Fitnesstrends: Trainieren ist heutzutage ein dehnbarer Begriff

Text:
  • Udo Theiss
Ausgabe:
9/02

Bewegte Zeiten für Fitnessbewusste: Immer neue Trainingsmethoden versprechen den ultimativen Leistungskick. Dabei kann man mit ganz simplen Aktivitäten seinen Körper in Schwung bringen.

Was darf es denn 2003 sein? Tae Bo, Aquarobics, Body Balance? Oder lieber Core Board, Chi Ball, Box-out? Wenn auch dies nicht passt, gibt es noch Body Attack und Thairobic. Der Laie versteht nur Bahnhof. Wer körperlich aktiv werden will, muss sich zuerst einmal durch einen immer unübersichtlicher werdenden Dschungel von Fitnesstrends hindurchkämpfen.

Gross im Kommen sind zurzeit Trainingsmethoden, die Kraft, Beweglichkeit und Kondition kombinieren – zum Beispiel durch die Vermischung von Kampfsport und Tanz. Andere Fitnessprogramme liefern mit fernöstlichen Techniken gleich noch Entspannungselemente mit.

Perfekten Trend gibt es nicht

Ole Petersen, Geschäftsführer der Beratungsfirma Check-up in Winterthur, hält wenig von solchen Trends. «Zu einem gesunden Leben gehören reichlich Bewegung, die richtige Ernährung und Entspannung. Es ist doch absurd, wenn wir mittags vor dem Computer ein Sandwich runterschlingen, damit wir abends Zeit für eine hektische Trainingsstunde und Entspannungsübungen haben.» Im einstündigen High-Impact-Training zum Beispiel, das gleichzeitig Kraft, Kondition und Beweglichkeit verbessern soll, sieht Petersen mehr eine «ungesunde Zeiterscheinung» als ein ausgewogenes Programm: «Wer sich fit halten will, sollte die Bewegung in den Alltag integrieren.»

Auch Brian Martin, Leiter Gesundheitsförderung am Sportwissenschaftlichen Institut in Magglingen, ist überzeugt, dass es den «perfekten Fitnesstrend» nicht gibt. «Das Positive an solchen Moden ist immerhin, dass es praktisch für jedes Bedürfnis ein Angebot gibt. Trotzdem aber nimmt die Zahl der inaktiven Menschen zu.» Rund ein Drittel der Menschen in der Schweiz bewegt sich kaum oder gar nicht, «weil Infrastruktur, Transportmittel und Kommunikationstechnologie uns auch die kleinsten Wege ersparen», sagt Martin. «Heute muss man ja nicht mal mehr zum Postschalter laufen.»

Am Anfang nicht Überfordern

Dabei zeigen Studien, dass Bewegungsmangel jedes Jahr mindestens 2000 Todesfälle und rund 1,4 Millionen Erkrankungen verursacht. Deren Behandlungskosten machen zirka zehn Prozent der Ausgaben in der obligatorischen Grundversicherung aus. Umgekehrt zeigen die Erhebungen, dass regelmässige Bewegung mindestens 3300 Todesfälle und 2,3 Millionen Erkrankungen pro Jahr verhindern kann.

Um Bewegungsmuffel auf Trab zu bringen, sind viele der neuen Fitnessmethoden jedoch wenig geeignet. «Sie können sogar gefährlich werden, da sich viele zu Beginn überfordern», warnt Ellen Leister, Dozentin an der Eidgenössischen Fachhochschule für Sport in Magglingen. «Man kann nicht mit einer Stunde Training in der Woche sieben Tage Inaktivität kompensieren.» Deshalb empfiehlt sie, sich zuerst eine gewisse Grundkondition und Beweglichkeit anzutrainieren – und neben der Fitnessstunde regelmässig schwimmen zu gehen, zu spazieren und Treppen zu steigen (siehe Nebenartikel «Alltagsaktivitäten: So kommen Bewegungsmuffel in Form»).

Auch für Paul Eigenmann, Fachmann für Qualitätssicherung in Fitnesscentern, sind die meisten Trends bloss Verkaufsgags. Mehr Sinn sieht er in Angeboten, die sich an ausgewählte Bevölkerungsgruppen richten – an Leute mit Rückenbeschwerden, Übergewicht oder Altersdiabetes: «Immer mehr Menschen leben immer länger. Trendangebote wie Tae Bo oder Thairobic richten sich aber, wie einst Aerobic, an gesunde 20- bis 35-Jährige.»

Weitere Infos

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Liste aller Parcours und Übungen sowie weitere Tipps:

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Bewegungsempfehlungen zum Runterladen und viel Grundlagenmaterial:

www.hepa.ch

© Beobachter Ausgabe 9 vom 30. Apr 2002 - Alle Rechte vorbehalten

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