Hausfinanzierung: Eine schwere Hypothek
Die St. Galler Firma Home Promotion gibt vor, Hauskäufern bei der Finanzierung zu helfen. In Tat und Wahrheit will sie jedoch eine britische Fondspolice verkaufen.

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Wer ein Haus kauft, muss normalerweise 20 Prozent des Preises durch eigene Mittel finanzieren, sonst gewährt die Bank keine Hypothek. Sind die Ersparnisse weg, bringen sie auch keinen Zins mehr. Umso verlockender klingt daher das Versprechen der St. Galler Firma Home Promotion AG: «Bei uns arbeitet das Eigenkapital nicht für die Bank, sondern für den Kunden.»
Royals als Aushängeschild
So funktionierts: Anstatt 20 Prozent zu finanzieren, sollen Hauskäufer ihr Geld in eine Fondspolice der britischen Clerical Medical Investment (CMI) einzahlen. Das ist einerseits eine Geldanlage, die eine jährliche Zinsgarantie von vier Prozent verspricht. Anderseits ist es eine Lebensversicherung. Das habe «Hand und Fuss», versichert Home Promotion, denn hinter CMI soll das britische Königshaus stehen.
Ihre Kunden findet Home Promotion durch Immobilienmakler und Treuhandbüros. Mitunter meldet sich Home Promotion auch bei Leuten, die eine Liegenschaft per Inserat ausschreiben. Das Angebot: Man werde den potenziellen Käufern gern bei der Finanzierung helfen.
Das Angebot tönt super: «Clerical Medical gehört zur Halifax-Gruppe und ist weltweit einer der grössten Vermögensverwalter. Die UBS ist dagegen ein kleiner Fisch!», sagt Thomas Angerer. Er ist gelernter Flugzeugmechaniker und Aussendienstmitarbeiter von Home Promotion. Das britische Wertpapier werde von den Banken als sehr hohe Sicherheit anerkannt. Ausserdem arbeite seine Firma mit allen Banken zusammen, auch mit den Raiffeisen- und Kantonalbanken, sagt Angerer.
Merkwürdig nur: «Die Firma Home Promotion kennen wir nicht», sagt Claudio Müller, Leiter Finanzierungen Privatkunden bei der Zürcher Kantonalbank. Und auch Adrian Stiffler vom Schweizerischen Verband der Raiffeisenbanken meint: «Von Home Promotion haben wir noch nie etwas gehört.»
Mit der britischen Fondspolice als Sicherheit, so glaubt Thomas Angerer, würden die Banken einem Kunden bis zu 90 Prozent des Kaufpreises mit einer Hypothek finanzieren verzinsen müsse der Kunde dann aber nur 80 Prozent. Als ob die Banken Kredite neuerdings gratis zur Verfügung stellen würden. Ob so vieler Halbwahrheiten können Fachleute bloss den Kopf schütteln: «Dieses Angebot ist Quacksalberei», meint der Hypotheken- und Finanzierungsspezialist Werner Egli. Bei einem Hauskauf finanziere die Bank üblicherweise 80 Prozent des Preises, die restlichen 20 Prozent gingen meist direkt an den Verkäufer. «Der Verkäufer will das Geld aber bar. Da nützt eine britische Fondspolice nichts», betont Egli.
Reihenweise Ungereimtheiten
Hellhörig macht auch die Art, wie Home Promotion den Kauf des britischen Wertpapiers abschliessen will: Man müsse «rasch nach Österreich fahren», eröffnet Angerer dem verdutzten Beobachter-Testkunden. Grund: Home Promotion ist weder anerkannter Vertriebspartner von Clerical Medical, noch sind deren Produkte für die Schweiz zugelassen. Doch Thomas Angerer winkt ab: Man sei gerade daran, mit Hilfe eines «Ex-Ständerats» die entsprechenden Zulassungen zu bekommen. Edith Angerer, Geschäftsführerin und Mutter von Thomas Angerer, meint dazu: «Die Abklärungen beim Bundesamt für Privatversicherungen sind noch im Gang. Deshalb schliessen wir den Vertrag mit den Kunden stets im Ausland ab.»
Das spielt allerdings gar keine Rolle; entscheidend ist vielmehr, ob der Kunde seinen Wohnsitz in der Schweiz hat. Peter Streit vom Bundesamt für Privatversicherungen: «Clerical Medical hat für die Schweiz keine Betriebsbewilligung. Insofern ist es Vermittlern nicht gestattet, diese Police zu verkaufen.»
© Beobachter Ausgabe 15 vom 26. Jul 2002 - Alle Rechte vorbehalten









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