Gesundheitslobby: Die Krankenkassen machen Druck
Pharmaindustrie und Ärzteschaft erhalten Konkurrenz: Seit dem 1. Juli lobbyieren auch die Krankenkassen aktiv in Bern.
Die Ärzteschaft und die Pharmaindustrie ziehen längst ihre Fäden in Bern: Gewiefte Lobbyisten sorgen in Kommissionen und in der Wandelhalle des Bundeshauses dafür, dass ihre Anliegen bei politischen Entscheiden gebührend berücksichtigt werden.
Weniger gut organisiert waren bisher die Krankenkassen. Nachdem ihr eifrigster Lobbyist, Albrecht Rychen, bei den Wahlen im letzten Herbst wegen des Visana-Debakels aus dem Nationalrat gekippt wurde, müssen nun neue Interessenvertreter her. Deshalb hat das Konkordat der Krankenversicherer (KSK) am 1. Juli in Bern ein neues Büro für politische Lobbyarbeit eröffnet. Als Lobbyist im Hintergrund wirkt der bisherige KSK-Pressechef Walter Frei. Vor den Kulissen legt sich der Bündner SVP-Ständerat Christoffel Brändli für die Kassen ins Zeug. Ihn hat das KSK zum neuen Präsidenten gewählt.
«Es ist Zeit, dass wir uns in Bern stärker bemerkbar machen», sagt KSK-Präsident Marc-Andre Giger. Die beiden Lobbyisten wollen die Politikerinnen und Politiker von den Ideen der Krankenkassen überzeugen – etwa von der Abschaffung der freien Arztwahl.
Der Beobachter bezieht zwar kein Büro in Bern. Aber er wird weiterhin ein Auge darauf werfen, dass bei so viel Gesundheitslobby die Patienteninteressen nicht auf der Strecke bleiben.
© Beobachter Ausgabe 14 vom 07. Jul 2000 - Alle Rechte vorbehalten









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