Krankenkassen: Geld sparen mit höherer Franchise

Text:
  • Norbert Winistörfer
  •  und Udo Theiss
Ausgabe:
20/99

Die Krankenkassenprämien steigen unaufhaltsam. Wer seine Franchise erhöht, kann Geld sparen.

Wie lassen sich Krankenkassenprämien senken? Es gibt verschiedene Möglichkeiten: eine billigere Krankenkasse oder ein alternatives Versicherungsmodell wählen – oder die Franchise erhöhen.

Die Franchise ist nicht mit der Kostenbeteiligung (Selbstbehalt) zu verwechseln, die alle Versicherten tragen müssen. Erwachsene zahlen – sofern sie medizinische Leistungen in Anspruch nehmen – einen Selbstbehalt von zehn Prozent der Rechnungsbeträge, maximal 600 Franken pro Jahr. Kinder zahlen maximal 300 Franken.

Neben dem Selbstbehalt müssen alle Versicherten bei allen Kassen für die so genannte Franchise aufkommen. Dies ist jener Betrag, den Versicherte für medizinische Behandlungen und Medikamente aus der eigenen Tasche bezahlen müssen. Für Erwachsene beträgt die ordentliche Franchise 230 Franken. Kinder zahlen keine Franchise. Versicherte berappen in der Grundversicherung pro Jahr also insgesamt 830 Franken selbst, sofern sie medizinische Kosten von mindestens 6000 Franken verursachen.

Versicherte zahlen viel zu viel
Sie können aber freiwillig eine höhere Franchise wählen: möglich sind 400, 600, 1200 oder 1500 Franken. Dies reduziert die Prämie. «Davon machen jedoch zu wenig Versicherte Gebrauch», sagt Richard Eisler von der Internetfirma Comparis, die unter anderem auf den Vergleich von Krankenkassenprämien spezialisiert ist. «Insgesamt zahlen die Krankenversicherten in der Schweiz jährlich rund zwei Milliarden Franken zu viel Prämien.»

Würden Versicherte die Franchise bei der Grundversicherung bedürfnisgerecht wählen – das zeigen Berechnungen von Comparis –, könnten zwei Drittel der Bevölkerung jedes Jahr mehrere hundert bis weit über tausend Franken Prämien sparen – mit berechenbarem Risiko.

Eine hohe Franchise lohnt sich
Besonders krass ist für Richard Eisler der Fall der Supra-Versicherten in Zürich und Genf: «Sie sollten die Franchise auf das Maximum erhöhen. Denn selbst bei Gesundheitskosten von jährlich über 50000 Franken müssten sie unter dem Strich weniger selber zahlen als bei der ordentlichen Franchise.»

Bei solchen Berechnungen sind die meisten Versicherten überfordert. Comparis bietet deshalb seit kurzem gratis eine individuelle Berechnung der optimalen Franchise an. Es wird dabei jene Franchise berechnet, bei der die selber zu tragenden totalen Kosten mitsamt den Prämien für ein Jahr am billigsten kommen.

Wer feststellt, dass er regelmässig auf jährliche Gesundheitsausgaben von rund 300 Franken kommt, fährt mit der freiwilligen Franchise von 1500 Franken billiger als mit der ordentlichen von 230 Franken. Bei letzterer werden nur 70 Franken zu 90 Prozent von der Krankenkasse übernommen. Die ersten 230 Franken gehen ohnehin zu Lasten des Versicherten. «Warum also nicht gleich die Franchise auf 1500 Franken hinaufsetzen, die ganzen 300 Franken selber zahlen – also 63 Franken mehr – und dafür jährlich 40 Prozent der Prämiengelder sparen?», fragt Eisler.

Eine höhere Franchise hat allerdings einen Nachteil: Bei gleich bleibender oder sinkender Prämie kann der Versicherte seine Police nur auf Ende des Kalenderjahrs kündigen. Bei der ordentlichen Franchise ist dies auf den 30. Juni und den 31. Dezember möglich. Die Kündigung muss dabei immer drei Monate vor Kündigungstermin bei der Krankenkasse eintreffen.

Bei Prämienerhöhungen ist die Kündigung der Grundversicherung – unabhängig von der Franchisehöhe – innert 30 Tagen nach Empfang der Mitteilung auf Ende des folgenden Monats möglich.

© Beobachter Ausgabe 20 vom 01. Okt 1999 - Alle Rechte vorbehalten

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