Internetbetrug: Real ist nur das abkassierte Geld
In mehreren Schweizer Kantonen ermittelt die Polizei gegen eine Betrügerbande, die mit fiktiven Computerangeboten im grossen Stil abkassierte.

So schützen Sie sich gegen Betrüger im Internet
Die Masche ist uralt: Man biete eine Dienstleistung oder ein Produkt an und verlange dafür eine Vorauszahlung. Geliefert wird selbstverständlich nie, und wenn die Geprellten ihr Geld zurückhaben wollen, sind die Gauner längst über alle Berge. Im Fachjargon nennt sich das Vorleistungsbetrug.
Die Sache funktioniert auch im Internet bestens, wie ein soeben aufgeflogener Fall zeigt: Via einen amerikanischen Internetprovider bot die Firma «Farlow Computers Ltd., Niederlassung Schweiz», Computer zu «konkurrenzlosen Preisen» an. Da war etwa ein Intel-366-MHz-Rechner inklusive 17-Zoll-Monitor für sage und schreibe 799 Franken zu haben.
Ware nur gegen Vorauszahlung
Bestellen konnte man über eine Telefon- und eine Faxnummer mit Basler Vorwahl sowie per E-Mail. An Neukunden, so lauteten die Lieferbedingungen im Internet, werde «ausschliesslich gegen Vorkasse» (Check, Kreditkarte oder Vorabüberweisung per Post) geliefert.
Als Firmendomizil gab die «Farlow Computers Ltd.» die Birsigstrasse 2 in Basel an. Ausserdem verkündete die Internetwerbung, dass die Firma in Kürze eigene Shops in Basel, Zürich und Genf eröffnen werde. Bis dahin könne leider nur per Versand geliefert werden. Zusätzlich zur Produktegarantie bot die Farlow eine «Geld-zurück-Garantie» bei Rücksendung der bestellten Ware innert zehn Tagen.
Das alles erweckte insgesamt einen recht seriösen Eindruck. Nur wer sich etwas genauer erkundigte, stiess auf allerhand Merkwürdigkeiten. So ist im Handelsregister keine Firma namens «Farlow Computers Ltd.» eingetragen. Auch die angegebenen Telefon- und Faxnummern führen zu keiner greifbaren Adresse. Die E-Mails wiederum landen auf einem Gratiskonto bei Blue Window und werden von dort aus an einen anderen Server irgendwo im Cyberspace umgeleitet.
Bleibt die Birsigstrasse 2 in Basel, wo der internationale Büroservicekonzern World-Wide Business Centers AG (WWBC) Büros und Sekretariatsdienstleistungen anbietet. «Die Firma Farlow hat sich per Fax aus den USA für unser Angebot interessiert», bestätigt eine Sprecherin von WWBC. «Wir haben daraufhin unsere Unterlagen und Blankoverträge zur Unterschrift geschickt. Ein Vertrag ist jedoch nie zustande gekommen.»
Basler Domizil existiert nicht
Umso erstaunter war man bei WWBC, als plötzlich die Adresse Birsigstrasse 2 im Internet und in den Werbemails auftauchte. «Farlow hat unsere Adresse missbraucht», sagt die WWBC-Sprecherin. Zudem gingen bei ihrer Firma die ersten besorgten Anrufe von Farlow-Kunden ein, die bezahlt, aber keinen Computer erhalten hatten. «Mittlerweile klingelt das Telefon den ganzen Tag, nicht nur in der Zentrale, sondern in allen Büros im Haus.»
Der Schaden ist enorm
WWBC erstattete in Basel Anzeige gegen Unbekannt. «Auch wir wissen nicht, wer hinter Farlow steckt», erklärt eine Polizistin, «die angegebene Adresse in den USA ist ebenfalls ein Pseudonym.» Alexandra Maier, Sprecherin der Basler Staatsanwaltschaft, bestätigt den Eingang von mehreren Strafanzeigen wegen Betrugs: «Inzwischen wissen wir, dass in der ganzen Schweiz Dutzende von weiteren Anzeigen eingegangen sind. Die Polizei ist in mehreren Kantonen am Ermitteln.»
Welcher Kanton das Strafverfahren gegen die Betrügerbande übernehmen wird, steht zurzeit noch nicht fest. Klar ist nur, dass die Betrüger – trotz Basler Scheinadresse – nicht vom Rheinknie aus im Internet agierten. Alexandra Maier befürchtet, dass der angerichtete Schaden allein in der Schweiz Hunderttausende von Franken beträgt – von «Geschädigten im Ausland ganz zu schweigen».
Mittlerweile ist die Gefahr gebannt, zumindest für zukünftige Betrugsopfer: Der amerikanische Provider hat die Farlow-Homepage aus dem Netz gekippt. Auch an die Basler Faxnummer lassen sich keine Bestellungen mehr schicken. Kein Wunder, denn dort, wo die Farlow angeblich ihren Geschäftssitz hat, befindet sich wohl nur noch eine leere Telefonsteckdose.
Um sich vor Betrügern im Internet zu schützen, braucht es keine besonderen EDV-Kenntnisse. Es genügt, die bei solchen Bestellungen übliche Vorsicht walten zu lassen:
- Bestellen Sie nur bei vertrauenswürdigen, bekannten Anbietern. Uberprüfen Sie die angegebenen Adressen und Telefonnummern. Verdächtig macht sich, wer nur über eine dubiose E-Mail-Adresse verfügt.
- Auch Internetanbieter können ein gewisses Preisniveau nicht unterbieten. Extrem billige Discountangebote sind verdächtig.
- Achten Sie auf die Zahlungsart: Nachnahme und Vorauszahlung sind zu meiden. Geben Sie Ihre Kreditkartennummer nur an, wenn die Ubermittlung verschlüsselt möglich ist (angezeigt durch ein Schlosssymbol im Browser).
- Geben Sie einem Anbieter keine persönlichen Daten bekannt, die nichts mit der Bestellung zu tun haben.
© Beobachter Ausgabe 20 vom 01. Okt 1999 - Alle Rechte vorbehalten









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