Investieren: Denken Sie langfristig
Mit Aktien und Anlagefonds das Vermögen richtig aufbauen und verwalten ist keine Kunst wenn man die Spielregeln kennt.

Nebenartikel
Markus Erb, 42, wollte einen Teil seines Sparkontoguthabens besser anlegen und 100000 Franken in einen Anlagefonds investieren. Ein absolut richtiger Entscheid. Doch Markus Erb setzte sein Vorhaben nicht sofort in die Tat um, denn die Börsenkurse schwankten damals, 1995, von Tag zu Tag markant. Verständlicherweise wollte er beim Kauf seines ausgewählten Anlagefonds Swissca Valca den richtigen Zeitpunkt erwischen, das heisst möglichst tiefe Kurse. Und so schob er den Kaufauftrag an seine Bank immer wieder hinaus.
Als Markus Erb nach einem halben Jahr in der Zeitung den Kurs des von ihm ausgewählten Fonds überprüfte, war dieser doch schon zwölf Prozent höher. Eine solche Kursentwicklung in dieser kurzen Zeit konnte in den Augen von Erb nur eines bedeuten: Ein Kurseinbruch war überfällig. Also verschob er den Kauf erneut auf einen späteren Zeitpunkt.
Ende Juni dieses Jahres war der Swissca-Valca-Fonds im Vergleich zum Kurs vor viereinhalb Jahren um sagenhafte 126 Prozent höher. Erb hätte sich die Haare raufen können, denn den Kaufauftrag hatte er seiner Bank nie erteilt. Immerhin wusste er nun: Für Anlagefonds und Langzeitsparer ist es immer der richtige Zeitpunkt, einen Teil des Sparkontovermögens in einen Anlagefonds zu investieren.
Das bestätigte ihm auch die Anlageberaterin seiner Hausbank, die er nun endlich für ein Beratungsgespräch aufsuchte. Mit einigen Prospekten und Finanzbroschüren versehen und gut informiert, investierte er kurz darauf seine 100000 Franken in einen für ihn und seine Risikobereitschaft massgeschneiderten Anlagefonds, der mit einem Aktienanteil von 40 Prozent seinem langfristigen Anlageziel entsprach.
Immerhin verbleiben ihm noch weitere zwanzig Jahre bis zur Pensionierung, und die breite Risikostreuung der Fondsanlagen auf erstklassige Gesellschaften überzeugte ihn. Zudem hatte der von ihm ausgewählte Fonds in den letzten drei Jahren eine Jahresrendite von durchschnittlich 12,8 Prozent erzielt.
Für Anleger und Anlegerinnen ist es nicht einfach, aus den in der Schweiz über 1900 angebotenen Anlagefonds den richtigen herauszupicken.
Das musste auch Doris Weger feststellen. Die junge Frau bezahlte bei einer Allfinanzgesellschaft volle fünf Prozent Kommission, weil ihr erklärt wurde, Fondspicking sei eine Spezialität dieser Gesellschaft. Erst später erfuhr Doris Weger, dass es sich bei dieser Allfinanzgesellschaft um einen Zweipersonenbetrieb handelte, deren Inhaber vor einem Jahr noch als Handwerker tätig waren. Ihre spärlichen Finanzkenntnisse hatten sie in einem Schnellbleicheseminar erworben.
Fragen an den Berater
Das Beispiel zeigt: Die besten Anlaufstellen für einen Fondskauf sind immer noch Banken und Versicherungsgesellschaften. Doch auch dort sollten Anleger Kaufempfehlungen kritisch hinterfragen, denn auch Banken und Versicherungsgesellschaften versuchen primär, ihre eigenen Produkte zu verkaufen. Und diese decken nicht immer zwingend die tatsächlichen Bedürfnisse des Kunden ab.
Einige Punkte und Informationen bei der Fondsauswahl sind entscheidend für den langfristigen Renditeerfolg. Damit Langzeitsparer den richtigen Fonds auswählen, sollten sie ihrem Berater beim Kauf deshalb folgende Fragen stellen:
- Mit welchem Vergleichsindex misst sich der Fonds? Ein Schweizer Aktienfonds misst sich zum Beispiel mit dem SPI (Swiss Performance Index). Gute Fondsmanager erzielen über dem Index liegende Renditen.
- Welche Kursschwankungen waren in den letzten drei Jahren zu verzeichnen? Entwickelten sich der Vergleichsindex oder vergleichbare Anlagefonds anders, sollten Sie hellhörig werden und nach den Gründen fragen.
- Wie gross ist das Fondsvermögen? Bevorzugen Sie Fonds mit einem Vermögen ab 100 Millionen Franken. Ab dieser Grösse ist das langfristige Bestehen des Fonds besser gesichert.
- Wie lange verwaltet der verantwortliche Fondsmanager das Fondsvermögen schon? Kontinuität in der Fondsleitung und gute Leistungen erhöhen die Erfolgschancen des Fonds.
- Wie setzt sich der Fonds zusammen? Das heisst, welche Aktien, Obligationen, Währungen, Branchen oder Länder deckt der Fonds ab. Wer verschiedene Fonds kauft, sollte auf Uberschneidungen achten.
- ¬Welche direkten und indirekten Kosten werden dem Fonds belastet? Erkundigen Sie sich insbesondere nach den Verwaltungskosten. Das ist die Entschädigung an die Fondsleitung für die Führung und die Verwaltung des Fonds. Kosten, ob verdeckt oder offen ausgewiesen, reduzieren die Fondsrendite.
- Hat der Fonds schon einmal eine Auszeichnung (Award) für überdurchschnittliche Renditen erhalten? Am bekanntesten dürften die Awards der Fondsanalyse-Firma Standard Poors Micropal sein. Allerdings gilt es zu beachten: Auszeichnungen beziehen sich immer auf die Vergangenheit und sind keine Garantie für künftige, überdurchschnittliche Leistungen.
Auf jeden Fall sollten Sie sich ein mittel- bis langfristiges Anlageziel setzen und sich nicht verunsichern lassen durch kurzzeitige Kursschwankungen. Wer zudem die obengenannten Tipps berücksichtigt, ist in der Lage, sein Geld in neuzeitliche Finanzinstrumente anzulegen und sich von der Verwaltung und der Uberwachung seiner Geldanlagen weitgehend zu entlasten.
© Beobachter Ausgabe 20 vom 01. Okt 1999 - Alle Rechte vorbehalten









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