Estrichausbau: Neues Leben für alten Dachstock
Erweiterungen direkt unter dem Hausdach werden als «verdichtetes Bauen» gefördert. Die Arbeiten stellen an die Handwerker hohe Anforderungen.

Eigenheimbesitzer können mit der Erweiterung eines Dachstocks aus einem dunklen, muffigen Estrich neuen, attraktiven Wohnraum gewinnen. Behörden behandeln solche Umnutzungen heute in der Regel zuvorkommend. Heikler ist es um die Bewilligung bestellt, wenn der Denkmal- oder der Ortsbildschutz tangiert werden. In diesen Fällen muss die Baubehörde frühzeitig kontaktiert werden.
Im Vergleich zu einem Neubau auf der grünen Wiese ist ein Dachstockausbau eine relativ preiswerte Möglichkeit, um zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. Die Nachteile: Wertvolle Staufläche geht verloren und oft auch ein Bereich, der Kinder zum Spielen und Entdecken einlädt. Zudem darf der Aufwand nicht unterschätzt werden, sind doch eine Wärmedämmung und ein Unterdach zu erstellen, Dampfsperren und Verkleidungen anzubringen.
Bei einer Estrichsanierung ist die Planung sehr wichtig: Wie wird der neu gewonnene Wohnraum längerfristig genutzt? Braucht es im Dach wirklich ein zweites Badezimmer? Und wie muss die Treppe platziert werden, damit der Raum später geänderten Wohnbedürfnissen angepasst werden kann?
Neben der Wahl eines spezialisierten Architekten sind die Handwerker und Unternehmer sorgfältig auszuwählen. Bei einem Dachstockausbau sind etwa zehn verschiedene Handwerkerberufe involviert. Deshalb ist es besonders wichtig, vor der Auftragserteilung Referenzen einzuholen und umgebaute Objekte zu besichtigen.
Schutz gegen die Wärme
Der Zeitbedarf und die Koordination aller Arbeiten ist beim Dachumbau aufwändig. Selbst für einen einfachen Umbau braucht es rund drei Monate, wobei die Kosten rasch mehrere 10000 Franken ausmachen. Während beim Neubau heute mit rationellen Methoden gearbeitet wird, sind Arbeitsoptimierungen bei Dachumbauten begrenzt. Zwar können Dachfenster oder ganze Dachelemente in der Werkstatt produziert und mit Hilfe eines Krans montiert werden. Alles andere wird aber auf der Baustelle gefertigt.
Besondere Aufmerksamkeit ist dem Wärmeschutz zu schenken denn steigt im Sommer die Temperatur unter dem Dach auf 30 Grad und mehr, wird der Raum unbewohnbar. Daher sollten Bauherren erstens bei der Dämmung nicht sparen und zweitens Fenster mit einem aussenliegenden Sonnenschutz versehen.
Risikofaktor Feuchtigkeit
Bei einem Dachstockausbau ist zudem darauf zu achten, dass die Konstruktion nicht durch Feuchtigkeit beschädigt wird. Bereits kleine undichte Stellen können dazu führen, dass warme, feuchte Luft in die Dachkonstruktion eindringt und Wasser kondensiert. Verhindern lässt sich dies mit einer Dampfsperre oder einer Dampfbremse, kombiniert mit einem Isolationsmaterial, das Feuchtigkeit absorbiert. Für eine seriöse Abklärung braucht es hier einen Bauphysiker.
Bei einer Dampfsperre ist unbedingt zu prüfen, ob sie auch überall satt angeschlossen ist. Denn wird eine Dachkonstruktion einmal beschädigt, weil sie undicht ist, kann der Schaden gut und gern einige 10000 Franken betragen.
© Beobachter Ausgabe 9 vom 28. Apr 2000 - Alle Rechte vorbehalten
