Hühneraugen: Plagegeister, die unter die Haut gehen

Text:
  • Stefan Demuth
  •  und Urs Rauber
Ausgabe:
19/99

Hühneraugen und Warzen machen jeden Schritt zur Qual. Doch die Hautwucherungen sind meist harmlos und lassen sich durch Pflaster und Tinkturen rasch entfernen.

Kommst du endlich? Wir müssen noch ins Musee d’Orsay und ins Rodin-Museum!» Elisabeth verliert langsam, aber sicher die Geduld. Ehemann Heiner entpuppt sich als «lahme Ente» – und das ausgerechnet während der lange herbeigesehnten Ferien in Paris. Immer wieder will er sich hinsetzen und die Schuhe ausziehen. Dabei gäbe es so viel zu sehen! Und dann diese ewigen Klagen: «Ich kann nicht mehr weiter. Mein Hühnerauge tut so weh.» Jetzt hat man endlich mal ein paar freie Tage, und Heiner jammert wegen eines Hühnerauges! Elisabeths Stimmung ist am Tiefpunkt.

Doch sie sollte mehr Geduld mit ihrem Mann haben; er ist kein wehleidiger Spielverderber. Mit einem entzündeten Hühnerauge oder einer Dornwarze am Fuss ist es schon mühsam, vom Wohnzimmer in die Küche zu kommen. Ganz zu schweigen von längeren Fussmärschen.

Das einzige garantiert wirksame Rezept gegen die Fussschmerzen ist einfach, macht aber jeden Plan eines gemütlichen Stadtbummels vorzeitig zunichte: Schuhe ausziehen und die Füsse schonen.

Zu enge Schuhe ausziehen
Hühneraugen sind Hornhautverdickungen, die zapfenförmig unter die Haut wachsen. Wenn dann auf das Hühnerauge gedrückt wird, lösen dessen «Wurzeln» starke Schmerzen aus.

Hühneraugen entstehen vor allem durch zu enge oder schlecht sitzende Schuhe. Liegt unter der Druckstelle ein Knochen, reagiert die Haut mit verstärkter Hornhautbildung, aus der sich mit der Zeit ein Hühnerauge bildet.

Eine typische Hühneraugenstelle ist die Oberseite des kleinen Zehs. Die erste Vorbeugungsregel lautet deshalb: offene oder zumindest gut sitzende, bequeme Schuhe tragen. Tabu sind Schuhe mit hohen Absätzen. Wichtig ist auch regelmässige Fusspflege – zum Beispiel das Eincremen der Füsse.

Ist ein Hühnerauge erst einmal gewachsen, wird jeder Gang zur unerträglichen Qual. Linderung verschafft ein ringförmiges Pflaster. Es wird um das Hühnerauge herumgeklebt und schützt die schmerzende Stelle vor Druckbelastung.

Hilfreich sind auch Tinkturen oder Pflaster mit Salicylsäure: Sie weichen das Hühnerauge auf, sodass man es nach einiger Zeit leicht ablösen kann. Allerdings empfiehlt es sich, die umgebenden Hautpartien mit einer fetthaltigen Creme vor den hautreizenden Substanzen zu schützen.

Naturheilkundler beschreiten einen sanfteren Weg: Teebaumöl und Apfelessig zum Beispiel fördern die Aufweichung der Hornhautverdickungen.

Im Notfall wird operiert
Schlägt die Selbsthilfe mit Pflastern und Tinkturen fehl, kommt der Arzt zum Zug. Auch wer über 45-jährig ist, sollte seine Hühneraugen vom Arzt behandeln lassen. Unter örtlicher Betäubung wird die störende Hornhaut – und unter Umständen auch das darunter liegende Knochenstück – entfernt. Ein solcher Eingriff lindert die Beschwerden rasch. Trotzdem sollte man weiterhin die Füsse pflegen und bequeme Schuhe tragen.

Ebenso hartnäckig wie Hühneraugen, aber zum Glück weniger schmerzhaft sind Warzen. Diese gutartigen Hautwucherungen werden durch verschiedene Papillomaviren hervorgerufen, die über kleine Verletzungen in die Haut eindringen.

Die Ubertragung der Viren erfolgt in der Regel durch Hautkontakt. Deshalb sollte man die Warzen nicht berühren. Auch virusbehaftete Hautschuppen auf Turnhallenböden und in Schwimmbädern können die Viren übertragen.

Die herkömmlichen Warzen (Verrucae vulgares) kommen hauptsächlich an den Händen, im Gesicht und am Hals vor. Im Gegensatz dazu besiedeln Dornwarzen (Verrucae plantares) die Fusssohlen. Ähnlich wie Hühneraugen wachsen sie in die Tiefe der Haut und bilden einen harten Hornpfropf, der beim Gehen stechende Schmerzen verursachen kann.

Feig- oder Feuchtwarzen (Condylomata) werden durch sexuellen Kontakt übertragen. Sie bilden an den Geschlechtsorganen und in der Afterregion rosafarbene Wucherungen. Von bestimmten Feigwarzenformen weiss man, dass sie die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs fördern. Feigwarzen sollte man deshalb unbedingt vom Arzt abklären lassen.

Nicht an Warzen herumschneiden!
Bei Kindern bilden sich Warzen nach einiger Zeit meist von allein zurück. Will man selbst gegen Warzen vorgehen, stehen Warzenmittel als Pflaster oder Lösung zur Verfügung, die die einzelnen Schichten der Warze langsam auflösen. Die Substanzen dürfen auf keinen Fall mit gesundem Hautgewebe in Berührung kommen. Auch im Gesicht oder an den Schleimhäuten haben sie nichts zu suchen.

Auch die Homöopathie und die Naturheilkunde halten ein reichliches Angebot an unterschiedlichen Warzenmitteln bereit. Besonders wirksam ist Schöllkrautextrakt oder -saft.

Auf jeden Fall gilt: nicht eigenhändig an Warzen herumschneiden! Denn durch unsachgemässes Hantieren verschleppt man die Viren: Unter Umständen breiten sich die Warzen dann auf andere Körperstellen aus.

Helfen alle Mittel nicht, bleibt nur noch der Weg zum Arzt. Je nach Warzenart werden die Wucherungen mit Kälte, Laser oder Skalpell entfernt.


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© Beobachter Ausgabe 19 vom 17. Sep 1999 - Alle Rechte vorbehalten

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