Immobilienerwerb: Haus oder Wohnung?

Ausgabe:
9/00

Eigentumswohnungen haben Konjunktur: Drei Viertel aller Neubauten sind Wohnungen im Stockwerkeigentum – mit gewissen Vor- und Nachteilen.

Für die grosse Nachfrage nach Eigentumswohnungen gibt es ökologische und ökonomische Gründe. Eigentumswohnungen verbrauchen deutlich weniger Bauland als ein traditionelles Einfamilienhaus. Da Bauland vor allem an begehrten Lagen teuer ist, sind Eigentumswohnungen meist deutlich preiswerter als Häuser. Vor allem in städtischen Agglomerationen spielt das Stockwerkeigentum als Form verdichteten Bauens eine grosse Rolle.

«Schon aus finanziellen Gründen ist das Stockwerkeigentum die Wohneigentumsform der Zukunft», sagt Werner Romang, Präsident des Schweizerischen Vereins für Stockwerkeigentum. Ein weiteres Plus ist die breite Auswahl: Die Palette reicht von der Kleinwohnung über die Durchschnittseinheit bis zum Luxusobjekt und zu Loft in ausrangierten Fabrikhallen. Bei einer Eigentumswohnung kommen auf den Besitzer weniger Verpflichtungen rund ums Haus zu. Die Pflege des eigenen Gartens entfällt; man kann kurzfristig verreisen, ohne sich darum zu sorgen, wer zum Garten schaut. Bei Eigentumswohnungen ist die Betreuung der Liegenschaft, auch die Organisation von Unterhalt und Erneuerungen, häufig einer professionellen Verwaltung anvertraut.

Diese Wohnform bedeutet aber auch, dass die Gemeinschaft der Stockwerkeigentümer zusammen eine Verantwortung trägt und gemeinschaftliche Entscheide zu fällen hat. Der Besitzer einer Eigentumswohnung muss einerseits mit dieser Gemeinschaft klar kommen, andererseits im Alltag eine Portion toleranter und «sozialer» sein als jemand, der in seinem Häuschen allein Herr und Meister ist. Die gemeinschaftlich genutzten Räume, das Treppenhaus, die Waschküche, der Veloraum, die Besucherparkplätze oder der Garten bergen oft ein gewisses Konfliktpotenzial.

Liegenschaftskäufer, denen bereits ein Grillfest auf des Nachbarn Terrasse oder ein Spielplatz im Vorgarten sauer aufstossen, sollten daher wohl besser das freistehende Haus im Grünen vorziehen.

© Beobachter Ausgabe 9 vom 28. Apr 2000 - Alle Rechte vorbehalten

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