Internet-Abc für Patienten

Text:
  • Urs Zanoni
Ausgabe:
18/00

Viele Ärzte zucken zusammen, wenn Patienten sie mit Informationen aus dem Internet konfrontieren. Doch wie sage ich es dem Arzt, ohne ihn zu beleidigen? Ein Internet-Knigge für «informierte Patienten».

Das Internet trägt wesentlich zu einer neuen Arzt-Patienten-Beziehung bei: Hatte der Arzt bisher eine klare Führungsrolle, zwingt ihn der «informierte Patient» zu mehr Dialog. Viele Ärzte tun sich schwer damit – umso mehr, als viele noch unerfahren sind im Umgang mit dem Internet. Zudem ist die Medizin heute so komplex, dass kein Arzt mehr auf allen Gebieten gleich gut informiert sein kann. Wie sage ich es also meinem Arzt? Gunther Eysenbach, Leiter der Forschungsgruppe Cybermedizin an der Universitätsklinik Heidelberg, gibt folgende Verhaltenstipps:

 

  • Wenn Sie nur eine einfache Frage haben, bringen Sie keinen Internetausdruck mit in die Praxis. Sprechen Sie den Arzt mit den Worten an: «Ich habe gelesen, dass…» Wenn er Sie fragt, woher Sie das haben, sagen Sie ihm die Wahrheit.

  • Wenn Sie einen Internetausdruck mitbringen, treten Sie nicht zu forsch auf. Geben Sie dem Arzt die Möglichkeit, sich mit dem (neuen) Sachverhalt vertraut zu machen. Sprechen Sie ihn beim nächsten Besuch wieder darauf an.

  • Es gibt grosse Unterschiede zwischen den Gesundheitssystemen. Vieles, was Sie im Internet finden, lässt sich nicht oder nur schwer auf die hiesigen Verhältnisse übertragen. Medizin wird in den USA anders praktiziert als in Mitteleuropa (mehr Technik), in Mitteleuropa anders als in Asien (mehr Schul-, weniger Komplementärmedizin).

  • Hüten Sie sich vor überhöhten Erwartungen. Viele Erfolgsmeldungen im Internet sind nur unter ganz bestimmten Bedingungen zustandegekommen – oder es sind ganz einfach Lügen.

  • Vertrauen ist die Basis jeder Arzt-Patienten-Beziehung. Wechseln Sie den Arzt, wenn Sie das Vertrauen verloren haben.

© Beobachter Ausgabe 18 vom 03. Sep 2000 - Alle Rechte vorbehalten

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