebe im Ungewissen, etwa mit der Ansage: «Ich will im Moment das Telefon nicht abnehmen.»

Ein weiteres Mittel, ungeliebte Gäste fern zu halten, ist Hilfsbereitschaft, gepaart mit Freundlichkeit. Schlendern Unbekannte scheinbar ziellos durchs Quartier, rät die Polizei, diese anzusprechen. «Suchen Sie etwas? Kann ich Ihnen helfen?» Solche Fragen nehmen einem wirkliche Spaziergänger nicht übel. Und diejenigen, die Häuser ausbaldowern, wissen, dass man von ihnen Notiz genommen hat.

Dass sich Nachbarn gegenseitig helfen, indem sie bei Abwesenheiten den Briefkasten leeren, Storen raufziehen und auch mal das Licht anknipsen, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Zimmer zu beleuchten ist allerdings nur dann sinnvoll, wenn diese von aussen nicht einsehbar sind. Und in Mehrfamilienhäusern sollten die Bewohner den elektrischen Türöffner nur dann betätigen, wenn sie genau wissen, wer ins Haus will.

Seit rund zehn Jahren organisieren verschiedene Gemeinden auch Patrouillendienste. Eine davon ist die 500-Seelen-Gemeinde Hüttikon ZH. «Zwei mit Pistolen bewaffnete Männer, die meist einen Hund mit sich führen, sind zu unterschiedlichen Zeiten im Dorf unterwegs», sagt Thomas Lüssi, Gemeindeschreiber, Organisator und selbst Mitglied des Sicherheitsdienstes. Sie sprechen Unbekannte an und fordern Verdächtige auf, sich auszuweisen. Lüssi: «Dazu sind wir berechtigt, denn der Gemeinderat hat uns zum polizeilichen Organ erklärt.»

Die präventive Wirkung der Hüttiker Patrouillen habe «voll durchgeschlagen», sagt Lüssi. «Nachdem in einem halben Jahr in 20 Häuser eingebrochen worden war, sind im ersten Jahr unserer Tätigkeit nur noch drei Einbrüche erfolgt und in den beiden folgenden Jahren zusammen noch ein einziger Einbruch.»

Patrouillen: Polizei ist skeptisch

Auch im aargauischen Erlinsbach sind von Oktober bis Ende März Zweierpatrouillen unterwegs. Ein Securitas-Mann wird von einem Hundeführer aus der Gemeinde begleitet. Beide Männer tragen ein Handy, aber keine Schusswaffe.

Über die Wirksamkeit solcher Bürgerwehren gibt man sich bei der Kantonspolizei Zürich bedeckt. «Das ist ein Politikum, dazu äussern wir uns nicht», sagt Hansruedi Suter von der Medienstelle. Sein Verhaltenstipp bei unangenehmen Situationen im Haus oder im Freien: «Lieber einmal zu viel als zu wenig den Notruf 117 wählen.»

© Beobachter Ausgabe 23 vom 10. Nov 2000 - Alle Rechte vorbehalten

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