Heilpflanzen droht Unheil

Text:
  • Maja Bosshart
Ausgabe:
5/03

Zurück zur Natur – mit dem Trend schaden Medizin und Kosmetik geschützten Pflanzen: Ihr Aussterben wird beschleunigt.

Ausgerechnet die sanfte Medizin fördert das Artensterben. Schuld daran ist der Erfolg der pflanzlichen Produkte. Ihr Umsatz hat sich laut deutschen Studien in den neunziger Jahren verzehnfacht, aktuelle Zahlen zur Schweiz fehlen. Laut dem WWF enthält jede vierte Arznei pflanzliche Substanzen. «In der Schönheitsbranche sieht es ähnlich aus», sagt Hanspeter Steidle von der Kosmetikfirma Biokosma, «immer mehr Pflanzenextrakte werden für Kosmetika eingesetzt.»

Für ein einziges Kilogramm Sonnentau, der als Wirkstoff gegen Bronchitis eingesetzt wird, müssen rund 16000 der geschützten Pflänzchen verarbeitet werden. Wegen der wachsenden Nachfrage sind heute rund 10000 Pflanzenarten vom Aussterben bedroht, warnt die Weltnaturschutzunion IUCN. Zirka 80 Prozent der am häufigsten verwendeten Heilpflanzenarten werden nach Angaben des WWF wild gesammelt. Der Rest stammt von Plantagen.

Mit einer weltweiten Initiative setzt sich der WWF für einen besseren Schutz der Heilpflanzen ein. Auch in der Schweiz ist das Problem erkannt. Derzeit wird ein Katalog der geschützten Pflanzen erstellt. Eine einheitliche Schutzpraxis existiert nicht: Was in einem Kanton gehegt und gepflegt wird, darf im anderen gepflückt werden.

© Beobachter Ausgabe 5 vom 07. Mär 2003 - Alle Rechte vorbehalten

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