Geldanlage: Obligationen sind wieder salonfähig
Die Geldmarktzinsen steigen. Die Folge: Die Aktienkurse stagnieren – Obligationen werden wieder attraktiver. Doch Vorsicht! Je nach Anlagetyp bergen auch die Firmen- und Staatsanleihen Risiken.

Nebenartikel
Unter Anlegern sind Aktien derzeit das dominierende Thema. Kein Wunder, denn mit diesen Wertpapieren konnte man in den letzten Jahren viel Geld verdienen. Kaum jemand redet hingegen über Obligationen, auch Anleihen oder Schuldverschreibungen genannt. Dabei gewinnen Obligationen aus der Schweiz, aus Europa vor allem Deutschland und den USA auf den jetzigen Zinsniveaus und bei der allgemeinen Unsicherheit mit Aktien wieder an Bedeutung.
Kassenoblis: Kalkulierbare Anlage
Doch Obligation ist nicht gleich Obligation: Formen, Risiken und steuerliche Behandlung variieren. Bei den Schweizer Kassenobligationen zum Beispiel erhält der Anleger über einen gewissen Zeitraum einen festen Zinssatz. Kauf- und Rückzahlungskurs am Ende der Laufzeit liegen immer bei 100 Prozent.
Je länger die Laufzeit, desto höher ist in der Regel auch die Verzinsung. Die Laufzeiten sind unterschiedlich und können bei den Banken erfragt werden. Derzeit erhält man zum Beispiel bei acht Jahren Laufzeit Zinsen zwischen 4 und 4,25 Prozent. Bei zwei bis drei Jahren liegt der Zinssatz zwischen 3,5 und 3,75 Prozent.
Vor Ende der Laufzeit kann die Obligation nicht verkauft werden. Bei Kassenobligationen wird von den Zinserträgen eine Verrechnungssteuer von 35 Prozent abgezogen, die aber über die Steuererklärung zurückerstattet wird.
Vorteile: keine Kursschwankungen, genaue Kalkulierbarkeit der Einnahmen durch festen Zinssatz über eine bestimmte Laufzeit.
Nachteile: Vor Ablauf der Laufzeit kann die Obligation nicht verkauft werden.
Risiko: sehr gering.
Zielgruppe: in der Regel geeignet für konservative Privatanleger (Kleinanleger) und für Leute, die ihre Einnahmen gut kalkulieren müssen, keine Kursschwankungen wünschen und über wenig Vermögen verfügen.
Klassische Anleihen sind riskanter
Anlegerinnen und Anleger erhalten bei Unternehmens- und Staatsanleihen über einen gewissen Zeitraum einen festen Zinssatz. Der Kurs wird unterschiedlich festgelegt. Aus diesen Komponenten ergibt sich dann die Rendite.
Der Sparer hat zwei Möglichkeiten zum Kauf von Obligationen: Entweder er kauft Obligationen, die es bereits gibt und die gehandelt werden, oder er kauft «neue» Anleihen, die gerade herausgegeben werden. Unter der Voraussetzung, dass die Obligationen bis zum Laufzeitende im Depot verbleiben, gelten bei bereits gehandelten Obligationen folgende Gesetzmässigkeiten:
- Bei steigenden Geldmarktzinsen in diesem Trend befinden wir uns derzeit fallen in der Regel die Obligationenkurse, das heisst, die Kaufkurse liegen meist unter dem Rückzahlungskurs von 100 Prozent. Die Renditen steigen, da der Anleger am Ende der Laufzeit einen Kursgewinn einstreicht. Der Zinssatz bleibt während der Laufzeit gleich.
- Bei fallenden Geldmarktzinsen steigen in der Regel die Obligationenkurse, die Kaufkurse liegen meist über dem Rückzahlungskurs von 100 Prozent. Die Renditen sinken, da der Anleger am Ende der Laufzeit einen Kursverlust erleidet. Der Zinssatz ist auch hier gleich.
Bei «neuen» Obligationen liegt der Anleihenkurs meist in der Nähe von 100 Prozent. Auch hier ist der Zinssatz immer gleich. Im Gegensatz zu Kassenobligationen können Firmen- und Regierungsanleihen auch während der Laufzeit verkauft werden. Für den Anleger gibt es nebst dem Kursrisiko auch Gefahren bei der Währung (Fremdwährungsanleihen) und beim Anlagetyp.
Investiert man zum Beispiel in Obligationen aus «Schwellenländern» wie Lateinamerika, Asien, Afrika oder Osteuropa, müssen höhere Risiken eingegangen werden beispielsweise markante Kurs- und Währungsverluste. Es können sogar Totalverluste auftreten, wenn die Regierung oder die Firma die Anleihe nicht zurückzahlen kann.
