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Farben

Häusliche Pinselstriche

Text:
  • Jürg Zulliger
Bild:
  • Thinkstock Kollektion
Ausgabe:
9/00

Jährlich werden Tausende von Tonnen Farben und Lacke verpinselt. Den Eigenschaften von Anstrichmitteln und den ökologischen Aspekten schenken aber Heimwerker häufig zu wenig Beachtung.

Farben: Häusliche Pinselstriche

Farben kommen heute im Wohnbereich mit viel Bedacht und Zurückhaltung zum Einsatz. Einerseits geht es darum, die Atmungsfähigkeit beziehungsweise Diffusion von Materialien zu ermöglichen. Andererseits gelten naturbelassene Mauersteine, Betonwände, Holz- oder Metallbauteile heute als schick. Soweit ein Material nicht durch einen Anstrich geschützt werden muss – etwa vor Feuchtigkeit – kann es sogar besser sein, auf deckende Farbanstriche zu verzichten.

 

Heimwerker, die ihrem farbigen Hobby frönen, greifen am meisten zum Pinsel. Im Innenbereich darf man sich einen neuen Anstrich ohne den Beizug von Fachleuten auch eher zutrauen als an der Fassade eines Gebäudes. Gleichwohl sind einige Grundsätze zu beachten: Wichtig ist vor allem, dass der Innenputz dampfdurchlässig und feuchtigkeitsausgleichend ist. Der Untergrund muss sauber, saugfähig, trocken und fettfrei sein.

 

Bei der Wahl des Anstrichmittels ist die Art der Nutzung mitzuberücksichtigen; bei starker Beanspruchung empfehlen sich wasch- oder gar scheuerfeste Farben. Zu bedenken ist, dass hochglänzende Wände im Vergleich zu seiden- oder tuchmatten empfindlicher sind.

 

Dispersionsfarben als Alleskönner
Die Lichtbeständigkeit von Öl- und Kunstharzfarben kann schlechter sein als jene von Dispersionsfarben, die weniger rasch vergilben. Andererseits haben Dispersionsfarben eine geringere Atmungsfähigkeit, wobei diese aber je nach Schichtdicke und Rezeptur variiert. Kombiniert mit ungenügender Lüftung kann es in den Ecken oder hinter Schränken zu Feuchtigkeitsschäden kommen.

 

Trotz dieses gewichtigen Nachteils haben sich Dispersionen durchgesetzt; sie halten praktisch auf jedem Untergrund, zum Beispiel auf Mauerwerk, Tapeten, bestehenden Anstrichen, Verputz oder auf Beton. Dispersionsfarben auf Kunstharz- oder synthetischer Kautschukbasis sind meist wisch- und scheuerbeständig.

 

Dispersion auf Kunststoffbasis ist im Innenbereich nach wie vor das am meisten verwendete Anstrichmittel. Auch Naturharz-Dispersionsfarben decken gut und haften auf allen mineralischen Untergründen (Putz, Beton, Mauerwerk) sowie auf Tapeten und Holz.

 

Als extrem atmungsfähig gelten Silikat- und Silikonharzfarben; sie eignen sich als Anstrich auf verschiedensten Baustoffen wie Mauerwerk, Kalk- oder Kalkzementputz, Tapeten. Nach entsprechender Vorbereitung sind sie zudem auf alten Anstrichen ideal.

 

Für feuchte Räume, Küchen, Keller und Garagen oder für Flächen, die nicht durch Abrieb exponiert sind, kommen Kalkfarben in Frage. Sie bestehen aus gelöschtem Kalk und Wasser und enthalten keinerlei Schadstoffe. Deshalb werden sie auch für die Denkmalpflege verwendet. Der Anstrich ist in hohem Mass dampfdiffusionsfähig, preisgünstig und ökologisch – aber im Vergleich zu anderen Farben ungenügend wischbeständig.

 

Leimfarben enthalten ebenfalls keine Schadstoffe und sind preisgünstig. Sie weisen eine gute Deckfähigkeit auf, sind wasserdampfdurchlässig, wisch- – aber nicht waschfest.

 

Zum Streichen von Holzwerk im Innenbereich können Lackfarben verwendet werden. Auf Kunstharz- oder Ölbasis enthalten die Farben aber oft Lösungsmittel, was mit unangenehmen Gerüchen verbunden sein kann. Für Holz sind auch offenporige Holzschutzglasurfarben geeignet. Die Struktur des Holzes bleibt dabei gut sichtbar, die Atmungsfähigkeit ist gegeben.

 

Keine Lösungsmittel für die Stube
Vor allem im Innenbereich sollten heute keine Anstriche mehr mit Lösungsmitteln verwendet werden – aus gesundheitlichen und ökologischen Gründen. Lösemittelfreie oder zumindest lösemittelarme Farben – zum Beispiel auf Wasserbasis – sind heute für alle Anwendungen erhältlich.

 

Bei der Wahl des geeigneten Anstrichs geht es jedoch nicht allein um die stofflichen Eigenschaften eines Anstrichmittels. Der Farbton, der Glanzgrad und dekorative Elemente prägen den äusseren Eindruck. Wie stark Farben zum Wohnerlebnis beitragen, hängt davon ab, wie sie mit den Räumlichkeiten und dem Tageslicht zusammenspielen.

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© Beobachter Ausgabe 9 vom 28. Apr 2000 - Alle Rechte vorbehalten

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