Elektrogeräte: Sie fressen Strom im Schlaf
Die Hersteller von Computern und Unterhaltungselektronik verfehlen die Stromsparziele des Bundes bei weitem. Jetzt fordern sie eine Lockerung der Vorschriften und verärgern die Konsumentenschützer.

Immer besser, immer billiger. So preisen grosse Zeitungsinserate und dicke Kataloge die jeweils neusten Drucker, Videorecorder und Computer an. In Schwindel erregendem Rhythmus werfen die Hersteller neue Geräte auf den Markt und loben deren Vorzüge in dicht gedrängten technischen Angaben.
Information zum Stromverbrauch dieser tollen Geräte findet der Kunde wenn überhaupt nur kleingedruckt. Nicht ohne Grund ist die Information dürftig. Selten signalisiert das «Energy»-Label mit dem blauen Pfeil und dem gelben «Gut-Zeichen», dass es sich um ein stromeffizientes Gerät handelt. Die meisten so hochmodernen Büro- und Unterhaltungsgeräte fressen zu viel Strom.
Dies zeigt eine kürzlich veröffentlichte Bilanz des Bundesamts für Energie (BFE) zu den Zielwerten für den Stromverbrauch von Elektrogeräten. Der Bundesrat hatte diese Mitte der neunziger Jahre formuliert. Der Zielwert ist der Verbrauch, den ein Gerät nicht überschreiten darf. Zwischen 1996 und 2000, so die hehre Absicht, sollen 95 Prozent der verkauften Geräte das Stromsparziel erreichen.
Peinlich schlecht schneiden in der BFE-Bilanz die Drucker ab: Ende 1997 erreichte überhaupt kein Gerät den Zielwert. Nicht viel besser sind die Resultate der Bildschirme, Videorecorder und Computer: Bloss 5 bis 13 Prozent sind stromsparsame Geräte. Bei den Faxapparaten war es ein Viertel, bei den Fernsehern sind es immerhin gut 40 Prozent. Einzig die Kopierer erreichten mit fast 90 Prozent ein sehr gutes Resultat.
Auch die Hersteller von Grossgeräten für Haushalte hinken den Zielen hintennach. Die Resultate sind jedoch, mit Ausnahme der Gefriertruhen, deutlich besser. So sind rund 70 Prozent der 3-Stern-Kühlschränke und 90 Prozent der Geschirrspüler stromsparsam.
Unterhaltungs- und Bürogeräte verbrauchen zwar insgesamt weniger Strom als die Grossgeräte. Dafür aber einen grossen Teil im Schlafmodus: Rund 900 Millionen Kilowattstunden verpuffen, wenn die Apparate im Standby-Zustand schlummern oder gar ausgeschaltet sind. Dies freut höchstens die Elektrizitätswerke, die so rund 150 Millionen Franken jährlich verdienen dürften. Die Vorgaben des Bundes haben im Büro- und Unterhaltungsbereich gerade diesen sinnlosen Verbrauch im Visier.
«Die Zielwerte waren für die meisten Büro- und Unterhaltungsgeräte zu optimistisch», verteidigt Hans Fausch das schlechte Abschneiden seiner Branche. Er leitet die Energiekommission des Schweizerischen Wirtschaftsverbands der Informations-, Kommunikations- und Organisationstechnik (Swico). «Der Bund wird die Zielwerte dort lockern müssen, wo sie unrealistisch sind.»
Völlig anderer Ansicht ist Simonetta Sommaruga, Geschäftsführerin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS): «Die schlechten Ergebnisse sind empörend. Die Hersteller haben die Ziele gemeinsam mit den Behörden ausgearbeitet und sich freiwillig verpflichtet, sie zu erreichen.» Wenn jetzt die Eigenverantwortung versage, müsse der Bund das bisher freiwillige System überdenken. «Dann», fordert Sommaruga, «muss er die stromverschwendenden Geräte eben mit Vorschriften aus dem Markt entfernen.»
Informationen
Energy-Label
- Das in acht europäischen Ländern gültige Energy-Label ersetzt das frühere Energie-2000-Label mit dem Blitz. Die Geräte mit diesem Label gehören zu den 25 Prozent der genügsamsten Stromverbraucher in ihrer Kategorie. Nur Büro- und Unterhaltungselektronik. Aktuelle Gerätelisten im Internet: www.energielabel.ch
EU-Deklaration
- Die Deklarationspflicht gilt für alle Grossgeräte wie Kühlschränke und Waschmaschinen. Die Europäische Union versieht diese Geräte mit einer Bewertung von A bis G. A-Geräte sind sehr energiesparsam, B-Geräte sparsam, G-Geräte Stromfresser.
SKS-Broschüre
- Der Ratgeber «Haushalt: Energiesparende Geräte» der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) listet zahlreiche Grossgeräte auf und enthält Preislisten der A- und B-Geräte und allgemeine Tipps. Zu bestellen für 10 Franken plus Versandspesen unter der Adresse: SKS, Postfach, 3000 Bern 23
© Beobachter Ausgabe 19 vom 17. Sep 1999 - Alle Rechte vorbehalten









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