Wie bei Aktien gilt auch bei Obligationen: Höhere Renditen müssen durch höhere Risiken erkauft werden. Bei Anleihen aus Europa und Amerika trägt der Anleger vor allem das Währungsrisiko.
Bei inländischen Unternehmens- und Regierungsanleihen werden wie bei Kassenobligationen 35 Prozent Verrechnungssteuern abgezogen. Diese können vom Steueramt zurückgefordert werden.
Bei ausländischen Firmen- und Staatsanleihen, die auf Schweizer Franken oder auf fremde Währungen lauten, ist die Besteuerung je nach Doppelbesteuerungsabkommen unterschiedlich. Man sollte dies vor dem Kauf bei der Bank oder bei der örtlichen Steuerbehörde abklären.
Vorteile: genaue Kalkulierbarkeit der Einnahmen durch festen Zinssatz über eine bestimmte Laufzeit; gegenüber Fonds hat man nur Einmalkosten (vorausgesetzt, man lässt die Obligationen bis zum Ende der Laufzeit im Depot).
Nachteile: je nach Risikoklasse geringe bis hohe Kursschwankungen, Währungsrisiken bei Fremdwährungsanleihen, je nach Anlagebetrag im Gegensatz zu Fonds relativ hohe Kaufgebühren.
Risiko: gering bei Investitionen in den USA und in Europa, höher bei Anlagen in Schwellenländern.
Zielgruppe: Privatanleger, institutionelle Anleger und Fondsgesellschaften.
Fonds: Alternative für Vorsichtige
Anleger, die keine Zeit haben, sich aus den vielen Firmen- und Regierungsanleihen das Passende auszusuchen, können in einen der weltweiten Obligationenfonds investieren. Wie bei den einzelnen Obligationen gibt es auch bei Fonds geringere und höhere Risikostufen.
Eine weitere Möglichkeit, Anlagen in Obligationen zu tätigen, sind die so genannten gemischten Fonds oder Anlagestrategiefonds (Aktien und Obligationen). Diese enthalten in unterschiedlicher Prozenthöhe mehr oder weniger Obligationen. Der Rest wird in Aktien investiert. Der Anleger kann bei dieser Fondsvariante die Risiken ausbalancieren und einen Mittelweg zwischen den riskanteren Aktienfonds und den sichereren Obligationenfonds einschlagen. Bei grossen Anlagebeträgen sollte das Depot aus verschiedenen Fonds bestehen.
Obligationenfonds können Erträge ausschütten oder reinvestieren. Die ausschüttenden Fonds sind meist mit einem A gekennzeichnet, die anderen mit einem B.
Die Besteuerung der Anlagefonds ist sehr unterschiedlich. Sie hängt von der Art des Fonds und vom jeweiligen Kanton ab. Am besten fragen Sie bei der Fondsgesellschaft oder beim Steueramt nach.
Vorteile: breite Streuung der Einzelanlagen von Obligationen; die Risiken sind besser verteilt und somit geringer; beim Kauf für Kleinanleger kostengünstiger.
Nachteile: je nach Risikoprofil des Fonds Kursschwankungen und Währungsrisiken.
Risiko: Es gibt geringe (Investitionen in den USA und in Europa) und hohe Risiken (Schwellenländer).
Zielgruppe: in der Regel Privatanleger, auch für institutionelle Anleger geeignet.
In der Schweiz, in Europa und den USA steigen die Zinsen wieder. Deshalb sind auch die Obligationen wieder attraktiver. Für Schweizer Anleger sind momentan wegen des günstigen Kursverhältnisses zum Euro vor allem Obligationen zumindest für einen Teil der Anlagen in Euro interessant. Wichtig ist es, die Geldreserven richtig zu dosieren. Vernünftig sind derzeit 20 bis 30 Prozent der Geldanlagen. Dank Bargeldreserven kann auf die weitere Entwicklung reagiert werden. Egal, wie sich die Zinsen verändern man bleibt so in einer günstigen Ausgangsposition:
- Falls die Zinsen auch weiterhin steigen, können Obligationen und Kassenobligationen mit höheren Verzinsungen gekauft werden.
- Stagnieren die Zinsen, kann man Aktien zukaufen oder weiter abwarten.
- Fallen die Zinsen, kann der Anleger wieder mehr Aktien kaufen.
© Beobachter Ausgabe 14 vom 07. Jul 2000 - Alle Rechte vorbehalten









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